So geht Zeiss mit der Krise um

Konjunktur Die Sparten sind unterschiedlich betroffen: Die SMT wächst, am Standort Aalen endet die Kurzarbeit. Die Krise ist für Zeiss aber nicht vorbei.
  • Die Bauarbeiten am Zeiss-Standort zwischen Oberkochen und Königsbronn laufen derzeit auf Hochtouren. Foto: Michael Ankenbrand

Oberkochen/Aalen

Auch am größten Arbeitgeber der Region, der Zeiss AG, geht die aktuelle Wirtschaftskrise nicht spurlos vorbei: Bei Zeiss werden seit einigen Monaten Überstunden abgebaut, darüber hinaus setzt das Unternehmen auch am Stammsitz in Oberkochen auf das Instrument Kurzarbeit. Von der pandemiebedingten Krise sind die vier Sparten unterschiedlich betroffen.

Die Zeiss SMT, die optische Systeme für die Herstellung von Chips produziert, bleibt trotz flauer Konjunktur und Pandemiekrise weiter auf Wachstumskurs. „Die Nachfrage ist hier konstant hoch“, erklärt Zeiss-Sprecher Jörg Nitschke. Im ersten Halbjahr war der Umsatz um 18 Prozent auf 904 Millionen Euro gewachsen. Die anderen Sparten wie beispielsweise die Industrial and Quality Solutions (IQR, zu deutsch: Industrielle Messtechnik) spürten dagegen die Auswirkungen der Krise.

„Insgesamt beobachten wir jedoch einen Aufwärtstrend, sodass auch die temporär notwendig gewordene Kurzarbeit sukzessive verringert werden konnte“, so Nitschke weiter. So gebe es beispielsweise bei der Sparte Vision Care in Aalen aktuell keine Kurzarbeit mehr. Dort werden Brillengläser hergestellt – ein Geschäftsfeld, das sehr sensibel auf konjunkturelle Entwicklungen reagiert und deshalb am Anfang der Pandemie besonders empfindlich betroffen war. Auch einen oft kolportierten Einstellungsstopp gibt es bei Zeiss nicht. Wie Nitschke erläutert, seien aktuell insbesondere bei der SMT mehr als 150 offene Stellen zu besetzen.

Die Nachfrage bei SMT ist weiter hoch.

Jörg Nitschke
Zeiss-Sprecher

Wie andere Unternehmen spürt Zeiss die Auswirkungen der Pandemie zeitversetzt. Der Blick auf den für Zeiss eminent wichtigen – weil einer der beiden größten – chinesischen Markt bestätigt den Eindruck. Im Januar waren die Umsätze in China wegen der Pandemie stark eingebrochen. Den Tiefpunkt erreichte die Entwicklung im Februar. Seit März hält nun aber schon der spürbare Aufwärtstrend an. „Mit einem ähnlichen Verlauf rechnen wir, vorbehaltlich unvorhersehbarer Entwicklungen was die Dynamik der Pandemie angeht, auch in den Regionen Europa und Mittlerer Osten sowie den amerikanischen Märkten“, erklärt Nitschke.

An den massiven Investitionen in der Region hält Zeiss trotz der aktuellen Flaute fest. Das Unternehmen investiert am Standort Ostwürttemberg bis zum Jahr 2022 zwischen 200 und 250 Millionen Euro in die Infrastruktur. Dazu gehören Neubau-, Erweiterungs- und Modernisierungsvorhaben. „Deutlicher Schwerpunkt der Investitionen stellt die Sparte SMT dar, aber auch in den anderen Sparten wird investiert“, so Nitschke.

Trotz Pandemie ist eine weitere Investition des Unternehmens gut gestartet: Mehr als zehn Millionen Euro hat Zeiss in einen sogenannten Innovation Hub in Karlsruhe investiert. Die offizielle Eröffnung im März fiel wegen der Pandemie zwar aus, dennoch wird dort bereits fleißig gearbeitet. Seit Frühjahr hätten sich bereits erfolgreiche Kooperationen und Projekte etabliert, so der Oberkochener Konzern. Zeiss möchte in dem Hub die Ansiedlung von Hochtechnologie- und Digital-Start-ups ermöglichen, sowie eigene Innovations- und Neugeschäftsaktivitäten betreiben.

© Wirtschaft Regional 17.07.2020 09:20
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