Messebauer ächzen unter Corona

Gesundheit Die Krise trifft die regionale Wirtschaft. Vor allem Messebauer und Firmen, die rund um die großen Branchentreffs Geld verdienen, spüren die Auswirkungen – und bangen um ihre Zukunft.
  • Das Messegeschäft liegt bereits seit Wochen darnieder. Hier ein Bild aus besseren vergangenen Tagen. . Foto: Auma

Aalen

Josef Friedel ist betroffen. „Wir haben für die nächsten zwei Monate keine Arbeit“, sagt der Chef von Messe Design Schöne. 25 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen, das Friedel gemeinsam mit seinem Sohn Steffen führt. Drei Standorte hat die Firma: in Schwäbisch Gmünd, Mutlangen und in Stuttgart, direkt an der Messe. In den vergangenen Tagen sei die Lage chaotisch gewesen, so Friedel. Fachmessen wie die Intralogistik-Schau Logimat seien kurzfristig abgesagt worden. „Morgens um 10 Uhr hieß es noch: Sie findet statt. Also haben wir die Lkws beladen und sind um 11 Uhr losgefahren. Mittags kam dann die Absage.“ Die Logimat hätte vom 9. bis 11. März in Stuttgart stattfinden sollen. Sie ist für dieses Jahr gestrichen. Friedel muss nun mit seinen Kunden verhandeln, wie seine Leistung trotzdem bezahlt wird.

Die Krise trifft nicht nur die Messebauer, sondern auch nachgelagerte Dienstleister. Monteure etwa, die vor Ort Stände aufbauen und Technik installieren, sind oft als Subunternehmer mit an Bord. „Für die wird es richtig eng“, befürchtet Friedel. Wer als Einzelunternehmer mit Messe-Montage sein Geld verdient, der wirtschaftet ohnehin schon auf Kante. „Diese Leute können es sich nicht leisten, sechs Monate nichts zu tun“, so Friedel. Also hofft er, dass die Krise bald vorbei geht. „Sonst könnte es auch für uns eng werden.“ Besonders pikant: Gegen einen wirtschaftlichen Schaden, der durch stornierte Aufträge entsteht, ist das Unternehmen nicht geschützt. „Wir haben eine Betriebsausfallversicherung, die relativ teuer ist“, verrät Friedel. Nur: Die zahlt nicht. Damit es hier zur Zahlung käme, müsste der Betrieb quasi von offizieller Stelle dichtgemacht werden.

Verband spricht von Milliardenschäden

Etwas entspannter schaut Klaus Steinle aus Gschwend auf die Situation. Das hat aber einen anderen Grund: Steinle, 67, ist schon mit einem Bein im Ruhestand. Auch ihm sind in den letzten Tagen alle Aufträge weggebrochen. „Bis September habe ich nichts zu tun“, sagt Steinle Stand Montagmittag. „Alles abgesagt.“ In den vergangenen 20 Jahren hatte der Schreinermeister sich auf das Thema Messebau fokussiert. Sein Unternehmen hatte mal zehn Mitarbeiter, heute ist er Einzelkämpfer. Was anfällt, wird noch erledigt. „Neue Kunden nehme ich gar nicht mehr an“, sagt Steinle. Ein paar wenige Kunden habe er noch. „Die werden auch wiederkommen“, ist er sich gewiss. Bis dahin werde er sich zurücklehnen. Existenzängste hat er nicht, räumt aber auch ein: Wäre das alles vor zehn Jahren passiert, hätte es auch für ihn anders ausgesehen. Der Verband der deutschen Messewirtschaft (Auma) hat berechnet, dass die Branche durch die Corona-Krise Einnahmen in Milliardenhöhe verliert. „Durch die Absagen und Verschiebungen von Messen in Deutschland wegen des Corona-Virus ist der Messestandort Deutschland schon jetzt erheblich betroffen“, heißt es in einer Mitteilung des Auma vom 9. März.

Bis September habe ich nichts zu tun.

Klaus Steinle
Gschwender Messebauer

Demnach seien allein durch die bisher bekannt gegebenen Absagen und Verschiebungen Einbußen in Höhe von fast drei Milliarden Euro zu erwarten. Für viele Unternehmen sind gerade Branchenmessen wichtige Vertriebskanäle. Sie ziehen hier große Aufträge an Land, mit denen sie ihre Unternehmen auslasten. Diese Effekte seien jedoch kaum zu berechnen. „Fast alle Messeplanungen für die nächsten Monate werden gerade Makulatur“, sagt der Auma-Vorsitzende Philip Harting. „Veranstalter, Aussteller, Besucher und Dienstleister verlieren jede Planungssicherheit. Sie haben hohe Vorlaufkosten ohne Aussicht auf entsprechenden Nutzen oder hohe akute Umsatzeinbußen.“ Die Messewirtschaft spielt laut Auma pro Jahr rund 28 Milliarden Euro ein.

Hilfspaket ist willkommen

Der Auma lobt das erste Maßnahmenpaket der Bundesregierung. „Die Bundesregierung setzt ein starkes Zeichen für die deutsche Wirtschaft und den international führenden Messestandort Deutschland“, sagt Jörn Holtmeier, Geschäftsführer des Auma. „Das Maßnahmenpaket wird den Akteuren der Messewirtschaft helfen, die aktuelle Situation zu überbrücken.“ Damit sei es aber nicht getan, so Holtmeier weiter: „Abhängig von der weiteren Entwicklung müssen wir aber darauf achten, ob weitere Maßnahmen der Bundesregierung erforderlich sein werden.“

Die Paint-Expo, eine Fachmesse für Oberflächentechnik, hätte Ende April in Karlsruhe stattfinden sollen. Nun ist die Messe verschoben – auf Oktober. „Die Verträge mit den rund 540 teilnehmenden Unternehmen aus 26 Ländern sind auch für den neuen Termin uneingeschränkt gültig“, schreibt der Veranstalter auf seiner Website. Aufträge liegen deswegen aber auf Eis, so Messebauer Josef Friedel.

© Wirtschaft Regional 16.03.2020 13:08
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