Maschinenbauer spüren die Krise

Ein Großteil der Betriebe im Südwesten rechnet mit erheblichen Einbußen. Der VDMA fordert ein Eingreifen des Staates, um den Markt wieder anzukurbeln.
  • Die Ausbildung im Maschinenbau soll nach jetzigem Stand wie geplant im Herbst starten. Foto: Wolfram Kastl/dpa
Kurzarbeit, unterbrochene Lieferketten, sinkende Nachfrage: Den Maschinenbau, der ohnehin schon durch die Transformation in der Automobilindustrie gebeutelt ist, trifft die Krise im Zuge der Corona-Pandemie hart. „89 Prozent unserer Mitglieder spüren die Auswirkungen der Corona-Krise“, berichtet Dietrich Birk, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) in Baden-Württemberg.

Besonders dramatisch seien dabei die Unterbrechungen in der Lieferkette. „Wir können vielfach unsere Kunden nicht mehr bedienen und erhalten keine Ware von den Lieferanten“, so Birk. In Europa seien Italien und Frankreich besonders betroffen, international bereitet China die größten Probleme. „Die Probleme im US-Markt kommen zeitversetzt, da sich das Virus von Ost nach West ausgebreitet hat.“

In China selbst herrsche zwar „nahezu wieder Normalzustand“, aber es fehlten die Transportkapazitäten. Denn normalerweise würden die Waren als Beiladung in Passagiermaschinen transportiert. Da dieser Bereich der Luftfahrt aber so gut wie zum Erliegen gekommen ist, fehlen auch die Kapazitäten für die Maschinenbauer. In einer Branche, die 80 Prozent ihrer Güter exportiert ist das dramatisch.

Beim Maschinenbauer Trumpf (Ditzingen) lässt sich das Ausmaß der Auswirkungen auf das Geschäft noch nicht beziffern. „Dies hängt vor allem von der Dauer der Krise ab“, teilt ein Sprecher mit. Dabei funktionieren die Lieferketten für den Laserspezialisten nach wie vor – es käme nur gelegentlich zu leichten Verzögerungen. „Die jedoch durch die Vorrats- und Lagerhaltung nicht direkt spürbar sind.“

Auch wenn es noch keine genauen Zahlen gibt – fast alle Mitglieder des VDMA erwarten Umsatzeinbußen. 60 Prozent gehen von einem Rückgang von bis zu 30 Prozent aus. Birk hofft auf die zweite Jahreshälfte. „In einem nächsten Schritt muss die Nachfrage stimuliert werden, wichtig sind steuerliche Anreize“, fordert er und hofft auf ein schnelles Ende der Krise. „Je länger es dauert, desto schwieriger wird es, die Verluste aufzuholen.“ Er erwartet, dass noch 2021 Bremsspuren bemerkbar sind.

Dass die maximal mögliche Bezugsdauer des Kurzarbeitergelds jetzt per Ministerverordnung in bestimmten Fällen von 12 auf 21 Monate verlängert wurde, begrüßt Birk nachdrücklich. Bereits vor der Corona-Krise seien einige Betriebe wegen des Wandels in der Autoindustrie in Kurzarbeit gewesen. Für diese sei es jetzt wichtig, dass das Instrument nicht mitten in der Krise ausläuft.

Auch Trumpf hat Anfang April in fast allen deutschen Betrieben mit Kurzarbeit begonnen. Wer arbeitet, tut dies nach Möglichkeit von zu Hause, für Dienstreisen gibt es strikte Beschränkungen und in der Produktion gelten Abstandsregeln. Wo die nicht einzuhalten sind, tragen die Mitarbeiter Schutzausrüstung.

Für viele Betriebe, die ohnehin schon unter den Veränderungen zum Beispiel in der Automobilindustrie leiden, kommt die Corona-Krise jetzt erschwerend hinzu. Ob dies einige Betriebe auch die Existenz kosten wird, da ist Birk vorsichtig. Doch einige könnten auf Hilfe angewiesen sein. „Die Kreditprogramme der KFW bieten höhere Sicherheit und werden auch genutzt, wenn es länger andauern sollte.“ Etwa ein halbes Jahr könnten aber viele der Betriebe überbrücken.

Staatliche Beteiligungen, wie sie für Luftfahrtunternehmen diskutiert werden, seien für den mittelständisch geprägten Maschinenbau sicher „das allerletzte, was man sich wünscht“, auf Dauer und bei sehr großen Unternehmen aber nicht auszuschließen. „Ich denke, dass der Maschinenbau stark genug aufgestellt ist, um das durchzustehen.“
© Südwest Presse 28.04.2020 07:45
437 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?