Mapal plant Abbau von 380 Stellen

Autoindustrie Erstmals in der Firmengeschichte baut der Präzisionswerkzeughersteller Stellen ab. Die Krise in der Autoindustrie schwelt schon lange. Die Coronakrise verschärft die Situation.

  • Mapal beschäftigt in Aalen aktuell rund 1900 Mitarbeiter. Archiv-Foto: Mapal
  • Blick in die Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Mapal. Foto: Mapal

Aalen

In den vergangenen Jahren war Mapal stetig gewachsen, nun folgt der erste große Rückschlag in der Unternehmensgeschichte: Mapal plant, am Stammsitz Aalen 380 der aktuell rund 1900 Stellen zu streichen. Denn seit Mitte vergangenen Jahres sinkt der Umsatz. Zunächst setzte den Aalenern die Krise in der Automobilindustrie zu. Bereits seit einigen Monaten wird am Stammsitz in Aalen deshalb kurzgearbeitet. Die Coronakrise hat die Lage nun nochmals verschärft. Mit dramatischen Folgen: Erstmals in ihrer Geschichte muss die Firma Stellen abbauen, – „sozialverträglich“, wie es heißt.

Mapal erwirtschaftet noch immer mehr als die Hälfte des Absatzes mit der Automobilindustrie. „Und bereits seit 2018 hat die Branche mit sinkenden Absatzzahlen zu kämpfen“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Jochen Kress. Das lag zunächst zum einen an Brexit, Dieselskandal oder Handelskonflikten, zum anderen an der Ungewissheit in der Branche, in welche Richtung die Mobilität der Zukunft steuert und auf welche Antriebskonzepte gesetzt wird. „Bis zum vergangenen Jahr konnte Mapal diesen Rückgang noch kompensieren“, erläutert Kress. Im ersten Halbjahr wuchsen die Aalener noch, so wurde ein Teil des dann folgenden Rückgangs kompensiert. Insgesamt ging der Umsatz Mapal 2019 deshalb im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent zurück. Doch „etwas zeitversetzt“ habe die Entwicklung im zweiten Halbjahr 2019 Mapal „mit voller Wucht“ getroffen. Besonders die wichtigen Projektaufträge seien zu großen Teilen weggebrochen. Hinzu kam die Corona-Krise.

Die legte zunächst den chinesischen Standort von Mapal lahm, den zweitgrößten der Gruppe. Das Werk war wochenlang geschlossen. Anschließend erreichte die Pandemie die anderen Märkte. Werke wurden weltweit, zum Teil ebenfalls über Wochen, geschlossen. Aufträge für den Präzisionswerkzeughersteller blieben folglich aus. Die Lage der bereits krisengeschüttelten Automobilindustrie verschlechterte sich weiter. „Die Produktionszahlen fielen ins Bodenlose“, so Kress.

Auch die für Mapal zweitwichtigste Branche – die Luftfahrtindustrie – stürzte durch Corona in die Krise. Flugzeuge weltweit bleiben am Boden, die Luftfahrtgesellschaften kämpfen ums Überleben, Bestellungen für Flugzeuge werden storniert. „Entsprechend kommen auch aus diesem Bereich nur wenige Aufträge an. Zusammengefasst treffen Mapal die Konjunkturkrise und der Strukturwandel im Automobilbereich sowie Corona in erheblichem Maße“, sagt der Mapal-Chef und fügt an:. „Die Situation heute ist deutlich dramatischer als die während der Finanzkrise 2008/2009.“ Denn sie sei nicht nur durch äußere Umstände verursacht, sondern auch durch markt- und branchenspezifische Themen. Stand heute geht man „unter optimistischen Gesichtspunkten“ davon aus, dass das Unternehmen frühestens im Jahr 2023 wieder ein ähnliches Umsatzniveau wie vor der Corona-Krise erreichen werde.

Noch zu Beginn des Jahres hatte Kress, erklärt die sinkenden Absatzzahlen der Automobilbranche etwa über Urlaubsabbau, Überstundenreduzierung und Kurzarbeit kompensieren zu wollen. „Die Pandemie hat dieses Vorgehen zunichte gemacht.“ Die Reaktion ist nun ein Sparpaket, zu dem der Abbau von 380 Stellen in Aalen gehört. Darunter fielen auch zukünftige Renteneintritte. Aktuell beschäftigte Mapal fast 1900 Mitarbeiter am Stammsitz.

Die Situation ist deutlich dramatischer als in der Finanzkrise.

Dr. Jochen Kress
geschäftsführender Gesellschafter

„Unser Ziel ist, Mapal zukunftssicher aufzustellen“, so ein Sprecher. Man passe deshalb die Kapazität des Unternehmens sowie die Kostenstruktur an die aktuellen Rahmenbedingungen sowie das niedrigere Umsatzvolumen an. Erste Maßnahmen an allen deutschen Standorten sollen bereits bis August 2020 umgesetzt werden. Diese würden vor allem die Organisationsstrukturen sowie die Kapazitäten betreffen. „Erstmals in der Aalener Mapal-Geschichte kann ein Personalabbau nicht verhindert werden“, erklärt der Sprecher weiter. Betriebsrat und die Geschäftsführung hatten die Belegschaft bereits vor einigen Tagen in einer Betriebsversammlung per Videokonferenz die Mitarbeiter des Standorts informiert. Die Erste Bevollmächtigte der IG Metall, Andrea Sicker, sowie Roland Hamm, ihr Vorgänger im Amt, sprachen ebenfalls zur Belegschaft.

Geschäftsführung, Betriebsrat und IG Metall verhandeln

Nun stehen die Verhandlungen zwischen Geschäftsführung, Betriebsrat und IG Metall an. „Das Ziel ist, so viele Beschäftigte wie möglich im Unternehmen zu halten“, erklärt Andrea Sicker. Gemeinsam mit einem Wirtschaftsgutachter analysiere die IG Metall gemeinsam mit dem Betriebsrat die Situation des Unternehmens. Neben dem Stellenabbau sollen sich laut Sicker die Mitarbeiter über weitere Arbeitnehmerbeiträge an dem Sparpaket beteiligen. „Diese Verluste der Arbeitnehmer wollen wir natürlich minimieren“, so Sicker.

Ende Juli will das Unternehmen ein Verhandlungsergebnis erzielen, über das die Belegschaft in einer weiteren Betriebsversammlung informiert werden soll. Sicker gibt sich zurückhaltend: „Wir werden die Situation analysieren und dann in die Verhandlungen einsteigen.“

© Wirtschaft Regional 18.06.2020 10:11
4025 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?