Einigung über Stellenabbau bei ZF

Autozulieferer Der Konzern und die Arbeitnehmervertreter haben ein umfangreiches Sparpaket beschlossen. Das sind die Konsequenzen für den Standort in Alfdorf.

  • Betriebsratschef Wolfgang Betz (links) und dessen Stellvertreter Daniel Sauerbeck, der auch Mitglied des Gesamtbetriebsrats, in der Fertigung am ZF-Standort Alfdorf. Foto: rs

Alfdorf

Rund 15 000 Stellen weltweit will der Friedrichshafener ZF-Konzern an seinen weltweiten Standorten streichen, die Hälfte davon in Deutschland. Nun hat sich das Unternehmen mit dem Gesamtbetriebsrat und den Gewerkschaften auf eine sogenannte „Vereinbarung zur strukturellen Neuausrichtung des Unternehmens geeinigt“. Der „Tarifvertrag Transformation“ sieht zum einen den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis zum Ende des Jahres 2022 sowie den Erhalt aller deutschen Standorte vor. Allerdings bedeutet die Einigung auch, dass am Standort Alfdorf wahrscheinlich mehr Stellen gestrichen werden sollen als bislang befürchtet.

Ursprünglich war der Betriebsrat um den Vorsitzenden Wolfgang Betz und dessen Stellvertreter Daniel Sauerbeck vom Verlust von 80 bis 120 Stellen in den kommenden Jahren ausgegangen. „Diese Zahl wurde nun signifikant erhöht“, erklärt Betz, ohne exakte Zahlen zu nennen. „Zunächst werden wir alle Mitarbeiter über den aktuellen Stand informieren.“ Aktuell arbeiten am ZF-Standort in Alfdorf rund 1800 Menschen.

Allerdings wird es auch dort keine betriebsbedingten Kündigungen geben. „Der Abbau soll sozialverträglich ablaufen“, erläutert Sauerbeck, der auch Mitglied im Gesamtbetriebsrat des Konzerns ist. Stattdessen soll durch Freiwilligenprogramme und die Erhöhung der Altersteilzeit die Zahl der Mitarbeiter in den kommenden Jahren sinken. „Das bedeutet für die Beschäftigten am Standort zunächst mehr als zwei Jahre Sicherheit“, so Sauerbeck. Die Zahl der Auszubildenden und dualen Studierenden soll auf demselben Niveau wie bislang bleiben. Die befürchtete Schließung der ZF-Standorte Gelsenkirchen und Kassel-Calden ist ebenfalls vom Tisch.

Im Gegenzug verzichten die ZF-Mitarbeiter auf eine Sonderzahlung von 400 Euro pro Mitarbeiter, die im Juli ausgezahlt worden wäre. Weiter haben die Parteien sich auf „weitreichende Instrumente der Flexibilisierung der Personalkapazitäten“ geeinigt. So können, falls die Kurzarbeit ausläuft, die Arbeitszeiten um bis zu 20 Prozent reduziert werden. Zudem gibt es nun eine bundesweit einheitliche Regelung zur Aufstockung des Kurzarbeitergelds. ZF sichert so rund 90 Prozent der ursprünglichen Bezüge.

ZF streicht Stellen weltweit

Der Spardruck ist aktuell sehr groß.

Wolfgang Betz
Betriebsratschef ZF Alfdorf

„Das Instrument der Kurzarbeit hat sich in dieser Krise einmal mehr bewährt“, betont Sauerback. „Die Verhandlungen waren zwar nicht leicht, wir haben aber in den Gesprächen dank einer starken Arbeitnehmervertretung die Weichen für die kommenden zwei Jahren gestellt“, erklärt Sauerbeck.

Gemeinsam mit dem Unternehmen werden die Arbeitnehmervertreter nun Gespräche aufnehmen, um Zukunftsperspektiven für die jeweiligen Standorte zu entwickeln, führen die beiden Betriebsräte weiter aus. „Die Werke in Deutschland haben unterschiedliche Voraussetzungen. Wir wollen deshalb Zukunftsbilder für alle Standorte entwerfen“, so Sauerbeck. Insgesamt sollen an den deutschen Standorten rund 7500 Stellen wegfallen. Hinzu kommen weitere zahlreiche Stellen an den ausländischen Standorten; vor allem in den USA und China hat ZF bereits zahlreiche Arbeitsplätze abgebaut.

Betriebsratschef Betz erklärt die aktuelle Situation: „Der Spardruck im Konzern ist aktuell sehr groß. Das bereitet uns Betriebsräten enorme Bauchschmerzen“, sagt er. Hinzu kommt: Die Sparpläne beträfen alle Bereiche des Unternehmens. „ZF verfolgt zudem nicht nur in der Herstellung das Prinzip der Lokalisierung, sondern auch in Forschungs- und Entwicklungsabteilungen.“ Das heißt, dass nicht nur die Fertigung in den jeweiligen Absatzmärkten beheimatet sein soll, sondern auch zugehörige Entwicklungsdienstleistungen, die früher einmal vor allem an deutschen Standorten angesiedelt waren. Dennoch will Bentz in den anstehenden Gesprächen die nicht genannte Zahl an Stellenstreichungen in Alfdorf so weit wie möglich senken.

Allerdings müsse der Betriebsrat „der Realität ins Auge sehen“. Die Automobilbranche befindet sich mitten in einem massiven strukturellen Wandel, hinzu kommt eine seit Monaten, bereits vor der Corona-Krise existente Rezession. Die Absatzzahlen dürften weiter auf einem niedrigeren Niveau bleiben, Betz glaubt nicht, dass das Vorkrisenniveau wieder erreicht werden kann. Mehr noch: „Die gesamte Mobilität verändert sich, darauf muss sich ZF, darauf müssen wir uns einstellen“, prognostiziert Betz. Für das Alfdorfer Werk ist er trotz allem optimistisch. „Wir sind am Standort breit aufgestellt, verfügen über eine eigene Montage sowie eine sehr große Fertigungstiefe und arbeiten an vielen Zukunftsprojekten mit viel Potenzial. Wir werden eine Lösung finden.“

© Wirtschaft Regional 28.07.2020 13:59
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