Konjunkturpaket: Das sagt der Steuerberater

Corona-Hilfe Mit dem Konjunkturprogramm sind auch steuerliche Neuregelungen verbunden. Was sich jetzt für Unternehmen, aber auch für Verbraucher ändert.
  • Steuerberater Joachim Vogel erklärt, warum es vom Fitnessstudio trotz der Umsatzsteuer-Senkung wahrscheinlich keine Rückerstattung gibt. Foto: Steuerberatungsgesellschaft Vogel

Aalen

Das nun verabschiedete Konjunkturprogramm soll der deutschen Wirtschaft angesichts der Coronakrise wieder auf die Beine helfen. Neben Zuschuss- und Hilfsprogrammen gibt es auch Erleichterungen im Steuerrecht – wie die vorübergehende Senkung der Umsatzsteuer. Was die steuerlichen Neuerungen im Einzelnen bedeuten.

Wie ändert sich die Umsatzsteuer?

Der Regelsteuersatz sinkt für die Dauer vom 1. Juli bis zum 31. Dezember von 19 auf 16 Prozent, im gleichen Zeitraum sinkt der ermäßigte Steuersatz, etwa für Lebensmittel, von 7 auf 5 Prozent.

Wann gilt welcher Steuersatz?

Steuerberater Joachim Vogel, Chef der Aalener Steuerberatungsgesellschaft Vogel, macht deutlich: „Es ist entscheidend, wann die Lieferung erfolgt.“ Wer etwas im Juni bestellt hat, was erst im Juli geliefert wird, zahlt den niedrigeren Steuersatz von 16 beziehungsweise 5 Prozent. Wusste der Unternehmer bereits, dass die Lieferung erst im Juli erfolgt, konnte er schon im Voraus den niedrigeren Steuersatz veranschlagen. War das nicht absehbar und der Kunde hat im Juni noch den höheren bezahlt hat, so hat er nun Anspruch auf eine Korrektur.

Wie ist das bei Dienstleistungen?

Bei allen Leistungen, die keine Lieferung sind, geht es darum, wann die Leistung beendet wurde. „Wenn eine Leistung bereits begonnen wurde, aber erst zwischen Juli und Dezember abgeschlossen wird, gilt der dann niedrigere Umsatzsteuersatz“, sagt Steuerberater Vogel. Das gilt übrigens auch, wenn bereits eine Anzahlung geleistet wurde.

Können Teilleistungen, etwa bei Bauvorhaben, zum günstigeren Steuersatz abgerechnet werden?

Wird die Gesamtleistung bei Fertigstellung abgerechnet, ist beim aktuellen Übergang von Juni auf Juli nichts zu veranlassen. Es kann sinnvoll sein, zum Jahreswechsel 2020/2021 eine Teilleistung zu vereinbaren und abzurechnen.

Ändern sich Mietverträge?

Wenn der Mietvertrag keine konkrete Angabe zum Steuersatz, sondern nur einen Passus „zuzüglich gesetzliche Umsatzsteuer“ enthält, so muss der Mietvertrag selbst nicht geändert werden. „In jedem Fall muss der Vermieter eine korrigierte Dauerrechnung stellen“, sagt Joachim Vogel. Ratsam sei, die Anpassung so vorzunehmen, dass sie von Juli bis Dezember gilt und sich ab Januar wieder auf den alten Stand ändert. Wird die Dauerrechnung nicht korrigiert, so muss der Vermieter möglicherweise 19 Prozent Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen, obwohl er nur 16 Prozent vom Mieter erhalten hat.

Werden Waren im Supermarkt nun automatisch billiger?

Für Endkunden gilt die Bruttopreisverordnung. Wenn ein Produkt mit 99 Euro ausgezeichnet ist, so sind 99 Euro zu bezahlen. Die Bundesregierung wünscht sich zwar, dass die gesenkte Umsatzsteuer an die Kunden weitergegeben wird, verpflichtend ist dies allerdings nicht. Unternehmen dürfen den Kunden einen Corona-Rabatt gewähren, viele haben das bereits angekündigt. „Dafür muss die Preisauszeichnung am Regal nicht geändert werden, sondern der Betrag kann einfach an der Kasse abgezogen werden“, betont Vogel.

Was ändert sich bei längerfristigen Verträgen, etwa für Fitnessstudios?

Auch hier entscheidet das Ende der Leistung. Endet die Laufzeit also etwa im September, so greift der niedrigere Umsatzsteuersatz – auch, wenn sich das Abo dann automatisch um ein Jahr verlängert. Daraus, macht Vogel deutlich, ergibt sich aber meist noch kein Anspruch der Kunden auf eine Rückerstattung, da es sich in der Regel um eine Bruttopreisvereinbarung handelt.

Was hat sich an den Abschreibungsmöglichkeiten geändert?

„Hier gibt es mit der Einführung einer degressiven Abschreibung für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens in 2020 und 2021 eine echte Erleichterung für Unternehmen“, sagt Vogel. Vereinfacht gesagt, kann mehr abgeschrieben werden, nämlich bis zum 2,5-fachen des Satzes einer linearen Abschreibung, maximal 25 Prozent pro Jahr.

Wie können Verluste der Corona-Zeit verrechnet werden?

Ein Unternehmen, das starke Einbrüche hinnehmen musste, aber ein gutes Vorjahr erlebt hat, kann Verluste aus 2020 für 2019 geltend machen und die Steuerlast mindern. „Das betrifft viele Firmen und sorgt für Liquidität“, sagt Steuerberater Vogel. Auch Steuervorauszahlungen für 2019 und 2020 können so herabgesetzt werden.

Wo gibt es weitere Entlastungen?

Zum Beispiel bei der Gewerbesteuer. Hier wird unter anderem der Freibetrag für Hinzurechnungen zum Gewerbeertrag (zum Beispiel Schuldzinsen) auf 200 000 Euro verdoppelt. Elektroauto-Dienstwagen werden niedriger besteuert: Bis zu 60 000 Euro Brutto-Kaufpreis, statt wie bisher 40.000 Euro, kommt hier die 0,25-Prozent-Methode zur Anwendung.

Steigt der Aufwand für Unternehmen?

„Die Umsetzung ist momentan mit einem gewissen Aufwand verbunden“, sagt Joachim Vogel: „Allerdings sind die Maßnahmen als echte Unterstützung zu sehen. Das sorgt für Zuversicht. Daher sollten wir das Beste daraus machen.“

© Wirtschaft Regional 29.06.2020 18:42
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