Wie Betriebe durch die Krise kommen

Corona-Pandemie Steuerberater Joachim Vogel erklärt, welche Instrumente es jetzt gibt und was Selbstständige und Unternehmen in der aktuellen Situation tun können.
  • Steuerberater Joachim Vogel hat konkrete Tipps für die Krise. Foto: Vogel Steuerberatung

Aalen

Die Coronakrise trifft Unternehmen und Selbstständige hart. Steuerberater Joachim Vogel von der Vogel Steuerberatung erklärt, was diese jetzt tun können – und sollten.

Aus Ihrer täglichen Praxis: Was beschäftigt die Selbstständigen und Unternehmen derzeit am meisten?

Vor allem die Unsicherheit. Wie lange dauert das Herunterfahren des öffentlichen Lebens an? Was kommt danach? Was muss unbedingt getan werden?

Und was muss getan werden?

Es stehen aktuell umfangreiche Instrumente zur Verfügung, die genutzt werden können. Betriebe können ihre Steuervorauszahlungen auf Null setzen lassen, wenn sie begründen, dass die Umsätze wegen der Coronakrise einbrechen – egal wie gut die Geschäfte 2019 gelaufen sind. Eine absolut plausible Begründung ist beispielsweise, dass ein Einzelhändler sein Geschäft schließen muss. Für Steuern, die noch nicht bezahlt und fällig sind, kann bis Jahresende die Stundung ohne Stundungszins beantragt werden. Das ist auch bei der Umsatz- und Gewerbesteuer möglich. Für bereits angeordnete Steuerzahlungen gibt es Vollstreckungsaufschübe bis Jahresende ohne Säumniszuschlag. Bei den Sozialversicherungsbeiträgen sind über die Krankenkassen wohl ebenfalls Stundungen möglich.

Wie kann die finanzielle Last gesenkt werden?

Ein entscheidendes Überbrückungsinstrument für Unternehmen ist das Kurzarbeitergeld: Kurzarbeit kann direkt online bei der Arbeitsagentur angezeigt werden. Dort sind auch die Voraussetzungen nachzulesen. Die Hürden wurden vom Gesetzgeber in der Krise stark gesenkt. Neu ist beispielsweise, dass auf das Kurzarbeitergeld keine Sozialversicherungsbeiträge bezahlt werden müssen. Weitere Fixkosten sollten insgesamt geprüft werden, welche Möglichkeiten es gibt, um diese zu senken. Bei Miete oder Pacht sollte im ersten Schritt das Gespräch mit dem Vermieter gesucht werden.

Und wenn doch die Zahlungsunfähigkeit droht?

In diesem Fall müssen Corona-geschädigte Unternehmen nicht zwingend Insolvenz beantragen. Die entsprechende Pflicht soll bis zum 30. September ausgesetzt werden.

Wie kommen Unternehmen an Geld?

Hier gilt, es auf die Hausbank zuzugehen: Die Banken können helfen, indem sie die Tilgung für laufende Kredite aussetzen. Sie sind auch Ansprechpartner für die Vermittlung von Hilfs- und Förderkrediten, etwa der KfW oder der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg. Hier müssen Unternehmen belegen, dass die Coronakrise schuld an den finanziellen Problemen ist und die Geschäfte vorher gut liefen. Geeignet sind Jahresabschlüsse mindestens bis 2018 und vorläufige Zahlen für 2019. Unternehmen sollten den Kredit- und Liquiditätsbedarf für die kommenden sechs bis zwölf Monate ermitteln und darstellen.

Wie hilft der Staat mit Direktzahlungen?

Spätestens ab Donnerstag greift ein Programm des Landes für kleine und mittlere Unternehmen. Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern erhalten für drei Monate in Summe 9000 Euro, bei bis zu zehn Mitarbeitern sind es bis zu 15 000, bei bis zu 50 Mitarbeitern 30 000 Euro. Die Anträge sind elektronisch abzugeben und gehen bei den Kammern, IHK und Handwerkskammer, ein, die sie prüfen und zentral weiterleiten. Zusätzlich zur Soforthilfe vom Land soll es auch vom Bund Hilfen für Kleinstunternehmen geben - 9000 Euro für bis zu fünf Mitarbeiter, 15 000 Euro für bis zu 10 Mitarbeiter. Die Umsetzung wird noch konkretisiert, vermutlich wird sie über die Länder und Kommunen geschehen.

Was sind die wichtigsten Anlaufstellen und Gesprächspartner?

Zum einen sind es wir Steuerberater, genauso die Hausbank und die Kammern wie IHK und Handwerkskammer. Wichtig bei allen Anträgen auf Leistungen ist, dass sie vollständig und schnell eingereicht werden, dann kann die Bearbeitung schnell erfolgen, nun, da eine Flut von Anträgen auf Banken und Institute zukommt.

Was raten sie Unternehmen noch?

Ganz wichtig ist: An die Zeit nach Corona denken. Sich darauf vorbereiten, wie man weitermacht, wenn das öffentliche Leben wieder hochgefahren wird. Es wäre der falsche Schluss, alles zuzumachen und nichts mehr zu tun. Es gibt ausreichend Mittel, um die Liquidität der Betriebe zu sichern. Von daher ist es entscheidend, sämtliche Möglichkeiten auszuschöpfen, die zur finanziellen Entlastung beitragen. Auch wenn es schwierig ist, so sind wir alle gefordert, diese Krise – auch mit Zuversicht – gemeinsam durchzustehen und zu meistern.

© Wirtschaft Regional 24.03.2020 14:00
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