Emag erwägt Personalabbau

Maschinenbau Warum am Standort Heubach 75 Stellen auf der Kippe stehen, aber vorläufig kein Arbeitsplatzabbau geplant ist.
  • Beim Laserreinigen werden die Verunreinigungen auf den Oberflächen durch den Laserstrahl hochenergetisch verdampft. Foto: Emag

Salach/Heubach

Bereits seit einigen Wochen gibt es Gerüchte, dass der Maschinenbauer Emag an seinem Standort in Heubach einen gravierenden Stellenabbau plant. Von rund 75 Stellen ist die Rede, die auf der Kippe stehen und abgebaut werden könnten. Das Unternehmen hat nun entsprechende Pläne bestätigt. Konkret wird das Szenario allerdings erst im kommenden Jahr – und nur unter bestimmten Umständen.

So hat das Unternehmen seine mehr als 200 Mitarbeiter in Heubach Anfang Juli über die aktuelle Lage informiert. Wie viele Industrieunternehmen leidet Emag unter der kriselnden Konjunktur. Nach der neuesten Prognose der EU-Kommission wird die Wirtschaftsleistung in der Eurozone im Jahr 2020 um 8,7 Prozent zurückgehen. Die Wirtschaftsweisen rechnen damit, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2020 um 6,5 Prozent schrumpfen wird. Zum Vergleich: Im Jahr der Finanzkrise 2009 sank das BIP lediglich um 5 Prozent. Der Maschinenbau ist eine der Branchen, die besonders betroffen ist von der weiter zurückhaltenden Nachfrage auf den weltweiten Märkten.

Allerdings sind für das Jahr 2020 keine betriebsbedingten Kündigungen geplant, so Emag weiter. Zunächst setzt das Unternehmen auf das Instrument der Kurzarbeit, um die aktuelle Auftragslage zu kompensieren. Ein Stellenabbau im kommenden Jahr könne angesichts der wirtschaftlichen Lage aber nicht ausgeschlossen werden. „Davon könnten – abhängig vom Auftragseingang der nächsten Monate – bis zu 75 Arbeitsplätze in allen Bereichen der Emag LaserTec GmbH betroffen sein“, erklärt Unternehmenssprecher Oliver Hagenlocher.

Aktuell arbeiten 225 Menschen am Standort in Heubach, davon sind rund 30 Auszubildende. Die Ausbildung bleibe ein wichtiger Faktor bei der Gewinnung von Fachkräften und wird fortgesetzt, so der Sprecher weiter. Alle Auszubildenden sollen ungeachtet der weiteren Entwicklung übernommen werden. Weiter erklärt der Sprecher: „Der Standort Heubach wird weiter zum Technologiestandort für die nicht zerspanenden Technologien ausgebaut.“

Es könnten bis zu 75 Arbeitsplätze betroffen sein.

Oliver Hagenlocher
Emag-Sprecher

Deshalb sei auch die Emag ECM, ein weiteres Unternehmen der Emag-Gruppe, von Gaildorf nach Heubach gezogen und werde dort in den Hallen der Emag LaserTec agieren. „Mit diesem Schritt sollen Kosten gesenkt und Investitionstätigkeiten gebündelt werden.“ So entstehe in Heubach ein neuer Hochtechnologiestandort für innovative Bearbeitungstechnologien für Branchen wie etwa die Medizintechnik und Aerospace. Am Standort in Heubach werden etwa Laserschweißsysteme entwickelt und produziert.

Der Emag-Konzern war in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, auch durch Übernahmen. Im Januar gab das Unternehmen die Übernahme der CNC-Technik Weiss mit Sitz in Neckartailfingen bekannt. 2019 lag der Umsatz bei rund 544 Millionen Euro, die Zahl der Mitarbeiter bei fast 3200, davon sind 157 Auszubildende.

Das Unternehmen mit Sitz in Salach im Landkreis Göppingen wurde 1867 gegründet und stellt vor allem Werkzeugmaschinen und weitere Fertigungssysteme her. Im Juni hatte Emag angekündigt, seine Geschäfte in den USA ausweiten zu wollen und daher in Charlotte, North Carolina, eine Niederlassung eröffnet. Fast drei Viertel des Umsatzes erzielt Emag im Ausland. Die Autoindustrie ist ein wichtiger Kunde der Firma – entsprechend spürt sie auch die weltweite Flaute in diesem Sektor.

© Wirtschaft Regional 16.07.2020 16:22
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