Voith bis März im Aufwärtstrend

Halbjahresbilanz Die Umsätze haben sich beim Maschinenbaukonzern von Oktober bis März gut entwickelt, die Coronakrise könnte den Heidenheimern aber einen Dämpfer verpassen.
  • Voith-Zentrale in Heidenheim. Archiv-Foto: Voith

Heidenheim

Der Voith-Konzern hat sich in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2019/2020 in einem sehr herausfordernden Marktumfeld robust entwickelt. Das geht aus den aktuellen Zahlen der Halbjahresbilanz hervor: Das Geschäftsjahr von Voith beginnt im Oktober – das Geschäftsjahr ist also Ende März zur Hälfte vorbei. Besonders stark ist laut dem Konzern das Geschäft mit den Papiermaschinen gelaufen.

Die im wichtigen Voith-Markt China und dann weltweit grassierende Covid-19-Pandemie habe sich gegen Ende des Berichtszeitraums durch die vielerorts verhängten Kontaktbeschränkungen, beginnende Produktionsunterbrechungen und eine spürbar einsetzende Investitionszurückhaltung der Kunden bereits negativ im Zahlenwerk niedergeschlagen. Dennoch lag der Konzernumsatz mit 2,08 Milliarden Euro leicht über dem Niveau des Vorjahreszeitraums (2,07 Milliarden Euro).

Man halte am Ziel, nachhaltig profitabel zu wachsen, fest. Unter den aktuellen Bedingungen mit unverändert großen Unsicherheiten über die Intensität der Pandemie sowie Zeitpunkt und Tempo einer wirtschaftlichen Erholung sei jedoch keine seriöse kurzfristige Prognose möglich, so der Konzern. Voith geht allerdings davon aus, dass alle wesentlichen Kennzahlen im weiteren Verlauf des Geschäftsjahres 2019/20 spürbar negativ von den Covid-19-Effekten beeinflusst werden.

Der Auftragseingang erreichte mit 2,17 Milliarden Euro fast wieder den hohen Vorjahreswert (2,29 Milliarden Euro). Der Auftragsbestand lag zum Stichtag 31. März mit 5,58 Milliarden Euro leicht über dem hohen Vorjahresstand (5,54 Milliarden Euro). Sein operatives Ergebnis konnte Voith im ersten Halbjahr weiter leicht steigern. Das Betriebsergebnis Ebit erhöhte sich um drei Prozent auf 79 Millionen Euro.

Dabei lieferten alle drei Kernsparten deutlich schwarze Zahlen, während die Zukunftsinvestitionen im Bereich Digital Ventures planmäßig das Ergebnis belasteten. Die Ebit-Marge des Voith-Konzerns stieg leicht auf 3,8 Prozent. Das Nettoergebnis legte deutlich auf 23 Millionen Euro zu (Vorjahr: 18 Millionen Euro). In den Zahlen für das erste Halbjahr ist erstmals auch die zum 1. Dezember 2019 integrierte neue Voith-Tochter BTG enthalten, ein Anbieter von integrierten, hochspezialisierten Prozesslösungen für die globale Zellstoff- und Papierindustrie. Diese steuerte einen Auftragseingang von 51 Millionen Euro, einen Umsatz von 48 Millionen Euro und ein operatives Ergebnis von sieben Millionen Euro bei.

Zukäufe stärken Kerngeschäft

Wir sind zuversichtlich, dass Voith gut durch die Krise kommen wird.

Dr. Toralf Haag
Konzernchef

„Der Voith-Konzern ist in einer operativ und finanziell sehr robusten Verfassung in die Covid-19-Krise gegangen. Gerade in Zeiten wie diesen zahlt sich unsere breite sektorale und geografische Aufstellung aus. Wir sind zuversichtlich, dass Voith gut durch die Krise kommen wird und beste Voraussetzungen hat, nach deren Überwindung den eingeschlagenen Kurs des nachhaltig profitablen Wachstums fortsetzen zu können“, erklärt Dr. Toralf Haag, Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung von Voith.

Weitere Zukäufe sollen das Kerngeschäft stärken: Ein Erfolg sei hier die in den vergangenen Monaten angebahnte Gründung des Gemeinschaftsunternehmens HMS – Hybrid Motion Solutions GmbH mit der Moog Inc., einem Entwickler, Hersteller und Lieferanten von elektrischen, hydraulischen und hybriden Antriebslösungen. Gemeinsam wollen die Partner das Geschäft mit Hydraulikantrieben in verschiedenen Industriemärkten ausbauen.

Zusammen mit der Schweizer Beteiligungsgesellschaft PCS Holding plant Voith zudem den Zukauf der Traktionssysteme Austria GmbH (TSA). Ein Vertrag zum gemeinsamen Erwerb von 59 Prozent der Anteile wurde im April unterzeichnet. TSA ist der weltweit führende Hersteller von Elektromotoren, Generatoren und Getrieben für Schienen- und Nutzfahrzeuge.

Zwei weitere Zukäufe sind abgeschlossen: Voith hat mit der Übernahme von 90 Prozent an der italienischen Toscotec sein Geschäft im Bereich Papier weiter gestärkt. Zum anderen hat der Konzernbereich Turbo sein Portfolio strategisch ergänzt: Durch den mehrheitlichen Erwerb der österreichischen ELIN Motoren GmbH, eines weltweit agierenden Hightech-Unternehmens für elektrische Motoren und Generatoren für Industrieanwendungen, wird die Position von Voith Turbo als Technologie-unabhängiger Lieferant von Antriebssystemen weiter gestärkt.

Der Konzernbereich Voith Hydro verzeichnete mit 504 Millionen Euro einen Umsatz spürbar unter dem Niveau des Vorjahres (553 Millionen Euro). Wachstumsmotor des Konzerns war dagegen auch im ersten Halbjahr 2019/20 der Konzernbereich Voith Paper. Trotz der Normalisierung der Investitionen in der Papierindustrie konnte der Auftragseingang von Voith Paper deutlich auf 901 Millionen Euro gesteigert werden (Vorjahr: 747 Millionen Euro).

© Wirtschaft Regional 12.06.2020 20:52
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