Lohse trotzt der Coronakrise

Maschinen- und Armaturenbau Die Heidenheimer Unternehmensgruppe wächst trotz der Viruskrise weiter. Der Grund: die breite Aufstellung der Firma. Nun sucht Lohse neue Mitarbeiter.

  • Die Heidenheimer Lohse-Gruppe entwickelt nicht nur Maschinen, sondern stellt auch Armaturen her, hier eine mit größerem Format. Foto: Lohse

Heidenheim

Während Teile der Wirtschaft in der Region zum Erliegen gekommen sind und auch der Maschinenbau unter der Lage leide, laufen die Geschäfte der Lohse-Gruppe weiter ordentlich. „Wir schwimmen, was die Entwicklung angeht, gegen den Strom“, betont Geschäftsführer Ulrich Sekinger. Die Auftragsbücher beider Unternehmensbereiche – dem Maschinen- wie dem Armaturenbau – sind voll. „Lohse ist in zahlreichen Branchen vertreten, die ihrerseits wenig unter den Auswirkungen der Pandemie leiden.“

Einer der zentralen Absatzgebiete des Armaturenbaus ist seit Jahrzehnten die Papierindustrie, Armaturen von Lohse kommen in vielen Papierfabriken in Europa zum Einsatz. „Die Branche profitiert aktuell etwa von der gestiegenen Nachfrage nach Verpackungen oder Hygienepapier“, so Sekinger. Entsprechend rüsten viele Firmen ihre Fabriken auf – oder bauen neue. So sind die Heidenheimer Lieferant für das aktuell größte Neubauprojekt in der Region: der neuen Papierfabrik der Palm-Gruppe, die gerade in Aalen-Neukochen entsteht. „Wir sind glücklich, dass wir für dieses Projekt ein umfassendes Armaturenpaket liefern dürfen“, erklärt Sekinger. Die Armaturen für die Kläranlage sind bereits geliefert und installiert, nun folgt die Ausrüstung der Papiermaschinenhalle.

Der Großauftrag aus der Region (und weitere Projekte in Europa) sichern die Auslastung des Armaturenbaus noch für die kommenden Monate, auch für die Zeit danach ist Sekinger „sehr optimistisch“. Das liegt ebenso an der guten Lage der Maschinenbau-Sparte von Lohse, dem zweiten wichtigen Unternehmenssegment. „Auch hier haben wir einen sehr guten Start ins Jahr 2020 hingelegt“, erzählt der Geschäftsführer.

Die Lohnfertigung laufe gut und für einen der weltweit führenden Hersteller von Metallic- und Perlglanz-Pigmenten für die Lack- und Farbenindustrie baut Lohse aktuell an einer Pulverabfüllanlage sowie mehreren Behältern, die später einmal in der Produktion von Nagellack zum Einsatz kommen sollen. Für ein weiteres Großprojekt, eine Biomüllnassaufbereitungsanlage für die AVA Altenrhein in der Schweiz, laufen aktuell die Arbeiten am Aufnahmebunker, der im Frühsommer ausgeliefert und installiert werden wird.

Wir schwimmen gegen den Strom.

Ulrich Sekinger
Geschäftsführer

Der Einstieg in die Recyclingbranche vor einigen Jahren hat sich deshalb ausgezahlt. „Alle aktuellen Projekte laufen wie geplant“, erläutert Sekinger. „Von Projektaufschüben- oder ausfällen aufgrund der Pandemie sind wir verschont geblieben.“ Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach den Anlagen aus Heidenheim weltweit. „Immer mehr Länder entdecken die Bedeutung der Müllaufbereitung oder verschärfen die Gesetzgebung in diesem Bereich.“ Das macht sich in den Auftragsbüchern bemerkbar. Für eine Biomüllnassaufbereitungsanlage in Korea wird Lohse in Kürze drei Hydrozyklone – kompakte Geräte zur Abtrennung von Feststoffen aus Flüssigkeiten – liefern. Für Sekinger „ein schöner Beleg, dass unser Know-how weltweit gefragt ist“.

Selbst Projekte in von der Corona-Pandemie besonders betroffenen Märkten wie Spanien oder Frankreich seien bislang weder storniert noch verschoben worden. „Die Recyclingbranche hat sich von der gesamtkonjunkturellen Entwicklung in Europa abgekoppelt.“ Bei allen 26 Vertretungen des Unternehmens weltweit laufe der Vertrieb derzeit weiter – wenn auch größtenteils per Video- oder Telefonkommunikation. Auch am Stammsitz in Heidenheim hat man auf die Pandemie mit einem umfassenden Maßnahmenpaket reagiert, die Mitarbeiter sensibilisiert, mit entsprechender Schutzausrüstung und -mitteln ausgestattet sowie Schichtsysteme entwickelt, mit der man die Belegschaft schützen kann. Teile der Verwaltung wurden ins Home-Office verlagert. „Der Prozess hat reibungslos funktioniert“, betont Sekinger.

Während viele Firmen in Folge der Pandemie über unterbrochene oder gestörte Lieferketten klagen, ist die Lage bei Lohse entspannt. Das hat zwei Ursachen. „Wir haben in den vergangenen Jahren unsere Fertigungstiefe kontinuierlich ausgebaut“, sagt Sekinger. Viele Komponenten für die eigenen Anlagen stellen die Heidenheimer daher ohnehin selbst her. Doch auch von einem wichtigen Zulieferer aus Italien wird Lohse weiterhin versorgt. „Das Unternehmen hat wegen der Systemrelevanz eine entsprechende Ausnahmegenehmigung bekommen“, erklärt der Geschäftsführer.

In Summe soll Lohse weiterhin kräftig wachsen. „Wir spüren in unseren Branchen keinerlei Eintrübung.“ Im Gegenteil wollen die Heidenheimer die eigene Belegschaft sogar ausbauen. Lohse ist aktuell auf der Suche nach Facharbeitern, vor allem Konstrukteure, Servicetechniker, Schweißer und Schlosser benötigt das Unternehmen für die weitere Entwicklung. Selbst für die mittelfristige Zukunft rechnet Sekinger mit keinerlei Eintrübung. „Wir sind sehr optimistisch, dass die positive Entwicklung der Lohse-Gruppe weiter anhalten wird.“

© Wirtschaft Regional 12.05.2020 15:29
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