Mapal streicht weniger Stellen als geplant - "Ein Kompromiss, der weh tut"

Autoindustrie Bei Mapal fallen 320 statt 380 Stellen weg. Nach Monaten der Umsatzeinbrüche hat sich die Situation etwas gebessert. Mit einer Erholung rechnet die Firma aber erst in drei bis vier Jahren.
  • Stammsitz von Mapal in Aalen. Hier arbeiten aktuell noch 1900 Mitarbeiter. Foto: Mapal

Aalen

Rund fünf Wochen wurde über den geplanten Stellenabbau beim Aalener Traditionsunternehmen verhandelt, nun steht das Ergebnis fest: Statt der zunächst anvisierten 380 Stellen streicht Mapal lediglich rund 320 Stellen. „Die Verhandlungen gestalteten sich am Anfang etwas zäh und schwierig, letztendlich sind wir zu einem Ergebnis gekommen, mit dem wir leben müssen“, erklärt Betriebsratschef Frank Khöber. In den 320 Stellen sind 120 Mitarbeiter enthalten, die bis Ende 2021 in Ruhestand gehen. Zudem gibt es ein Freiwilligenprogramm.

Die verbleibenden 200 Stellen sollen über Vorruhestandsregelungen sowie über den sozialverträglichen Wechsel in eine Transfergesellschaft abgebaut werden, wie Andrea Sicker, Erste Bevollmächtigte der IG Metall, erklärt. Trotz allem sei es „ein Kompromiss, der weh tut“, wie sie sagt.

Mapal hatte Mitte Juni angekündigt, zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte Arbeitsplätze abzubauen. Der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Jochen Kress hatte den Schritt mit der massiven Absatzkrise und dem dramatischen Strukturwandel in der Automobilindustrie begründet. Mit deren Unternehmen erwirtschaftet Mapal mehr als die Hälfte des Umsatzes, zweitwichtigster Kunde ist die ebenfalls darbende Luftfahrtbranche.

„Es ist für uns ein schwieriger Tag, weil es das bei uns noch nie gegeben hat“, sagte Kress am Freitag, nachdem die Mitarbeiter über die Einigung informiert worden waren. „Leider führte aber an der Kapazitätsanpassung kein Weg vorbei.“ Laut Kress habe Mapal im Jahr 2019 noch das beste erste Quartal der Firmengeschichte erzielt, danach ging es bergab mit Aufträgen und Umsätzen.

„Wir hatten gehofft, die Situation über klassische Instrumente wie Abbau von Überstunden, Urlaub sowie Kurzarbeit abfedern zu können“, erklärt Betriebsratschef Khöber. Doch dann kam Corona. Fast alle Mapal-Kunden schlossen im April ihre Werke, entsprechend verschlechterte sich die Lage zusehends. „Ohne Corona hätten wir es vielleicht aushalten können“, sagt Kress. Nun rechnet er damit, dass die Erholung drei bis vier Jahre dauern wird. „So lange können wir keine Kapazitäten vorhalten.“

Ohne Corona hätten wir es vielleicht aushalten können.

Dr. Jochen Kress
Mapal-Chef

Der von den Arbeitnehmervertretern bestellte Gutachter kam angesichts der dramatischen Situation sogar zu einer noch pessimistischeren Einschätzung. „Er hätte sogar noch mehr Stellen abgebaut“, sagt Khöber. Dass sich die Tarifparteien schlussendlich auf 320 Stellen einigten, sei „ein Risiko“, so Kress. „Wir sind bis an das Maximum gegangen.“ Er gehe von einer schnelleren Erholung aus als der Wirtschaftsberater. Dazu komme: „Wir brauchen qualifizierte Mitarbeiter, wenn es wieder bergauf geht.“ Parallel zum Stellenabbau will sich Mapal in den kommenden Monaten neu aufstellen und die Abläufe verschlanken und optimieren.

Das fordert auch Gewerkschafterin Andrea Sicker. „Unternehmen wie Mapal müssen ihre Hausaufgaben für die Zukunft machen.“ Sie meint damit Felder wie den Transformationsprozess in der Branche oder die Digitalisierung. Aber auch die internen Prozesse gehörten nun auf den Prüfstand. „Der Mapal-Standort Aalen hat auf jeden Fall eine Zukunft“, betont Sicker.

Auch an anderen Standorten von Mapal laufen derzeit Verhandlungen über Sparpakete, auch hier droht ein Stellenabbau. „Von der aktuell schwierigen Situation sind vor allem die Standorte in Deutschland betroffen“, erläutert Kress. Ein Grund: Die hiesige Automobilproduktion sei in den Jahren 2017 bis 2019 um rund 20 Prozent zurückgegangen. Zudem belaste die extreme Exportorientierung in Krisenzeiten wie diesen Standorte wie den Stammsitz in Aalen. „Das deutsche Modell der Exportorientierung hat zehn Jahre lang super funktioniert“, erläutert Kress. „Jetzt holt uns diese Abhängigkeit aber ein.“

In den vergangenen Wochen habe sich die Auftragslage zwar wieder entspannt, vom früheren Niveau sei man aber noch weit entfernt. Die Standorte in China sind im Juli wieder auf Vorjahreslevel angelangt und könnten 2020 sogar mehr Umsatz erzielen als 2019. „Die Entwicklung der Märkte in den USA oder Brasilien ist aber eine absolute Katastrophe“, so Kress. „Auch Teile der europäischen Märkte hängen noch völlig in den Seilen.“

© Wirtschaft Regional 31.07.2020 16:32
2019 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?