Wagenblast: Hahn gilt als Interessent

Kfz-Branche Die Fellbacher Autohausgruppe Hahn wird als möglicher Käufer für den insolventen VW- und Audi-Händler von der Ostalb gehandelt. Der Betrieb läuft derweil weiter.

  • Auch das Wagenblast-Autohaus in Aalen könnte bald den Besitzer wechseln. Foto: opo

Aalen/Schwäbisch Gmünd

Im April hat die Autohausgruppe Wagenblast mit 220 Mitarbeitern und vier Standorten in Schwäbisch Gmünd, Aalen und Heidenheim Insolvenz angemeldet. Während der Betrieb auch im vorläufigen Insolvenzverfahren weitergeht, läuft im Hintergrund die Suche nach einem Käufer auf Hochtouren. Als aussichtsreicher Kandidat gilt die Hahn-Gruppe mit Sitz in Fellbach. Von offizieller Seite wird die Kaufabsicht weder bestätigt noch dementiert. Wagenblast-Kunden haben aber bereits mit der Hahn-Gruppe Bekanntschaft gemacht: Diese liefert neuerdings Fahrzeuge für Wagenblast aus.

„Das Geschäft läuft wie bisher weiter“, sagt Wagenblast-Geschäftsführer Wolfgang Röhsner. Auto Wagenblast führe weiter Serviceaufträge aus und verkaufe in Eigenregie Gebrauchtwagen. Der Verkauf von Neuwagen und die Auslieferung bestellter Fahrzeuge würden in Kooperation mit anderen Autohäusern aus der Region abgewickelt. „Die Kunden haben selbstverständlich weiter Zugriff auf ihre eingelagerten Reifen und Räder und alles weitere, was sich in ihrem Eigentum befindet“, betont Röhsner. Der bisherige Wagenblast-Geschäftsführer bekleidet auch im vorläufigen Insolvenzverfahren sein Amt weiter: Im Gegensatz zu einem „starken Insolvenzverwalter“, der auch die Geschäftsführung übernimmt, fungiert der Ulmer Anwalt Prof. Dr. Martin Hörmann, der vom Amtsgericht Aalen eingesetzt wurde, als sogenannter schwacher Insolvenzverwalter, der sich vor allem um die Vermögensverhältnisse des Unternehmens kümmert.

Im Hintergrund läuft unterdessen die Suche nach einem Käufer für das 1922 gegründete Traditionsunternehmen. „Die Gespräche mit mehreren möglichen Investoren laufen im Moment“, sagt Röhsner und fügt hinzu: „Unser Ziel ist, bis zum Abschluss des vorläufigen Insolvenzverfahrens am 30. Juni einen potenziellen Übernehmer zu finden.“

Hahn-Gruppe: Jeder Fall wird intensiv geprüft

Langjährige Wagenblast-Kunden sind bereits benachrichtigt worden, dass sie ab sofort einen Teil ihrer Geschäfte mit der Auto-Hahn-Gruppe abwickeln. Ob dies als mögliches Zeichen für einen Einstieg der Fellbacher Gruppe bei Wagenblast gewertet werden kann, ist ungewiss. Der traditionsreiche Autohändler beschäftigt nach eigenen Angaben rund 1950 Mitarbeiter und ist an mehr als 30 Standorten vornehmlich im württembergischen Raum als Partner für die Marken Volkswagen, VW Nutzfahrzeuge, Audi, Porsche, Skoda, Seat und Cupra tätig. In Schwäbisch Gmünd betreibt Hahn das Porsche-Zentrum im Gewerbegebiet „Krähe“.

Grundsätzlich sind wir immer an einem gesunden, nachhaltigen Wachstum der Hahn Gruppe interessiert.

Frank Brecht
Hahn Gruppe

„Es ist richtig, dass wir aktuell für Auto Wagenblast Fahrzeuge ausliefern“, bestätigt Frank Brecht, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hahn-Gruppe auf Anfrage dieser Zeitung. Er ergänzt: „Das steht allerdings lediglich in Zusammenhang mit der dort laufenden Insolvenz. Grundsätzlich sind wir immer an einem gesunden, nachhaltigen Wachstum der Hahn Gruppe interessiert. Jeder individuelle Fall wird von uns dabei aber zunächst intensiv geprüft.“

Der vorläufige Insolvenzverwalter Martin Hörmann hält sich über etwaige Verhandlungen bedeckt: „Der Investorenprozess ist streng vertraulich“, betont er, bestätigt aber: „Der Verkaufsprozess für die Wagenblast-Gruppe läuft bereits.“ Er sei „sehr zufrieden, wie es bislang läuft“.

Ohne auf die derzeitige Zusammenarbeit mit der Hahn-Gruppe einzugehen, stellt Hörmann fest, dass Wagenblast im vorläufigen Insolvenzverfahren etwa bei der Auslieferung von Fahrzeugen darauf angewiesen sei, mit Herstellern und anderen Autohäusern zu kooperieren. Das habe aber keine Auswirkungen auf die Zeit nach einem Verkauf: „Wenn es einen Käufer gibt, entscheidet dieser Käufer über die weitere Vorgehensweise.“ Die Coronakrise erschwere den Verkaufsprozess: „Wegen der Pandemie ist derzeit keine seriöse Prognose möglich“, fügt Hörmann an.

Unklar ist weiterhin, wie es mit den 220 Wagenblast-Mitarbeitern weitergeht. Sollte die Hahn-Gruppe den Zuschlag erhalten, so gibt es immerhin einen Hoffnungsschimmer: Auto Hahn unterhält einen Haustarifvertrag, der offenbar auch für die Mitarbeiter von bereits übernommenen Autohäusern gilt.

Mit den entsprechenden Einschränkungen durch die Coronakrise betreibt Wagenblast aktuell die Standorte Schwäbisch Gmünd (Lorcher Straße und Scheffoldstraße/Bettringen) mit VW-Verkauf und Service, in Aalen (Obere Bahnstraße) mit VW-Service und Audi-Verkauf und -service und in Heidenheim mit VW- und Audi-Services.

© Wirtschaft Regional 14.05.2020 00:09
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