Land fördert Energieprojekt

Energiewende Die Hochschule Aalen und die Genossenschaft „OstalbBürgerEnergie“ erhalten gemeinsam mit Partnern aus Rottenburg 140 000 Euro vom Land Baden-Württemberg.
  • Sind erfreut über die Förderung (von links): Landtagsabgeordneter Winfried Mack, Hans-Peter Weber (OBE), OB Thilo Rentschler und Norbert Saup (OBE) vor der Photovoltaik-Anlage der OBE auf dem Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Aalen. Foto: OBE

Aalen

Die Genossenschaft „OstalbBürgerEnergie“ mit Sitz in Aalen und die Hochschule Aalen haben vom Land den Förderzuschlag für das Projekt „Bürgerenergiewende“ erhalten. Im Rahmen der Ausschreibung „Innovative Projekte“ des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK), bei denen hochschulübergreifende Forschungsprojekte mit Kooperationspartnern aus der Wirtschaft vorrangig gefördert werden, sind die Hochschule Aalen und Rottenburg gemeinsam mit ihren jeweiligen Bürgerenergiegenossenschaften ausgewählt worden. Das Projekt wird mit insgesamt 140 000 EUR vom Land Baden-Württemberg gefördert.

Der Hintergrund: Ende dieses Jahres endet für die ersten Photovoltaikanlagen die Zeit der garantierten Einspeisevergütung. Ab diesem Zeitpunkt gilt es, den mit diesen PV-Anlagen umweltfreundlich erzeugten Strom durch die Anlagenbetreiber selbst zu vermarkten. „Die nahe liegende Möglichkeit ist die Selbstnutzung des erzeugten Stroms“, teilt die Genossenschaft mit: „Weitere Möglichkeiten sind im Wesentlichen die Einspeisung ins Stromnetz zum jeweiligen Börsenpreis oder der Verkauf an einen Stromvermarkter“.

Wirtschaftlich belastbare Modelle finden

Die im Projekt „Bürgerenergiewende“ entwickelten Maßnahmen sollen einen Beitrag zum Gelingen der Energiewende in Baden-Württemberg leisten. Ein wichtiger Aspekt dabei sei, dass die Energiewende von breiten Bevölkerungsschichten mitgetragen werde. Die „OstalbBürgerEnergie“ (OBE), vertreten durch deren Vorstandsmitglied Hans-Peter Weber, wird dieses innovative Projekt gemeinsam mit Prof. Dr. Anna Nagl und ihrem Kompetenzzentrum für innovative Geschäftsmodelle der Hochschule Aalen leiten.

Landtagsabgeordneter Winfried Mack und Bundestagsabgeordneter Roderich Kiesewetter zeigten sich höchst erfreut über die Entscheidung der bundesweit zusammengesetzten Experten-Jury, die dem Ministerium die Förderung des hochschulübergreifenden Antrags empfohlen hat.

Es bedarf dringend des weiteren Ausbaus der Nutzung von Sonnen- und Windenergie.

Hans-Peter Weber
„OstalbBürgerEnergie“

Es sei volkswirtschaftlich überaus wichtig und zeitkritisch, ergänzt Anna Nagl, wirtschaftlich belastbare und ökologisch nachhaltige Geschäftsmodelle für die Nutzungsmöglichkeiten für PV-Anlagen nach Ablauf der garantierten Einspeisevergütung zu erforschen und in der Praxis zu testen. Für die „OstalbBürgerEnergie“-Genossenschaft ist diese Zusage nach den Worten von deren Vorstandsmitglied Hans-Peter Weber eine besondere Herausforderung. Es gehe darum, für die OBE gemeinsam mit der „eER Erneuerbare Energien Rottenburg“, Modelle zu entwickeln, die eine wirtschaftlich nachhaltige Entwicklung der zahlreichen Energiegenossenschaften im Land ermöglichen.

Dazu werde man, so Weber, in Arbeitskreisen und Expertengremien nach sinnvollen Lösungen suchen. Hierbei wolle man auch engen Kontakt zum Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband halten. Eine wichtige Rolle werde dabei die Speicherung von Strom in dezentralen Hausspeichern und die Nutzung der Batterien von Elektroautos Rolle spielen.

Weber appellierte an die Politik, die „eingeleitete und unter Klimagesichtspunkten dringend notwendige Energiewende nicht zu unterlaufen“. So bedürfe es dringend des weiteren Ausbaus der Nutzung von Sonnen- und Windenergie.

In Anbetracht der Tatsache, dass Strom aus erneuerbaren Energien dezentral, also verbrauchernah, erzeugt werde, müsse man auch dringend über das Thema „Netzentgelte“ sprechen. Hier bedürfe es einer Entfernungskomponente, die berücksichtigt, wenn dezentral erzeugter Strom zwar ins Netz eingespeist wird, der Verbraucher aber nur kurze Distanz vom Erzeuger entfernt ist.

Auch Aalen Oberbürgermeister Thilo Rentschler, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der OBE ist, begrüßte den Bewilligungsbescheid aus Stuttgart. Dieser biete eine sehr gute Grundlage für die Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle der „OstalbBürgerEnergie“ sowie weiterer Energiegenossenschaften.

© Wirtschaft Regional 24.04.2020 16:36
508 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?