Weleda verordnet sich Sparkurs

Pandemie Ab Juni gilt für den Weleda-Standort Gmünd Kurzarbeit. Die Firma beschließt weitere Maßnahmen, will aber dennoch am ambitionierten Neubauprojekt auf dem Gügling festhalten.

  • Die Geschäftsführung der Weleda (von links): Nataliya Yarmolenko, Dr. Aldo Ammendola, Michael Brenner, Alois Mayer. Foto: Weleda AG

Schwäbisch Gmünd

Das vergangene Jahr lief noch recht solide für die Weleda AG mit Sitz in Arlesheim und großem Standort in Schwäbisch Gmünd. Der Umsatz legte um 4,1 Prozent auf 429,3 Millionen Euro zu. Der Gewinn blieb mit rund 13 Millionen Euro neun Prozent unter dem Vorjahreswert.

Dennoch verläuft die Entwicklung seit der Krise vor einigen Jahren kontinuierlich: Die Eigenkapitalquote steigt auf 52,9 Prozent, die Weleda ist gesund. Auch wenn die Geschäfte mit anthroposophischen Arzneimitteln weiter zurückgehen, 2019 um 2,3 Prozent auf 102,3 Millionen Euro. Dies gleicht die wesentlich größere und erfolgreichere Naturkosmetik-Sparte mit einem Plus von 6,2 Prozent auf 327 Millionen Euro mehr als aus. Doch so solide das Jahr 2019 für die Weleda lief, so ungewiss ist die Gegenwart und damit die Zukunft.

Denn die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie treffen Weleda, wenn auch weniger als andere Branchen: Im Gegensatz zu den meisten Unternehmen standen für Weleda gerade im so wichtigen Marktgebiet Deutschland, Österreich und die Schweiz die meisten Absatzkanäle während der Lockdown-Zeit offen. In den meisten Ländern konnten die Produkte in Drogerien, Supermärkten, Apotheken und online verkauft werden. Die Lieferketten und die Versorgung mit Rohstoffen funktionierten bisher recht stabil, so dass die Produktion und die Auslieferung an den Produktionsstandorten „größtenteils“ aufrechterhalten werden konnten, teilt das Unternehmen mit. Dennoch muss sich die AG rüsten – und sie tut das mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket, wie Sprecher Theo Stepp auf Anfrage dieser Zeitung erklärt.

Ab Juni gilt für alle rund 1000 Mitarbeiter in Schwäbisch Gmünd Kurzarbeit. Die Arbeitszeit wird durchschnittlich um 30 Prozent reduziert. „Geplant ist eine Dauer bis August“, erklärt Stepp. Nicht nur die Belegschaft muss Einbußen hinnehmen. Zu dem Maßnahmenpaket gehören der Verzicht der Aktionäre auf eine Dividende für das Jahr 2019 sowie ein freiwilliger Gehaltsverzicht der Geschäftsleitung von zehn Prozent. Die Pandemie werde die Wirtschaftsleistung in den allermeisten Ländern erheblich schwächen, teilt das Unternehmen mit. Es sei schwer einzuschätzen, wie groß der wirtschaftliche Abschwung sein werde und wie lange es dauern werde, bis sich die Wirtschaft wieder erholt haben wird. Deshalb bleibe die Unsicherheit groß. „Nach aktueller Einschätzung wird der Umsatz von Weleda gegenüber den Erwartungen zurückbleiben“, so die AG.

Geplant ist die Kurzarbeit bis August.

Theo Stepp, Weleda AG

Wie berichtet plant die Weleda bereits seit längerem ein ambitioniertes Neubauprojekt auf dem Gmünder Gügling. Dort will das Unternehmen weit mehr als 100 Millionen Euro in eine neue Zentrale investieren – und trotz der aktuellen an den Plänen festhalten. „Die aktuellen Unsicherheiten sollten nach jetzigem Kenntnisstand auf das Neubauvorhaben keine Auswirkung haben“, erklärt Stepp. Die Planungsarbeiten am Projekt des neuen Logistikzentrums machten guten Fortschritte. „Durch die sehr gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung kann nun, wie geplant, der Westteil des Grundstücks im Industriegebiet Gügling gekauft werden“, so Stepp. Die Unterschrift unter den Kaufvertrag für die Fläche scheine für das zweite Quartal 2020 möglich zu sein.

Festhalten wird das Unternehmen ebenfalls an der Einrichtung weiterer sogenannter City-Spas. Nach dem für Weleda erfolgreichen Start von vier City Spas in den Niederlanden 2019 folgte im Januar 2020 das erste deutsche Spa in Hamburg. Für das nächste in Stuttgart hat Weleda bereits eine passende Immobilie gefunden. Das City-Spa soll bereits im Sommer eröffnet werden.

Nicht nur die Auswirkungen der Pandemie beschäftigen Weleda. Die unter Druck stehende Arzneimittelsparte, die seit Jahren rote Zahlen schreibt, hat selbst ohne Corona ausreichend zu kämpfen. Seit Jahren fällt in immer mehr Ländern die Erstattungsfähigkeit der Weleda-Mittel weg, was den Umsatz sinken lässt. Nun erstattet das französischen Gesundheitssystem die Kosten für die integrativen Arzneimittel nicht mehr. Entgegenwirken will Weleda mit Investitionen in Forschung und Entwicklung, der Umsetzung einer langfristigen Strategie für das Pharmageschäft, die Einführung von Naturkosmetik-Neuprodukten sowie dem weiteren Ausbau der Märkte außerhalb Europas.

© Wirtschaft Regional 20.05.2020 15:34
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