Corona-Hilfen des Landes fließen bald – Kammern prüfen Anträge

Ab Mittwoch, 25. März können Firmen sofortige Finanzhilfe beantragen. IHK geht von tausenden Unternehmen aus. Auch die Handwerkskammer steht vor einem Prüfungsmarathon.

  • Die IHK in Heidenheim
  • Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm
  • Michaela Eberle, Hauptgeschäftsführerin der IHK Ostwürttemberg.

Aalen/Heidenheim/Ulm. Das Wirtschaftsministerium des Landes hat ein Soforthilfeprogramm für Firmen aufgelegt, die durch die Coronakrise in Schwierigkeiten geraten sind: Gewerbliche Firmen, Sozialunternehmen und Angehörige der Freien Berufe, die sich unmittelbar infolge der Pandemie in einer existenzbedrohenden Lage befinden und Liquiditätsengpässe erleiden, sollen mit einem einmaligen, nicht rückzahlbaren Zuschuss unterstützt werden. Die Hilfe ist gestaffelt und richtet sich nach der Zahl der Mitarbeiter.

  • 9000 Euro für Selbständige und Betriebe bis fünf Mitarbeiter
  • 15 000 Euro für Firmen mit bis zu zehn Mitarbeitern
  • 30 000 Euro für Betriebe mit bis zu 50 Beschäftigten

Beantragt werden kann die Hilfe ab Mittwochabend über die Webseite des Wirtschaftsministeriums. Mit diesen Zuschüssen will das Land Firmen bei der Deckung von laufenden Betriebskosten wie Mieten, Kredite für Betriebsräume, Leasingraten, unterstützen.

Die Anträge gehen zwar beim Wirtschaftsministerium ein, geprüft werden sollen sie aber von den Industrie- und Handelskammern sowie den Handwerkskammern, in Ostwürttemberg ist das IHK in Heidenheim sowie die Handwerkskammer Ulm. Beide bereiten sich nun auf einen wahren Prüfungsmarathon aus – und bieten den Firmen darüber hinaus Beratungen und Informationen an.

Die IHK in Heidenheim geht von einer großen Nachfrage aus. „Wir schätzen, dass ungefähr 15 000 Betriebe in der Region von der derzeitig verordneten Schließung betroffen sind“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle. „Für diese Betriebe ist die aktuelle Situation dramatisch, es geht um ihre Existenz.“ Viele Betriebe mussten ihren Geschäftsbetrieb komplett herunterfahren und haben somit keine Einnahmen. Das Beratungs- und Informationsangebot hat die IHK ausgebaut. Das Zahl der Berater zu unternehmerischen und rechts- und unternehmenssichernden Fragen wurde verdreifacht. Dazu hat die Kammer Montag bis Freitag unter 07321 324-0 eine Hotline geschaltet, unter der sich Betriebe informieren und beraten lassen können, wie etwa zum Kurzarbeitergeld, Schließungen im Handel, Absage der Ausbildungsprüfungen, Liquiditätsengpässen, Vertragsrecht, Arbeitsrecht und vielem mehr. Jegliche Fragen können auch an die E-Mail-Adresse info@ostwürttemberg.ihk.de geschickt werden. Auf www.ostwuerttemberg.ihk.de Seitennummer 4738790 stehen zudem auf einer Informationsplattform umfassende und laufend aktualisierte Inhalte zur Corona-Pandemie rund um die Uhr zur Verfügung. „Sehr viele Betriebe sind von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen und können die Folgen für Unternehmen und Beschäftigte noch gar nicht absehen. Bei vielen Fragen kann die IHK aber informieren und weiterhelfen, damit die Krisensituation wenigstens besser gemanagt werden kann“, wissen die IHK-Berater Markus Schmid und Thorsten Drescher aus täglich dutzenden Telefongesprächen. Über 10.000 Seitenaufrufe weist allein die spezielle Informationsseite der IHK Ostwürttemberg aus, und seit rund zwei Wochen steigt der Beratungs- und Informationsbedarf täglich stark an. „Mit dem erweiterten Beratungsteam werden wir dem Informationsbedarf aber auch weiterhin gerecht“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle.

„Ein Kraftakt für alle – aber es wird gehen“

Auch die Handwerkskammer Ulm hat eine Hotline für betroffene Betriebe geschaltet, sie ist unter der Nummer 0731 1425-6900 von Montag bis Samstag von 7 bis 19.30 erreichbar. „Wir wollen unseren Betrieben jetzt zeigen, was schnell und unbürokratisch ist“, erklärt Hauptgeschäftsführer Dr. Tobias Mehlich. Die Handwerkskammer hilft mit einem eigens dafür zusammengestellten Team von Mitarbeitern mit, dass über die Anträge unbürokratisch und schnell entschieden und Soforthilfe an die L-Bank empfohlen werden kann. „Wir wollen, dass die L-Bank ab nächster Woche möglichst am Folgetag der Antragsstellung auszahlen kann. Das ist ein Kraftakt für uns alle, aber es wird gehen.“ So sollen die Gelder möglichst schnell bei den Handwerksbetrieben ankommen - und deren Existenz sichern. „Die Verunsicherung bei den Handwerksbetrieben ist enorm. Auch bei Betrieben, die noch geöffnet sein dürfen, brechen Umsätze weg, Aufträge werden storniert oder für die kommenden Wochen nicht mehr erteilt. Die Betriebe haben Sorge um ihr Personal und das ständige Risiko einer Betriebsschließung“, so Mehlich. Er macht aber auch darauf aufmerksam, dass es Voraussetzungen gebe für eine positive Empfehlung seiner Kammer zur Auszahlung der Soforthilfe: „Die Soforthilfe muss für das Unternehmen dringlich sein und es muss ein Liquiditätsengpass gegeben sein. Das muss in Folge der Corona-Krise geschehen sein und nicht andere Ursachen haben. Wir haben die Bürokratie und Nachweispflichten so weit wie möglich runtergefahren. Trotzdem werden alle Angaben ggfls. irgendwann nachgeprüft werden können.“

Mehlich appelliert aber auch an die Verbraucher.  Nicht nur die Politik könne Handwerksbetriebe aktiv unterstützen. „Was die Politik da tut, ist richtig. Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, einem Handwerksbetrieb einen schon lange überlegten Auftrag zu erteilen. Alles, was Sie bei sich als Verbraucher kürzen, kommt bei unseren Betrieben nicht an und kann von dort aus dann auch nicht an deren Mitarbeiter oder andere Vertragspartner weitergegeben werden. So kann alles erlahmen. Abwärtsspiralen bricht man nicht durch Sparen, sondern durch Ausgeben und Aufträge erteilen.

Weitere Infos des Landes:

www.wm.baden-wuerttemberg.de

Corona-Hotline für Firmen:

0800 40 200 88 (Mo-Fr 9 bis 18 Uhr).

© Wirtschaft Regional 24.03.2020 17:10
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