Bei Bosch AS dauern die Verhandlungen an

Automobilzulieferer Die 16. Verhandlungsrunde geht in die Verlängerung: Nachdem am Freitag bis spät in die Nacht verhandelt wurde, geht es an diesem Montag weiter. 

  • Bosch AS in der Lorcher Straße in Schwäbisch Gmünd. Foto: tom

Schwäbisch Gmünd

Aufreibende Verhandlungen beim Automobilzulieferer Bosch Automotive Steering (AS) in Schwäbisch Gmünd. Bereits zum 16. Mal seit Oktober 2019 haben sich am Freitag Vertreter der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite getroffen, um über die Zukunft des Standorts zu sprechen. Die Verhandlungen dauerten bis in die Nacht. Im Raum steht weiterhin die Streichung von insgesamt 2100 Stellen bis zum Jahr 2026. Derzeit sind bei Bosch AS in Schwäbisch Gmünd noch 4600 Menschen beschäftigt. Als Bosch den bisherigen ZF-Standort im Jahr 2015 übernommen hatte, hat die Zahl der Beschäftigten noch bei rund 6000 gelegen.

Ein für Freitagabend angekündigtes Statement der Arbeitgeberseite zum Stand der Verhandlungen um ein Zukunftskonzept blieb aus – zu lange zogen sich die Gespräche in die Nacht hinein. Bis Ende Juni, so hatte die Führung von Bosch AS verkündet, wolle man sich gemeinsam mit der Arbeitnehmerseite auf ein Eckpunktepapier einigen.

Mit 1000 leeren Stühlen hatten die Beschäftigten von Bosch AS gemeinsam mit Betriebsrat und IG Metall vergangene Woche gegen den drohenden Stellenabbau am Standort Schwäbisch Gmünd protestiert. Die Arbeitnehmervertreter kritisieren besonders die geplante Verlagerung von Produktion und Teilen der Entwicklung ins ungarische Maklar. Dies, so fürchten sie, könne langfristig zum Aus für den Standort Gmünd sorgen: Denn in Maklar soll die Produktion der Lenkungen wesentlich billiger sein als in Gmünd.

Bis 2023 sehen wir aktuell keine Erholung.

Stefan Grosch
Geschäftsführung Bosch AS

Gewerkschaft und Betriebsrat hatten deshalb schon vor einiger Zeit einen Forderungskatalog aufgestellt, der aus vier Säulen besteht: Beschäftigungssicherung, Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen, neue Produkte sowie Qualifizierungsmaßnahmen, um dem Standort Schwäbisch Gmünd langfristig eine Perspektive zu geben.

Im Konzern verweist man hingegen auf die schwierige wirtschaftliche Lage, die sich durch die Coronakrise noch verschärft hat: „Wir erwarten für 2020 Stückzahlrückgänge von 20 bis 25 Prozent – und das ist eher ein optimistisches Szenario. Bis 2023 sehen wir aktuell keine Erholung“, hatte Stefan Grosch, Mitglied der Geschäftsführung und Arbeitsdirektor bei Bosch AS, unlängst verkündet.

Schwäbisch Gmünd ist nicht das einzige Opfer der aktuellen Sparpolitik im Konzern: Auch am Standort Bietigheim hat Bosch AS vergangene Woche die Streichung von 290 Stellen angekündigt.

© Wirtschaft Regional 27.06.2020 00:12
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