Bosch AS: "Wir müssen Maßnahmen ergreifen"

Bosch AS Einen Tag nach Gewerkschaft und Betriebsrat äußert sich der Konzern zum von den Arbeitnehmervertretern befürchteten weiteren Stellenabbau.
  • Bei Bosch AS in Schwäbisch Gmünd werden Lenkungen produziert. Archiv-Foto: Bosch AS

Schwäbisch Gmünd

Die Coronakrise als Grund für weitere Stellenkürzungen? Dieser Eindruck entstand gestern, nachdem IG Metall und Betriebsrat des größten Gmünder Arbeitgebers Bosch Automotive Steering Befürchtungen äußerten, das Unternehmen könne den geplanten Stellenabbau bis 2026 nochmals deutlich forcieren. Von rund 400 weiteren gestrichenen Stellen in den kommenden sechs Jahren war die Rede. Der Konzern plant ohnehin schon den Abbau von 2100 Arbeitsplätzen in Gmünd.

Laut Bosch sei ein weiterer Stellenabbau allerdings nicht Gegenstand der Verhandlungen in der vergangenen Woche gewesen. „In der Verhandlung ging es nicht um einen weiteren Stellenabbau“, erklärte eine Bosch-Sprecherin auf Anfrage dieser Zeitung. „Wir haben auf Basis des aktuellen und erwarteten Umsatzrückgangs die finanziellen Auswirkungen vorgestellt.“

Damit widerspricht Bosch der Darstellung von Betriebsrat und Gewerkschaft vom Vortag – allerdings nur in Teilen: Denn die Arbeitnehmervertreter hatten erklärt, dass von Seiten des Konzerns statt eines (möglichen) Stellenabbaus auch anderweitige Kosteneinsparungen für die Lösung der Corona-Probleme ins Spiel gebracht wurden. Heißt: Verzichtet die Belegschaft auf Geld – in welcher Form, ist noch offen – könnte ein verschärfter Stellenabbau verhindert werden.

Hintergrund der Überlegungen: Die Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen das Unternehmen nach eigener Darstellung hart. Gegenstand der Gespräche seien deshalb in der vergangenen Woche neben dem Standortkonzept bis Ende 2026 auch die Auswirkungen der Pandemie auf Fahrzeugabsatz und Automobilproduktion gewesen, so der Konzern. „Wir haben dem Verhandlungsteam der Arbeitnehmervertreter vergangene Woche vermittelt, dass wir schnell und konsequent Maßnahmen einleiten müssen, um die finanzielle Situation des Standorts zu sichern und hohe Verluste zu vermeiden“, so Stefan Grosch, Mitglied der Geschäftsführung und Arbeitsdirektor bei Bosch Automotive Steering. „Wir müssen jetzt Maßnahmen ergreifen, den Standort mittel- und langfristig zu sichern. Die aktuelle Entwicklung der Automobilproduktion hat unsere Spielräume weiter verkleinert.“ Eine Anfrage, ob von den geplanten Einsparmaßnahmen auch der Ausbau des Werkes in Maklar betroffen ist, ließ der Konzern bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Es ging nicht um einen weiteren Stellenabbau.

Bosch-Sprecherin
über die Verhandlungen

Im April hätten die Abrufe im Werk Gmünd um rund 80 Prozent unter jenen eines normalen Monats gelegen, so Bosch. Für 2020 geht das Unternehmen von einem Stückzahlrückgang in Gmünd von rund 20 Prozent aus. „Das ist eine unmittelbar spürbare und zusätzliche deutliche Verschärfung unserer ohnehin schon kritischen wirtschaftlichen Situation“, sagt Grosch. „Wir können den weitgehenden Stillstand der Automobilproduktion und die anstehenden Herausforderungen im Hochlauf in unseren Verhandlungen nicht ignorieren.“ Hiervon sei Bosch AS ebenso betroffen wie die Automobilindustrie.

Mit Hinblick auf die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern spricht der Konzern von „intensiven Verhandlungen“. Grosch erklärt: „Beide Verhandlungsseiten sind trotz des immensen Kosten- und Zeitdrucks und der derzeit widrigen Umstände an einer zügigen Lösung interessiert, um den Mitarbeitern Sicherheit und Klarheit zu geben. Das ist unsere gemeinsame Verantwortung.“

Die Gespräche gehen am 8. Mai weiter. In der kommenden Woche tagt zum dritten Mal der „Runde Tisch“. Dort sprechen Vertreter von Bosch, Politik, Industrie, Arbeitsagentur sowie Betriebsrat und IG Metall, wie der Strukturwandel in der Region durch Qualifizierungsprogramme gestaltet werden kann.

© Wirtschaft Regional 05.05.2020 14:30
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