Bosch AS schließt Standort Gmünd für zwei Wochen

Coronakrise In vielen Autofabriken ruht wegen der Pandemie die Produktion. Die Lieferketten sind gestört. Bosch AS und ZF reagieren auf die Krise.
  • Am Standort Gmünd fertigt Bosch AS Elektrolenkungen. Foto: Bosch AS

Schwäbisch Gmünd

Bereits vor drei Wochen hat der Autozulieferer Bosch AS angesichts der Corona-Pandemie den „Präventionssteuerkreis Corona“ ins Leben gerufen, in dem Arbeitgeber, Betriebsrat und Experten für den Standort Schwäbisch Gmünd über Vorsichtsmaßnahmen entscheiden und Aktivitäten koordinieren, „um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und die Mitarbeiter bestmöglich zu schützen“, wie das Unternehmen mitteilt. Wegen der Pandemie hatten bereits mehrere Autokonzerne die Produktion einstellen.

Dazu gehören etwa VW, Audi oder BMW. Hinzu kommen ausbleibende Lieferungen durch Lieferanten, wie Bosch AS mitteilt. Die Folge: Diese Situation mache es unmöglich, den bisherigen Betrieb aufrechtzuerhalten, so der Konzern in einer Mitteilung. Das Unternehmen werde den Betrieb an den Standorten in Deutschland deshalb einschränken. Hierfür werde es standortspezifische Vereinbarungen geben, die sich an den jeweiligen lokalen Voraussetzungen orientieren. Für den Standort Schwäbisch Gmünd haben Firma und Betriebsrat folgendes vereinbart:

Bosch geht am Standort in drei Stufen vor: In der ersten Stufe vom 23. bis 28. März können Mitarbeiter nach Absprache mit ihren Vorgesetzten auf freiwilliger Basis Urlaub, Gleitzeit und Freistellungstage nehmen. Ab kommender Woche tritt dann die zweite Stufe in Kraft. Dann bleibt der Betrieb bis zum 11. April geschlossen.

Ab dem 12. April ist geplant, für den gesamten Betrieb Kurzarbeit anzumelden. Arbeitgeber und Betriebsrat verständigen sich wochenweise für die jeweils darauffolgende Woche, welche Abteilung in welchem Umfang von Kurzarbeit betroffen sein wird. In einer gemeinsamen internen Information betonen Geschäftsführung und Betriebsrat: „Die COVID-19-Epidemie stellt die Welt vor bisher unbekannte Herausforderungen. Die Auswirkungen sind inzwischen für jeden spürbar, im Privatleben wie im beruflichen Umfeld. Oberste Priorität hat die Gesundheit unserer Mitarbeiter und deren Familien. Jedoch müssen wir auch die wirtschaftliche Situation von Bosch Automotive Steering im Blick haben. Wir werden die Instrumente, die uns jetzt zur Verfügung stehen, verantwortungsbewusst einsetzen.“

Damit folgt Bosch weiteren Automobilzulieferern. ZF hat etwa angekündigt, Teile von Produktion und Verwaltung herunterzufahren. „Wir erleben mit der Corona-Krise eine Situation, die wir uns noch vor wenigen Wochen kaum vorstellen konnten“, sagt Achim Dietrich, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von ZF. „Nachdem viele unserer Kunden ihre Produktion für mehrere Wochen ruhen lassen, reagiert ZF auf die ausbleibende Nachfrage“, sagt ein Sprecher. Der Konzern kombiniert 25 Prozent Gleitzeit und 25 Prozent Urlaubszeit sowie 50 Prozent Kurzarbeit. Die Regelung gilt bei ZF bis einschließlich Juni, wobei die Phase der Kurzarbeit sich danach richtet, zu welchem Zeitpunkt die Kunden von ZF ihre Werke wieder in Betrieb nehmen.

Konkret bedeutet das für den Standort Alfdorf: Teile der Produktions- und Fertigungsbereiche sowie der Verwaltung werden heruntergefahren. „Insgesamt betrifft dies rund 70 Prozent der Belegschaft“, so der Sprecher. Bereits in dieser Woche ruhe die Produktion am Standort. Dieses Aussetzen werde vorwiegend über Gleitzeit und den Abbau von Überstunden getragen. Die Phase der Kurzarbeit startet am Standort Alfdorf dann an diesem Freitag, den 27. März.

© Wirtschaft Regional 23.03.2020 16:35
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