Söder besucht Job-Motor Varta

Technologie Bayerns Ministerpräsident legt den Grundstein für die neue Lithium-Ionen-Batteriefertigung in Nördlingen. Dortige Zahl von 800 Beschäftigten könnte sich noch verdoppeln.
  • Eine Maschine, die 28 Arbeitsschritte nacheinander ausführt, ließ sich Bayerns Ministerpräsident in der Batteriefertigung bei Varta in Nördlingen zeigen. Fotos: Bernhard Hampp
  • Der Bau der Fertigungshallen ist bereits in vollem Gange.

Nördlingen

Varta, das Vorzeigeunternehmen: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat nun die Fertigung des Batterieherstellers in Nördlingen besucht, um symbolisch den Grundstein für einen Erweiterungsbau zu legen. Bereits Ende Juni hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier den Konzern an seinem Hauptsitz Ellwangen besucht, um die Förderung der Varta-Batterieforschung und -fertigung mit 300 Millionen Euro durch Bund, Baden-Württemberg und Bayern zu verkünden.

100 Millionen davon fließen an den Standort Nördlingen, wo Varta in den vergangenen Jahren zunächst die Gebäude eines geschlossenen Wolleherstellers am nördlichen Stadtrand übernommen und seine Einrichtungen dann sukzessive erweitert hat. 32 Millionen von diesen 100 Millionen steuert der Freistaat Bayern bei, weshalb sich Ministerpräsident Söder von Varta-Vorstandschef Herbert Schein nicht nur die Fertigung der Lithium-Ionen-Batterien demonstrieren ließ, sondern in seiner Ansprache auch nachdrücklich für einen Ausbau der Batterieforschung und -fertigung in Deutschland plädierte. „Wir erleben Elektrifizierung überall“, sagte Söder. Die Batterietechnologie sei systemrelevant, Förderung für Varta in Nördlingen gut angelegtes Geld: „Varta ist ein Player, der auf Augenhöhe mitspielen kann im internationalen Konzert“, beteuerte der Ministerpräsident. Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Roland Weigert begrüßte besonders, dass hier die „Wertschöpfung im ländlichen Raum“ gefördert werde.

Varta-Chef Herbert Schein versprach, die Fördergelder für eine Verbesserung der Lithium-Ionen-Zellen einzusetzen. Bei diesen sogenannten Coinpower-Zellen, die unter anderem in kabellosen Headsets zum Einsatz kommen, ist Varta nach eigenen Angaben bereits jetzt Weltmarktführer. Es gelte aber auch, größere Lithium-Ionen-Zellen herzustellen, mit denen dann fahrerlose Transportsysteme oder Industrieroboter versorgt werden können.

Varta ist ein Player, der auf Augenhöhe mitspielen kann im internationalen Konzert.

Markus Söder
Ministerpräsident

Der Neubau, für den Söder den Grundstein legte, wächst freilich schon länger in die Höhe. Dementsprechend lobte der Ministerpräsident die schnelle Umsetzung des Projekts. „Allgemein müssen wir mehr Geschwindigkeit in Planungsprozesse bekommen“, mahnte er an. Seit Anfang des Jahres wird bei Varta gebaut. Ab Anfang 2021 sollen hier Lithium-Ionen-Zellen der neusten Generation mit hochautomatisierten Fertigungslinien hergestellt werden. Die Energiedichte der Batterien soll bis dahin noch einmal um 30 Prozent höher sein als heute, versprach Schein.

Der Neubau, der direkt an das bestehende Gebäude anschließt, wird eine Produktionsfläche von mehr als 15 000 Quadratmetern umfassen. Das dreistöckige Gebäude ist 91 Meter lang, 98 Meter breit und 22,50 Meter hoch.

Für die bayerische Kreisstadt Nördlingen sind die Varta-Aktivitäten ein wahrer Jobmotor. Mittlerweile rund 800 Menschen beschäftigt der Batteriehersteller in seinen Nördlinger Einrichtungen, zu denen auch ehemalige Hallen des abgewanderten Batterieherstellers Kathrein gehören. „Wir werden die Mitarbeiterzahl am Standort in kurzer Zeit noch einmal verdoppeln“, kündigte Schein an.

© Wirtschaft Regional 20.07.2020 13:31
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