Voestalpine steht unter hohem Druck

Autoindustrie Der Voestalpine-Konzern schreibt wegen der Corona-Krise rote Zahlen. Was das für den Standort in Schwäbisch Gmünd bedeutet.

  • Standort von Voestalpine in Schwäbisch Gmünd. Foto: Voestalpine

Schwäbisch Gmünd/Linz.

Die Zahlen sind eindeutig: Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres hat der österreichische Konzern Voestalpine mit rund 2,4 Milliarden Euro fast 30 Prozent weniger Umsatz erwirtschaftet als im Vorjahr. Zudem schreibt das Unternehmen rote Zahlen, operativ steht ein Verlust von 49 Millionen Euro zu Buche. Insbesondere in Europa, wo der Konzern rund zwei Drittel seines Umsatzes erzielt, belasteten der Stillstand der Automobilindustrie, aber auch die generelle Schwäche im industriellen Bereich alle vier Konzern-Divisionen, so das Unternehmen.

Der Stahl- und Technologiekonzern reagiert mit einem Sparprogramm, in der Steiermark werden laut Informationen des ORF mehr als 500 Stellen gestrichen, die Zahl der Mitarbeiter weltweit ist im Vergleich zum Vorjahr um mehr als sieben Prozent auf rund 48 000 zurückgegangen. Auch am Standort Schwäbisch Gmünd, wo aktuell rund 700 Menschen arbeiten, wird gespart.

Wie eine Sprecherin auf Anfrage dieser Zeitung mitteilt, belaste der coronabedingte Stillstand der Automobilindustrie und der damit einhergehende Einbruch der Nachfrage auch den hiesigen Voestalpine-Standort. „Trotz erster Erholungstendenzen ist der Druck auf die Gesamtbranche und ihre Zulieferer noch sehr hoch“, erklärt sie. Dennoch wird es keinen Stellenabbau in Schwäbisch Gmünd geben. Voestalpine versucht, die Situation anders zu kompensieren.

„Bis Ende des laufenden Geschäftsjahres sind alle Mitarbeiter des Standortes zur Kurzarbeit angemeldet“, erläutert sie. Zudem liefen auch in Schwäbisch Gmünd „konzernweite Kostensenkungs- sowie Effizienzsteigerungsmaßnahmen mit Hochdruck, wie etwa Reduktion der Anzahl der Leasingmitarbeiter, ein forcierter Überstunden- und Urlaubsabbau sowie das Nicht-Nachbesetzen frei werdender Stellen“, sagt die Sprecherin und weiter: „Die Voestalpine setzt sich für den Erhalt jedes einzelnen Arbeitsplatzes ein.“

Wir verfügen über ausreichende Liquidität.

Herbert Eibensteiner
Vorstandschef Voestalpine

Der Standort in Gmünd fertigt höchstfeste Warmumformteile sowie komplexe Baugruppen aus Stahl und Aluminium für Premiumkunden der Automobilindustrie. Die Fabrik auf dem Gügling war in den vergangenen Jahren stark gewachsen, 2013 waren 500 Menschen hier beschäftigt, aktuell sind es rund 700. Ein wichtiger Meilenstein für den Standort war die 2016 die Eröffnung der weltweit ersten „phs-directform“-Anlage. Seither wurde der Standort laufend erweitert. Aktuell hat die Fabrik auf dem Gügling eine Gesamtfläche von rund 106 000 Quadratmetern, 60 000 davon sind Produktionsfläche.

Trotz der roten Zahlen, die vor allem aus den aufgrund der Rezession sinkenden Stahlpreisen herrühren, ist der Konzern optimistisch, die Krise zu bewältigen. „Wir haben es geschafft, uns sehr rasch an die völlig neue Situation anzupassen“, erklärt Herbert Eibensteiner, Vorstandsvorsitzender der Voestalpine AG. Das Ergebnis vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen (Ebitda) sei positiv gewesen. „Dies ist vor allem auf unser konsequentes Kostenmanagement und die rasche Umsetzung von ergebnisoptimierenden Maßnahmen im gesamten Konzern zurückzuführen“, so der Konzernchef weiter. Darüber hinaus verfüge der österreichische Konzern mit Stammsitz in Linz „nach wie vor über eine ausreichende Liquidität“.

Mit dem Ende des Lockdowns im ersten Quartal habe überdies eine stufenweise Erholung der Nachfrage eingesetzt. Deshalb rechnet der Konzern damit, im gesamten Geschäftsjahr schwarze Zahlen zu schreiben. Wegen der unsicheren Situation auf den weltweiten Märkten setzen die Österreicher allerdings weiterhin auf „Kostenmanagement und Ergebnisstabilisierung“, so das Unternehmen.

© Wirtschaft Regional 06.08.2020 13:47
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