Kurzarbeit rettet Arbeitsmarkt

Statistik Die Arbeitslosenzahlen steigen dennoch konstant. Das liegt nicht nur an den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Doch es gibt auch Lichtblicke.

Aalen

Die Zahl der Erwerbslosen in der Region steigt langsamer als in den Vormonaten. Zum Stichtag 30. Juni waren in Ostwürttemberg rund 11 100 Menschen ohne Arbeit, die Quote liegt bei 4,4 Prozent, das sind 0,1 Prozentpunkte mehr als noch im Vormonat und 1,4 Prozentpunkte mehr als noch im Juli 2019.

Elmar Zillert, Chef der Arbeitsagentur in Aalen, erklärt den Anstieg so: „Neben dem konjunkturellen Anstieg der Arbeitslosigkeit in den letzten Monaten, verursacht durch die Covid-19 Pandemie, können wir aktuell, wie jedes Jahr in den Sommermonaten, einen saisonal bedingten Anstieg bei den Arbeitslosen feststellen.“ Der Grund ist die Urlaubs- und Ferienzeit. Die führt bei vielen Firmen zu einer Zurückhaltung bei der Einstellung neuer Mitarbeiter. „Auch tragen die endenden Ausbildungsverhältnisse zu diesem Anstieg mit bei“, so Zillert.

Vergleich Auf den Ostalbkreis entfallen rund 7250 Erwerbslose, die Quote liegt bei 4,0 Prozent, im Landkreis Heidenheim sind 3850 Menschen ohne Arbeit, die Quote liegt bei 5,2 Prozent. Zum Vergleich: Im Land lag der Wert ebenfalls bei 4,4 Prozent, in Deutschland bei 6,3 Prozent.

Lichtblicke Die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt hat wieder zugenommen. So hatten im Juli 654 Arbeitslose wieder einen neuen Job angetreten – neun Prozent mehr als im Vormonat. Und: Im Juli 2019 war die Arbeitslosigkeit stärker gestiegen. „2019 hatten wir einen Anstieg der Arbeitslosen von Juni auf Juli in Höhe von 5,5 Prozent“, so Zillert. Nun legte sie nur noch um 2,6 Prozent zu. Klar ist: Die Region ist bis jetzt relativ glimpflich durch die Krise gekommen. Das liegt vor allem an einem arbeitsmarktpolitischen Instrument. „Der Arbeitsmarkt zeigt sich aktuell verhältnismäßig stabil, was wir in erster Linie dem Instrument der Kurzarbeit zu verdanken haben“, so Zillert weiter.

Der Höhepunkt der Kurzarbeit dürfte erreicht sein.

Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut
Wirtschafts- und Arbeitsministerin

Kurzarbeit Dass der Arbeitsmarkt trotz des historischen Einbruchs der deutschen Wirtschaftsleistung – so vermeldete das Statistische Bundesamt einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal um 10,1 Prozent – noch intakt ist, liegt am Instrument der Kurzarbeit. Laut Arbeitsagentur waren oder sind 39 Prozent aller Beschäftigten in Ostwürttemberg von Kurzarbeit betroffen. Die Zahl der „voraussichtlich betroffenen Beschäftigten“ liegt bei rund auf 72 000. Im Ostalbkreis sind es rund 52 500 Mitarbeiter, im Landkreis Heidenheim etwas weniger als 20 000.

In den vergangenen Monaten stellten in Ostwürttemberg 4500 Betriebe in der Region einen Antrag auf Kurzarbeit. Die tatsächliche Zahl kann abweichen – nicht alle Firmen mussten diesen auch in die Tat umsetzen. Zillert: „Ohne dieses wichtige Instrument, um welches uns viele Länder beneiden, hätten wir eine deutlich höhere Zahl an Arbeitslosen zu verzeichnen.“ So wundert es nicht, dass Wirtschaftsminister Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut anlässlich der Veröffentlichung der Arbeitsmarkten erklärte: „Die Arbeitslosigkeit im Land stagniert – der Höhepunkt bei der Kurzarbeit dürfte erreicht sein. Wichtig ist nun, die Bezugsdauer von Kurzarbeitergeld auf 24 Monate zu verlängern.“

Blick auf die Region In Ostwürttemberg verteilen sich die Arbeitslosen äußerst ungleich. In Ellwangen liegt die Quote bei nur 2,1 Prozent, im Bereich Heidenheim bei 5,2 Prozent. Am stärksten stieg die Zahl der Arbeitslosen im Verlauf des zurückliegenden Jahres im Raum Schwäbisch Gmünd. Dort sind nun 4,9 Prozent der Erwerbsfähigen arbeitslos. Der Raum Aalen (3,9 Prozent) sowie Bopfingen (3,8 Prozent) liegen dazwischen. Der Landkreis Heidenheim schneidet dabei besser ab als der Ostalbkreis. Innerhalb eines Jahres ist im Süden die Arbeitslosigkeit um 39,9 Prozent gestiegen, auf der Ostalb sogar um 47,2 Prozent.

© Wirtschaft Regional 30.07.2020 17:26
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