Varta reitet auf der Erfolgswelle

Hauptversammlung Der Batteriekonzern schreibt hervorragende Zahlen und erfreut die Aktionäre mit Gewinnen – aber nicht mit einer Dividende. Die Pandemie sorgt nur in einem Bereich für Umsatzrückgänge.
  • Varta-Vorstandsvorsitzender Herbert Schein. Archiv-Foto: Varta AG

Ellwangen

Dass es bei der Hauptversammlung der Ellwanger Varta AG keinen Applaus für Vorstandschef Herbert Schein gab, lag allein daran, dass die Veranstaltung coronabedingt online stattfand. Sonst wäre der Beifall der Aktionäre sicher gewesen. Schließlich hat sich die Varta-Aktie prächtig entwickelt – von 25 Euro Anfang 2019 auf nunmehr mehr als 90 Euro. Schein präsentierte Erfolgszahlen, nannte den Konzern einen Technologieführer und Taktgeber für Innovationen weltweit und begründete, warum Varta lieber in den massiven Ausbau der Produktion als in eine Dividende investiert. Die Hauptversammlung stimmte allen Tagesordnungspunkten mit mindestens 88,2 Prozent zu und folgte dem Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat, keine Dividende auszuschütten, sondern den Bilanzgewinn des Geschäftsjahres 2019 im Unternehmen zu belassen.

„Wir haben ein sehr gutes Jahr 2019 hinter uns“, blickte Schein zurück und fügte an: „Ja, das Beste in unserer Geschichte“. Der Konzernumsatz stieg um 34 Prozent auf insgesamt 362,7 Millionen Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) verdoppelte Varta 1019 nahezu auf 97,5 Millionen Euro, die bereinigte Ebitda-Marge stieg um 8,4 Prozentpunkte auf 26,9 Prozent.

Klare Wachstumstreiber waren dabei Lithium-Ionen-Batterien, auch CoinPower genannt. Varta habe mithilfe selbst entwickelter Maschinen „eine Lithium-Ionen-Zelle auf den Markt gebracht, welche die heutige Kopfhörer-Generation überhaupt erst möglich gemacht hat“, so Schein: „Jetzt verlängern wir die Laufzeit der Geräte und ermöglichen neue Funktionen, indem wir in diesem Jahr die Energiedichte um 30 Prozent erhöhen.“ Mit den aktuellen Investitionen wollen die Ellwanger zudem eine Produktionskapazität von rund 200 Millionen Lithium-Ionen Batterien pro Jahr bereits zum Anfang des kommenden Jahres erreichen.

Aber auch bei den Hörgerätebatterien sei Varta 2019 schneller gewachsen als der Markt, habe also den Konkurrenten Anteile abgenommen. Und der Bereich Power & Energy sei ebenfalls auf Wachstumskurs.

Im ersten Quartal dieses Jahres – die Anfang des Jahres übernommene Varta Consumer unberücksichtigt – stieg der Umsatz um fast 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das bereinigtes Ebidtda wurde mehr als verdoppelt. Daraus resultiert eine bereinigte Ebitda-Marge von rund 33 Prozent – knapp 10 Prozentpunkte höher als im ersten Quartal 2019.

Gemeinsam mit dem Consumer-Bereich – also den Haushaltsbatterien – stieg der Umsatz im ersten Quartal um 170 Prozent auf 198,5 Millionen Euro, das bereinigte Ebitda verdreifachte sich fast auf 51,7 Millionen Euro. Die bereinigte Ebitda-Marge für die Gruppe verbesserte sich auf 26 Prozent.

Kurz gesagt: Das Unternehmen ist sehr gut durch die erste Welle der Covid 19-Krise gekommen.

Herbert Schein
Vorstandsvorsitzender

Negative Folgen des Lockdowns nur in einem Bereich

„Aus heutiger Sicht gehen wir davon aus, dass wir auch im Gesamtjahr 2020 unseren profitablen Wachstumskurs unvermindert fortsetzen werden“, prognostizierte der Vorstandsvorsitzende, der mit einem Umsatzwachstum von 115 bis 120 Prozent auf 780 bis 800 Millionen Euro rechnet.

Und dies trotz Corona: Man sei tatsächlich „ungeschoren“ durch die Krise gekommen. An einer Stelle aber spürt der Konzern die Folgen des Lockdowns doch: Im schnell wachsenden Markt der wiederaufladbare Hörgerätebatterien stelle man „jetzt gerade einen erheblichen Rückgang“ fest. „Ältere Menschen gingen verständlicherweise in den letzten Monaten, und auch noch derzeit, nur zögernd zum Akustiker, um sich ein Hörgerät zu kaufen und dieses an ihren Hörverlust anpassen zu lassen. Hörgerätehersteller verkaufen daher derzeit 50 Prozent weniger Hörgeräte – und wir liefern dementsprechend weniger wiederaufladbare Hörgerätebatterien“, erklärte Schein, der aber mit Aufholeffekt rechne – schließlich habe sich am grundsätzlichen Bedarf an diesen Geräten nichts geändert.

Schein ging auch auf Patentverletzungen durch chinesische Firmen ein, die Ende vergangenen Jahres angezeigt wurden: „Das können und wollen wir nicht hinnehmen. Wir sind zuversichtlich, noch vor dem Herbst verkünden zu können, dass wir mit den meisten, wenn nicht gar allen, unserer großen Kunden kommerzielle Vereinbarungen getroffen haben. Wo keine solchen Vereinbarungen möglich sind, gehen wir gleichzeitig rigoros gegen den Diebstahl unseres geistigen Eigentums vor – und zwar weltweit.“

Stolz wies der Konzernchef darauf hin, dass Varta neuerdings Teil eines europäischen Batterie-Forschungsprogramms ist, das auch neue Technologien erkundet: „Im Mittelpunkt werden Materialien wie Silizium stehen. Silizium ermöglicht gegenüber dem heute noch verwendeten Kohlenstoff eine bis zu dreifach höhere Energiedichte.“

© Wirtschaft Regional 18.06.2020 14:21
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