Fulminanter Start ins Jahr für Varta

Bilanz Die Ziele sind ehrgeizig, das erste Quartal lief blendend und erstmals sind AG und Varta Consumer wieder vereint – die steigende Nachfrage nach kabellosen Elektrogeräten nützt dem Konzern.
  • Auch dank der großen Nachfrage nach „Wearables“ wie diesem (einem Fitness-Tracker mit Akku von Varta) steigt der Umsatz der AG. Foto: Varta

Ellwangen

Von den Auswirkungen der Corona-Pandemie bleibt die Varta AG bislang verschont. In den ersten drei Monaten des laufenden Geschäftsjahres hat das Unternehmen den Umsatz um 170 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesteigert. Allerdings liegt das riesige Plus an der Übernahme der Varta Consumer, deren Zahlen zum ersten Mal in die Bilanz einflossen. Insgesamt hat die Varta in den drei Monaten einen Erlös von 198,5 Millionen Euro erzielt, ohne Varta Consumer lag der Umsatz bei 118,8 Millionen Euro (plus 68,2 Prozent).

Durch die Übernahme und die Investitionen der vergangenen Monate steigt auch die Zahl der Mitarbeiter massiv. Derzeit sind bei Varta 4150 Menschen beschäftigt, rund 2000 mehr als noch zum Vorjahreszeitpunkt, der Großteil ist in Ellwangen, Nördlingen und Dischingen tätig. Rund 1000 Mitarbeiter würden von Varta Consumer übernommen.

„Zusammen mit Varta Consumer sind wir sehr gut in das neue Geschäftsjahr gestartet und haben unsere hohe Wachstumsdynamik nochmals beschleunigt“, erklärt Vorstandschef Herbert Schein. Das erfreuliche Ergebnis sei vor allem auf die anhaltend hohe Nachfrage nach den Lithium-Ionen-Zellen zurückzuführen. „Durch den zügigen Ausbau der Produktionskapazitäten konnten wir unseren Absatz deutlich erhöhen“, so Schein. Zudem erweise sich das Geschäftsmodell als „sehr robust“.

Heißt: Trotz der Pandemie ist die Nachfrage nach kabellosen Elektrogeräten wie sogenannten Wearables (etwa Fitness-Armbänder) und Kopfhörern ungebrochen. In Zahlen: Alleine Markt- und Technologieführer Apple (für den Varta ebenfalls produzieren soll, wie einschlägige Berichte im Internet nahelegen) hat lediglich mit seinen In-Ear-Kopfhörern Airpods im vergangenen Jahr einen Umsatz von zwölf Milliarden Euro erwirtschaftet. Das ist mehr als die Technologiefirmen Adobe und Nvidia 2019 schafften und mehr als Twitter und Spotify zusammen erlösten.

Die Robustheit des Geschäftsmodells ist in Zeiten der Pandemie ebenso wichtig wie die Sicherstellung der Produktion. „Unsere Disziplin bei der Umsetzung der Covid-19-Schutzmaßnahmen ist sehr hoch“, sagt Schein. „Wir konnten daher uneingeschränkt weiter produzieren.“ Deshalb geht die Varta davon, die ehrgeizigen Ziele für das laufende Geschäftsjahr zu erreichen. Geplant ist ein Umsatz von 780 bis 800 Millionen Euro. „Wir bestätigen unseren Ausblick für das Geschäftsjahr 2020“, erklärt Finanzchef Steffen Munz. „Unsere äußerst gesunde Bilanz mit hoher Eigenkapital-Quote und geringer Verschuldung, kombiniert mit dem erwarteten steigenden operativen Cash-flow, ermöglichen die Finanzierung von weiteren Investitionen in den Ausbau der Produktionskapazitäten.“

Wir haben unsere hohe Wachstumsdynamik nochmals beschleunigt.

Herbert Schein
Vorstandschef Varta AG

Nach der Übernahme neue Struktur für die AG

Trotz der massiven Investitionen in Höhe von bis zu 330 Millionen Euro hat Varta in den ersten drei Monaten gut verdient. Das bereinigte operative Ergebnis liegt bei 51,7 Millionen Euro, ein Plus von fast 200 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Im Zuge der Übernahme hat Varta die Geschäftsbereiche neu strukturiert. Der Konzern besteht nun aus zwei Sparten: Der Bereich Microbatteries & Solutions umfasst Mikrobatterien, die „Household Batteries“ das bisherige Varta-Consumer-Geschäft mit Haushaltsbatterien und Energiespeicherlösungen. Die „Household Batteries“ mögen zwar nicht so sexy sein, wie Mikrobatterien für Apple und weitere Tech-Konzerne, die Sparte hat aber gutes Geld verdient: Der Umsatz beläuft sich auf 79,7 Millionen Euro, das bereinigte operative Ergebnis auf rund 10,9 Millionen Euro. Laut Varta habe sich der Bereich „besser als erwartet“ entwickelt. Durch die Fokussierung auf das Markengeschäft habe sich die Profitabilität deutlich verbessert.

Trotz der bleibenden Unsicherheit in Folge der Pandemie hält Varta an seinem Jahresziel fest: der Umsatz soll auf 780 bis 800 Millionen Euro steigen, was dank der Consumer-Sparte einem Plus von 115 bis 120 Prozent entsprechen würde. Die Börse reagierte positiv auf die Zahlen der Varta. Die Aktie notierte zwischenzeitlich mit sieben Prozent im Plus.

© Wirtschaft Regional 15.05.2020 12:33
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