Betrieb bei Wagenblast läuft weiter

Insolvenz 220 Mitarbeiter hoffen, dass sich für die Autohandelskette mit Standorten in Schwäbisch Gmünd, Aalen und Heidenheim ein Käufer findet. Für die Kunden ändert sich nichts.
  • Bleibt weiter für Kunden geöffnet: das Autohaus Wagenblast in der Lorcher Straße in Schwäbisch Gmünd. Foto: Hartmut Hientzsch

Schwäbisch Gmünd/Aalen

Seit Montag ist die Auto-Wagenblast-Gruppe im vorläufigen Insolvenzverfahren. Für die Kunden des größten VW- und Audi-Händlers der Ostalb ändert sich dadurch nichts: Der Betrieb in den Filialen Aalen, Schwäbisch Gmünd und Heidenheim läuft weiter. Das bestätigte der vorläufige Insolvenzverwalter Prof. Dr. Martin Hörmann gegenüber dieser Zeitung.

Gesamtbetriebsratsvorsitzender Marcus Nadolski ist für die rund 220 Mitarbeiter der Autohaus-Gruppe vorsichtig optimistisch und zeigt sich etwas erleichtert: „Im ersten Moment denkt man, wenn man von Insolvenz hört, an eine Schließung, was bei uns aber nicht der Fall ist“, sagt er und fügt hinzu: „Hier geht es vielmehr darum, den Betrieb weiterzuführen, einen Erwerber zu finden und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.“ Nachdem viele Mitarbeiter erst aus der Zeitung von der Insolvenz erfahren hatten, brachte eine Versammlung mit dem Insolvenzverwalter am Dienstagvormittag Klarheit: Der Betrieb läuft wie bisher weiter – mit den aktuellen Einschränkungen, die die Coronakrise mit sich bringt. Wagenblast unterhält vier Autohäuser an den Standorten Schwäbisch Gmünd (Lorcher Straße und Scheffoldstraße/Bettringen) mit VW-Verkauf und Service, in Aalen (Obere Bahnstraße) mit VW-Service und Audi-Verkauf und -service und in Heidenheim mit VW- und Audi-Services. „Wir sind auch weiter für die Kunden da und vertrauen darauf, dass sie uns die Treue halten“, betont Nadolski.

Die Beschäftigten eines insolventen Unternehmens erhalten in der Regel für drei Monate Insolvenzgeld über die Arbeitsagentur. Derzeit befinden sich die Beschäftigten von Auto Wagenblast wegen der Coronakrise in Kurzarbeit: Arbeitnehmervertreter hoffen nun, dass die Zahlung des Insolvenzgeldes erst im Mai beginnt. Dies muss allerdings noch in Gesprächen mit der Agentur für Arbeit geklärt werden.

Coronakrise hat die Lage mitverursacht

Gewerkschaftssekretärin Cynthia Schneider, die für die IG Metall an Gesprächen mit dem Insolvenzverwalter teilnimmt, beurteilt die ersten Treffen als „sehr positiv“. Am Donnerstag soll eine Betriebsversammlung mit allen Beschäftigten der Gruppe in der großen Aalener Verkaufshalle stattfinden. Im Vorfeld dieser Veranstaltung soll auch für die Gmünder Filialen ein Betriebsrat gewählt werden – bislang gibt es Arbeitnehmervertreter nur in Aalen und Heidenheim. „Unser Ziel ist, Arbeitsplätze zu erhalten und einen Erwerber für alle Filialen zu finden.“

Es geht zunächst darum, den Laden wieder zum Laufen zu bringen.

Prof. Dr. Martin Hörmann
Vorläufiger Insolvenzverwalter

In diesem Anliegen ist sie sich mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Martin Hörmann einig, der am Dienstag für eine „erste Bestandsaufnahme“ auf der Ostalb war. Auch, wenn der Fachanwalt noch nicht detailliert zu den Gründen für die Insolvenz Stellung beziehen kann, so spielt für ihn die Coronakrise doch eine entscheidende Rolle. „Wer kauft aktuell noch Autos“, fragt er und fügt hinzu: „Corona war sicher ein Katalysator. Ohne Corona wäre es wohl weiter gegangen.“ Es gebe keine Lohnrückstände und auch die Kunden müssten sich keine Sorgen machen: „Die Kunden werden noch separat darüber informiert, dass sie auf den Service weiter vertrauen können.“

Wagenblast-Kunden berichten unterdessen, dass die Arbeit in den Autohäusern keineswegs stillsteht: Wer etwa einen Termin haben möchte, um die eingelagerten Reifen zu wechseln, muss sich wegen der starken Auslastung einige Wochen gedulden.

Wenn die Insolvenzgründe zutreffen, dann könnte ein ordentliches Insolvenzverfahren im Juli oder August eröffnet werden, prognostiziert Hörmann. Es gehe nun darum, den „Laden zum Laufen zu bringen“. Gespräche führt der vorläufige Insolvenzverwalter auch mit den Lieferanten Volkswagen und Audi – und natürlich mit möglichen Kaufinteressenten für die Autohäuser.

Rechtsanwalt Frank Berger, der den Gesamtbetriebsrat vertritt, hegt hier Hoffnungen: „Wir gehen davon aus, dass man einen Erwerber finden kann – trotz der aktuellen Krise.“ In einem solchen Prozess müssten auch die Autohersteller als Lieferanten mit eingebunden werden.

© Wirtschaft Regional 21.04.2020 19:30
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