Eberspächer schließt GD-Werk

Autoindustrie Der Esslinger Zulieferkonzern stellt den Betrieb in Schwäbisch Gmünd ein. Rund 130 Mitarbeiter sind betroffen. Die Gründe für das Aus.

  • Blick in die Fertigung von Eberspächer am Standort in Schwäbisch Gmünd. Foto: GT/SP-Archiv

Schwäbisch Gmünd

Die Krise in der Autoindustrie spitzt sich zu. Nachdem Bosch AS einen massiven Stellenabbau beschlossen hat, folgt nun der nächste Nackenschlag für den Auto-Standort Schwäbisch Gmünd: Wie der Esslinger Konzern Eberspächer mitteilt, soll das Gmünder Werk auf dem Gügling, besser bekannt unter dem Namen Eberspächer Prototechnik, bis Ende des Jahres geschlossen werden.

Wie das Unternehmen in einer Mitteilung schreibt, seien am Montag Betriebsrat und Mitarbeiter über das Aus für den Standort informiert worden. „Die Entscheidung ist Folge der aktuellen wirtschaftlichen Krise“, so Eberspächer weiter. Von der Schließung sind rund 130 Mitarbeiter betroffen.

Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen in Gmünd bereits 30 Stellen gestrichen, 40 Arbeitsplätze an andere Niederlassungen verlagert und den Standort stark verkleinert. Das Werk sollte sich auf die Produktion von Klein- und Sonderserien im Bereich Pkw-Abgastechnik konzentrieren. „Die gemeinsamen Anstrengungen wurden durch die nicht vorhersehbare Corona-Pandemie und ihre Folgen für die gesamte Branche zu Nichte gemacht“, erläutert nun Dr. Thomas Waldhier, Geschäftsführer der Division Exhaust Technology.

Die Geschäftsführung wolle nun mit der Arbeitnehmervertretung über einen Interessensausgleich sowie einen Sozialplan verhandeln. Geplant ist offenbar ein Freiwilligenprogramm. Bis Ende des Jahres sollen die verbleibenden Aufträge an andere europäische Eberspächer-Standorte verlagert, der Standort also stufenweise abgewickelt werden.

Der Konzern begründet das Aus mit dem „hohen Druck“, unter dem das Unternehmen durch die aktuelle wirtschaftliche Krise stehe. Der Absatzmarkt sei weltweit zusammengebrochen und erhole sich mittelfristig nicht mehr, das Ausgangsniveau vor der Krise werde nur schwer zu erreichen sein. „Die Automobilhersteller reagieren unter anderem auf sinkende Kundennachfragen, indem sie ihr Angebot im Klein- und Sonderseriengeschäft reduzieren und einen Sparkurs fahren“, so die Firma weiter.

Als Folge dieser Entwicklungen sinke der Gmünder Standort unter eine kritische Umsatzgröße und könne nicht mehr kostendeckend produzieren. „Diese Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen. Jedoch sind die Krise und ihre Folgen einschneidend und diese Maßnahme ist für die langfristige Stabilität der Abgastechnik von Eberspächer notwendig“, erläutert Waldhier.

Erst vor wenigen Wochen hatte das Unternehmen ein positives Jahresergebnis vermeldet. Der Umsatz war im zurückliegenden Geschäftsjahr um acht Prozent auf 4,966 Milliarden Euro gestiegen, der Überschuss lag bei 58 Millionen Euro. Allerdings war bereits Ende Mai absehbar, dass die Corona-Krise das Familienunternehmen empfindlich treffen würde.

Martin Peters, geschäftsführender Gesellschafter der Eberspächer Gruppe, nannte die Auswirkungen bei der Vorstellung der Geschäftsbilanz „gravierend“ und erklärte: „Für 2020 können wir die wirtschaftlichen Auswirkungen noch nicht exakt beziffern, gehen jedoch von einem signifikanten Umsatzeinbruch aus.“ Vor allem die deutschen Produktionsstandorte stünden im internationalen Vergleich aktuell unter einem noch höheren Druck. „Um in dieser Situation das Gesamtunternehmen nicht zu gefährden, müssen wir erforderliche Veränderungen mit einer höheren Geschwindigkeit voranbringen, als dies normale Marktbedingungen erfordern würden“, erläuterte Peters weiter.

Nicht nur am Standort Gmünd streicht Eberspächer deshalb Stellen: Der Produktionsstandort für Fahrzeugheizungen in Esslingen wird bis Ende des Jahres 2022 geschlossen, rund 300 Mitarbeiter sind von den Plänen betroffen.

© Wirtschaft Regional 27.07.2020 17:07
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