Hugo Boss tief in den roten Zahlen

Rekordumsätze im Onlinegeschäft und die Entwicklung in China machen aber Hoffnung.
  • Hugo Boss meldet große Umsatzeinbußen. Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Besonders hoch waren die Umsatzeinbußen bei formeller Kleidung: Anzüge, Hemden und Krawatten des Herstellers Hugo Boss wurden in der Hochphase der Corona-Krise kaum mehr nachgefragt. Vergleichsweise gut verkauft wurden T-Shirts, Sweatshirts und Hosen, gab das Unternehmen mit 13 700 Mitarbeitern weltweit bekannt.

Das kann zum einen daran liegen, dass im Homeoffice weniger Anzüge getragen werden. Zum anderen wurde verstärkt online eingekauft und damit wohl von tendenziell jüngeren Kunden. Während der Konzernumsatz durch die Ladenschließungen im zweiten Quartal dieses Jahres um insgesamt 59 Prozent auf 275 Millionen Euro einbrach, stieg der Online-Umsatz kräftig um 74 Prozent. „April bis Juni waren das stärkste Quartal im eigenen Onlinegeschäft innerhalb von elf aufeinanderfolgenden Quartalen mit jeweils deutlich zweistelligem Umsatzwachstum“, lassen die Metzinger verlauten.

Das bewegt auch Yves Müller, den Sprecher des Vorstands der Hugo Boss AG, zumindest zu verhaltenem Optimismus: „Es stimmt uns zuversichtlich, dass unsere strategischen Wachstumstreiber China und Online zügig zu ihrer alten Dynamik zurückgekehrt oder sogar gewachsen sind.“ Insgesamt sei das zweite Quartal aber „sehr anspruchsvoll“ gewesen.

Das umschreibt eher vorsichtig, dass die Corona-Krise das Unternehmen tief in die roten Zahlen gedrückt hat. Das operative Minus (Ebit) summierte sich insgesamt auf 250 Millionen Euro. 2019 hatte Hugo Boss noch ein Plus von 80 Millionen Euro erzielt. In diesem Jahr belasteten zusätzlich Abschreibungen über 125 Millionen Euro das Ergebnis. Unter dem Strich fiel der Verlust dank einer Steuergutschrift mit 186 Millionen Euro niedriger aus, nach einem Gewinn von 52 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Hoffnung macht die Entwicklung in China. Insgesamt sank der Umsatz im Raum Asien/Pazifik zwar um 36 Prozent. Auf dem chinesischen Festland gibt es laut Unternehmen aber eine „sukzessive Erholung“, die bereits im März begonnen habe und Hugo Boss im Juni bereits wieder ein Umsatzplus im zweistelligen Prozentbereich beschert hat.

Auch wenn die Unternehmensleitung angesichts der Pandemie weiter auf ein „hohes Maß an Unsicherheit“ hinweist und keine zuverlässige Umsatz- und Ergebnisprognose wagt, gibt man sich in Metzingen optimistisch. Das globale Einzelhandelsumfeld werde sich weiterhin verbessern – und damit auch die Lage für die Hugo Boss AG. Caroline Strang
© Südwest Presse 05.08.2020 07:45
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