Sieger ist das Homeoffice

Corona krempelt die Arbeitswelt um und die Büroeinrichter stellen sich mit neuen Angeboten darauf ein.
  • Hörschutz kann hilfreich sein: eine Frau im Homeoffice. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Die Katze tapst über die Tastatur, die Waschmaschine läuft, auf dem Küchentisch steht der Laptop: Homeoffice live, dank Corona. Die Bürobedarf- und Büromöbelbranche stellt sich längst darauf ein, aber „das Umdenken muss zuallererst in den Köpfen der Führungskräfte stattfinden“, sagt Ard-Jen Spijkervet, der Chef des Bürobedarfsspezialisten Leitz. Viele Beschäftigte selbst sind derweil längst von der Heimarbeit überzeugt.

„Zwei von drei Angestellten arbeiten lieber zu Hause als im Büro“, das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung der Süddeutschen Krankenversicherung (SDK). „Viele Stressfaktoren fallen weg wie zum Beispiel lärmende Kollegen oder ein anstrengender Arbeitsweg“, sagt Oliver Schwab von der SDK.

57 Prozent der rund 1500 Befragten sagten, sie könnten zuhause besser kreativ arbeiten. Von der Arbeit im Büro sagen das nur 18 Prozent, die übrigen machten in Sachen Kreativität keinen Unterschied aus.

Nur noch zu Hause bleiben wollen hingegen die wenigsten, zeigt eine Forsa-Umfrage, die der Industrieverband Büro und Arbeitswelt (Iba) in Auftrag gegeben hatte. Die Menschen vermissten nicht zuletzt die gute Ausstattung ihrer Arbeitsplätze im Büro, sagt Iba-Chef Hendrik Hund.

Der Wandel hat jedenfalls dank Corona längst begonnen. „Wir haben Großkunden, die für ihre Belegschaft Homeoffice-Produkte anbieten“, sagt Carola Burrell, die Marketingleiterin des Büromöbelherstellers Interstuhl. „Die Beschäftigten können zum Beispiel den Stuhl mit nach Hause nehmen oder die Möbel innerhalb eines Rahmenvertrags kaufen.“

Die Hersteller müssten sich jedoch auch auf den neuen Markt einstellen, sagt Burrell. „Wir werden einen Teil des Sortiments mit anderen Oberflächen und Farben anbieten, weil es zu Hause meist kuscheliger ist als in der cooleren Büro-Atmosphäre.“

Das bestätigt Spijkervet. „Büroartikel in schwarz und grau passen oft weniger gut zu Hause. Die Produkte sind zum Teil wirklich unattraktiv in einer privaten Umgebung.“ Leitz bringt jetzt eine neue Serie auf den Markt, die genau auf den Homeoffice-Bereich abzielt. Ein Renner sei beispielsweise ein Papier-Shredder, der jetzt in weiß verkauft wird.

Bleibt der Trend zum Homeoffice? Die Experten sagen, vor allem das Management und Betriebsräte müssten umdenken. Spijkervet: „Die klassische Denke, dass man immer vor Ort sein muss, ist tief verwurzelt.“ Und Burrell sagt: „Der Arbeitgeber muss mehr Vertrauen in seine Leute haben und Freiräume ermöglichen.“ Allerdings müssten Homeoffice und Büroarbeit möglich sein, weil die Heimarbeit nicht für jeden tauge. dpa
© Südwest Presse 30.06.2020 07:45
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