Baufinanzierungsboom hält an

Studie Laut einer Studie von PwC treibt der Bauboom das Kreditgeschäft der Banken auf ein neues Rekordniveau. Das deckt sich mit den Erfahrungen der regionalen Banken.

  • Auch in der Region ist der Bauboom ungebrochen. Hier Blick aufs Aalener Stadtoval, wo mehrere Wohnbauprojekte entstehen. Foto: dat/jad

Aalen/Schwäbisch Gmünd

Der anhaltende Immobilienboom in Deutschland treibt das Geschäft mit Baufinanzierungen. Es wuchs im vergangenen Jahr so stark wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Das Kreditvolumen stieg auf 1,3 Billionen Euro – ein Plus von 5,7 Prozent gegenüber 2018 und damit das höchste Wachstum seit Beginn der Statistik im Jahr 2003. Das zeigt eine neue Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.

Das Ergebnis der Studie deckt sich auch mit den Zahlen der regionalen Banken. Nie zuvor hat etwa die Kreissparkasse Ostalb mehr frische Kredite vergeben als 2019: Rund 800 Millionen Euro an neuen Ausleihungen hat die Bank an die Kunden ausgegeben. „Das sind fulminante Werte, die deutlich oberhalb unserer Planung liegen“, erläuterte Vorstandschef Andreas Götz bei der Vorlage der Bilanzzahlen. Bei den Privatkunden bleiben Baufinanzierungen die Wachstumstreiber. Rund 276 Millionen neue Kredite für Bauwillige hat die Sparkasse allein 2019 im Ostalbkreis vergeben.

Bei der VR-Bank Ostalb summierten sich die ausgegebenen Kredite zum Stichtag 31. Dezember 2019 auf fast 1,6 Milliarden Euro. Das Volumen der annähernd 1900 neu vergebenen Kredite lag bei rund 315 Millionen Euro. Wie auch 2018 war die Nachfrage nach Wohneigentum – mit bedingt durch das anhaltende Niedrigzinsniveau – eine der wichtigsten Treiber für das Kreditgeschäft gewesen, so Vorstandsmitglied Olaf Hepfer. Die VR-Bank Ellwangen, ihres Zeichens die drittgrößte Bank mit Sitz im Ostalbkreis, hat 2019 rund 137 Millionen Euro an neuen Krediten vergeben, das Kreditvolumen steigt auf 535 Millionen Euro. Auch hier einer der wichtigsten Treiber: die Baufinanzierungen.

Es überrascht nicht, dass sich laut der Studie von PwC die Zinserträge in der größten Kreditkategorie in Deutschland in den vergangenen fünf Jahren fast verdoppelt haben. Sie erreichten 2019 rund 13 Milliarden Euro. Das macht 15 Prozent der gesamten Zinserträge der Banken aus.

Die Preissensitivität der Kunden geht zurück.

Tomas Rederer
Partner bei PwC

Neugeschäft übersteigt Marke von 250 Milliarden Euro

Diese relativ niedrige Quote verdeutlicht laut der Berater jedoch die vergleichsweise niedrigen Margen im Baufinanzierungsgeschäft und das hohe Aufkommen an Zinserträgen zum Beispiel durch Fristentransformation in Deutschland. Der Anteil der Baufinanzierungen am gesamten Kreditbestand in Deutschland lag 2019 stabil bei 42,4 Prozent. Das Neugeschäft überstieg der PwC-Analyse zufolge zum ersten Mal überhaupt die Marke von 250 Milliarden Euro. Es wuchs um neun Prozent auf 263 Milliarden.

„Baufinanzierungen stärken ihre Position als zentrales Produkt auf der Privatkundenseite und leisten einen entscheidenden Beitrag zur Stabilisierung der Zinserträge. Banken müssen nun aber stärker darüber nachdenken, wie sie diese Position beim Kunden jenseits des eigentlichen Produkts monetarisieren“, beobachtet Tomas Rederer, Partner bei PwC. Der Boom wirkt sich auch positiv auf die Kreditmargen der Banken aus. Diese erholten sich 2019 nach zwei Jahren sinkender Marge wieder deutlich und lagen bei 1,08 Prozentpunkten. Damit konnten Banken ein Plus von 0,14 Prozentpunkten gegenüber 2018 durchsetzen. „Die steigenden Margen sind wahrscheinlich die Folge gestiegenen Risikobewusstseins aber auch schlicht des expandierenden Marktes. Die Zinssätze sind zudem so niedrig, dass die Preissensitivität der Kunden immer mehr zurückgeht. Trotzdem reichen die Margen oft nicht zu einer positiven Netto-Profitabilität, da Prozesskosten noch immer zu hoch sind. Und das ist noch vor einem zu erwartenden Anstieg der realen Risiken“, sagt Rederer.

Beim Wettbewerb der Kreditinstitute auf dem Boom-Markt sind die Genossenschaftsbanken und Bausparkassen derzeit die Gewinner. Der Anteil der Genossenschaftsbanken am gesamten Kreditvolumen stieg auf 25 Prozent – ein Plus von zwei Prozentpunkten gegenüber 2014. Die Bausparkassen kamen auf 13 Prozent, nach 12 Prozent 2014. Den größten Anteil am Markt halten nach wie vor die Sparkassen vor den privaten Geschäftsbanken. Ihr Anteil liegt stabil bei 31 respektive 27 Prozent. Insgesamt kam es bei den Marktanteilen in den letzten fünf Jahren nur zu geringen Verschiebungen. Entsprechend konnten alle Bankengruppen laut PwC von der boomenden Baufinanzierung profitieren.

© Wirtschaft Regional 18.03.2020 21:01
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