Zukunftsforum gegen Corona-Krise

Wirtschaftspolitik Die Kammer gibt den Startschuss für ein Forum für die Wirtschaft – und fordert auch die Politik eindringlich zu weiteren Hilfen auf, denn die Lage bei vielen Betrieben ist dramatisch.
  • „Mitten im Süden – stark für den Standort“: Mit diesem Spruch wirbt die IHK künftig für den Standort Ostwürttemberg. Foto: privat

Heidenheim

Einhellig hat sich das Präsidium der IHK Ostwürttemberg für die Umsetzung eines von der Hauptgeschäftsführung vorgeschlagenen „Zukunftsforum“ ausgesprochen. Mit einem umfassenden Paket soll ein Prozess zur Erarbeitung von Maßnahmen und Empfehlungen gestartet werden, um die von der Corona-Krise besonders betroffenen Branchen und Bereiche zu unterstützen, so die IHK in einer Mitteilung.

Das „Zukunftsforum“ soll zielgruppenspezifische Maßnahmen- und Unterstützungspakete auf Basis des breit angelegten IHK-Leistungsportfolios bieten. wie IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle erklärt: „Unser Augenmerk gilt den besonders betroffenen Branchen und Bereichen im Speziellen sowie der gesamten Wirtschaft und dem Standort im Allgemeinen“. Im Verbund von Haupt- und Ehrenamt sollen in Zusammenarbeit mit den regionalen Akteuren aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft praxis- und standortorientierte Projekte erarbeitet und koordiniert werden. „Wir wollen kurz- und mittelfristig unterstützen und damit die Basis für eine nachhaltige wirtschaftliche Stärke in einer Region mit Zukunft schaffen“, so Eberle weiter.

Der Anspruch ist hoch. Mit der Umsetzung des Konzepts soll Ostwürttemberg besser aus der Krise kommen als andere Standorte und gleichzeitig im regionalen und überregionalen Wettbewerb nach vorne gebracht werden. Eberle: „Wir werden alle verfügbaren Ressourcen zur Zielerreichung dafür einsetzen.“ Doch diese allein würden nicht reichen.

Man brauche Verbündete in Bund, Land und der Region insbesondere dann, wenn es um bereichs- und branchenspezifische Lösungen gehe. Auch ohne die Politik könne es nicht gehen. Daher wünsche sich das Präsidium einen Schulterschluss mit der Politik sowohl auf regionaler als auch Landes- und Bundesebene. IHK-Präsident Markus Maier erläutert: „Im gesamten Prozess muss die konstruktive Zusammenarbeit zum Wohl unserer Wirtschaft und Gesellschaft stehen. Unser Zukunftsforum soll den Lebens- und Arbeitsstandort Ostwürttemberg vitalisieren.“

Unser Augenmerk gilt besonders den betroffenen Branchen.

Michaela Eberle
Hauptgeschäftsführerin IHK

Die aktuelle wirtschaftliche Situation bewertet das Präsidium der IHK insgesamt als „schwierig“, auch wenn branchenspezifisch weiterhin Aufträge eingingen. Die größte Herausforderung läge in der Unsicherheit der Märkte, auch bei der stark international ausgerichteten Wirtschaft der Region. Hinzu käme nach einhelliger Meinung die Problematik funktionierender Lieferketten, diese aufrecht zu erhalten respektive wieder in Gang zu bringen. Speziell im Zulieferbereich sei dies bei den schwankenden oder unsicheren Auftragsvolumina besonders schwierig, so die Kammer. Ebenso sei die Liquiditätssicherung angesichts der derzeitigen Pandemielage extrem herausfordernd. So sei es problematisch, überhaupt den Finanzierungsbedarf zu bestimmen. Weiterhin verunsichernd seien die international stark schwankenden Märkte. Branchenspezifisch führe dies zu teilweise massiven Auftragseinbrüchen und wirke sich in Folge negativ auf die Beschäftigungszahlen und -perspektiven in der Region aus.

Daher sei es wichtig, so die Kammer, dass Unternehmen für deren Mitarbeiter entsprechende Möglichkeiten der Weiterbildung und Qualifizierung nutzen könnten.

Die Digitalisierung hingegen erfahre in der Region derzeit zu Recht einen Schub, sind sich Präsident Markus Maier und die IHK-Vizepräsidenten Ulrich Betzold, Rudi Feil, Dr. Matthias Metz, Bernd Richter und Dr. Jörg S. Rieger einig. Diese Chance gelte es als Wirtschaft nun positiv zu begleiten. Allerdings stoße die Art der derzeit nur möglichen digitalen Kommunikation und Vernetzung speziell mit internationalen Geschäftspartnern spürbar auch an ihre Grenzen und zeige Nachteile auf. Wo das persönliche Netzwerken und der direkte Austausch fehle, die Gesprächspartner nur noch im getrennten mobilen Arbeiten unterwegs seien, verlängerten sich Entscheidungszeiträume und Freigabezeiten; teilweise leide allein schon aufgrund der Netzabdeckung die Erreichbarkeit.

Insgesamt sieht das Präsidium die Politik in Land und Bund nun gefordert, schnell und unbürokratisch, pragmatische und praktikable Lösungen zu schaffen, die über pure Finanzhilfen hinausgehen. Vorschläge dazu lägen sowohl im Land als auch beim Bund über die IHK-Organisation bereits vor. Präsident Maier abschließend: „Wünschen wir uns alle, dass die Unternehmen mit ihrem wertvollsten Gut, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern diese herausfordernde Zeit gesund meistern. Wir möchten baldmöglichst wieder persönlich und analog vernetzt die Stärken unserer Region weiterentwickeln können.“

© Wirtschaft Regional 14.05.2020 17:51
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