Scholz plant Großprojekt in China

Investition Recycler will eine Anlage in neuem Industriepark von Binzhou bis spätestens 2022 eröffnen, Kooperation mit dem weltgrößten Aluminiumhersteller Weiqiao beabsichtigt.
  • Rafael Suchan, Geschäftsführer der Essinger Scholz Recycling GmbH, hat mit jetzt Vertretern der chinesischen Shandong Weiqiao Pioneering Group Co. Ltd eine Absichtserklärung über die Zusammenarbeit im neuen Industriepark unterzeichnet. Foto: Scholz Recycling GmbH

Essingen

Die Essinger Scholz Recycling GmbH möchte in Binzhou in der chinesischen Provinz Shandong in großem Stil investieren. Dazu hat Scholz-Chef Rafael Suchan jetzt eine Absichtserklärung mit Vertretern des weltgrößten Aluminiumproduzenten Shandong Weiqiao Pioneering Group Co. Ltd. unterzeichnet, der genau wie Scholz im neuen Industriepark von Binzhou tätig sein wird. Gesteuert und geleitet werden soll die neue Anlage vom Firmensitz Essingen aus.

Scholz-Geschäftsführer Suchan unterzeichnete am Dienstag in der chinesischen Vier-Millionen-Einwohner-Stadt die Absichtserklärung „mit der wir unsere Recycling-Produkte und unser Wissen auch auf dem chinesischen Markt ausbauen können. Das ist für uns ein Meilenstein und in der Corona-Krise eine einmalige Chance.“

Die Idee ist, dass Scholz eine Recylinganlage in dem neuen chinesischen Industriepark betreibt und Altfahrzeuge verwertet. Für das recycelte Aluminium soll dann Weiqiao als fester Abnehmer bereit stehen. Im ersten Schritt sollen rund 200.000 Tonnen Aluminium-Schrott recycelt und teilweise auch direkt in der eigenen Aluminium-Produktion wieder eingesetzt werden. Weiterhin sollen in einer ersten Phase rund 50 000 Altfahrzeuge demontiert und wiederverwertet werden.

Arbeitsplätze auch in Essingen sichern

Hier punkte Scholz, welches in Europa mit Recyclingquoten von fast 97 Prozent eine Spitzenposition im Markt einnehme: „Damit schaffen wir uns auch einen Zugang zum riesigen chinesischen Altfahrzeugmarkt“, beschreibt Rafael Suchan die weitere Wachstumschance für Scholz.

Bis zum Herbst dieses Jahres würden noch Details geklärt, erklärt Scholz-Sprecher André Mandel auf Nachfrage: „Wir möchten mit der Anlage bis 2021, spätestens 2022 in Betrieb gehen.“

Damit schaffen wir uns auch einen Zugang zum riesigen chinesischen Altfahrzeugmarkt.

Rafael Suchan
Scholz-Geschäftsführer

Vom Firmensitz in Essingen soll das neue Projekt geleitet und gesteuert werden. Dort beschäftigt Scholz derzeit rund 250 Mitarbeiter. „Das Projekt sichert auch die Arbeitsplätze in Essingen“, so der Unternehmenssprecher. Wenn das Projekt wie beabsichtigt realisiert werde, so bedeute dies eine Investition im zweistelligen Millionenbereich.

Die Aluminiumsparte von Weiqiao ist der weltweit größte Produzent von Aluminium. Zusammen mit der von Scholz zu betreibenden Recyclinganlage, so ist der Plan, soll in Binzhou ein emissionsärmerer und effizienter Kreislaufkomplex entstehen.

„Schon seit einigen Jahren ist Weiqiao bestrebt, seine Emissionen zu senken, so setzt der Konzern unter anderem auch auf Wasserkraft“, erklärt Scholz-Chef Suchan: „Grüner zu werden ist für China ein wichtiger Industriefaktor, und wir können mit unserer Erfahrung hier sehr gut unterstützen“. Der 38-Jährige sieht das Projekt in Fernost auch als Beispiel für Europa: „Mit dem Grünen Deal der EU haben wir eine gute Idee geschaffen, ich hätte mir aber auch gewünscht, dass wir solche Projekte mit dem deutschen Konjunkturpaket gefördert und umgesetzt hätten.“

In China scheine es schneller zu gehen, teilt der Scholz-Geschäftsführer mit, denn Weiqiao möchte den Anteil an recyceltem Aluminium erhöhen und baut daher einen neuen Metall-Recycling-Park. Einerseits spare das Recycling Emissionen im Gegensatz zum Primärabbau ein. Allein Scholz spare mit dem Sammeln, Aufbereiten und Wiedereinsetzen rund sieben Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr ein. Andererseits könnten durch Recycling wichtige Rohstoffe immer wieder genutzt werden und auch in einer weiteren unabhängigen Lieferkette die Versorgung für die Industrie absichern.

Zusammen mit der Scholz-Muttergesellschaft Chiho Environmental aus Hongkong gelte es jetzt, die weiteren Schritte im Detail auszugestalten. Dass am Dienstag aber auch der Eigentümer von Weiqiao dabei war, sieht Scholz-Chef Rafael Suchan als äußerst positives Zeichen: „Ich hätte nicht gedacht, dass die beste Chance in der Corona-Krise ausgerecht aus achttausend Kilometern Entfernung kommt“, sagt er.

© Wirtschaft Regional 10.06.2020 11:26
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