Lieferketten unter Druck

Corona-Krise I Regionale Firmen setzen auf Notfallpläne. Lieferengpässe sind bislang die Ausnahme, allerdings steigt der Aufwand für die Beschaffung.
  • Masken sollen gegen die Ausbreitung des Virus schützen.Foto: Adobe Stock

Ellwangen/Aalen

Noch vor einigen Wochen sah es laut einer Umfrage der IHK nach einem zarten Frühlingserwachen der regionalen Wirtschaft aus. Nun gesellt sich zur allgemeinen Strukturkrise der Autoindustrie noch der Ausbruch des Corona-Virus.

Dennoch ist bei Varta in Ellwangen die Lage noch ruhig. „Aktuell verzeichnen wir keine Veränderungen bei den Kundenordern“, betont eine Varta-Sprecherin. An den Investitionsplänen für die Standorte in Nördlingen und Ellwangen halte man fest. Die Entwicklung beobachte man sehr aufmerksam und sei vorbereitet, um gegebenenfalls zeitnah reagieren zu können. Möglichen Infektionen versuche man vorzubeugen. So seien etwa alle Mitarbeiter verpflichtet, für Dienstreisen ins Ausland sowie Besuche/Einreisen aus dem Ausland an einen unserer Produktionsstandorte explizit Genehmigungen einzuholen. Zudem seien Dienstreisen, größere Veranstaltungen beruflicher Art und Meetings möglichst zu vermeiden und beispielsweise durch Telefon- oder Videokonferenzen zu ersetzen. „Außerdem legen wir Wert auf hohe Hygienestandards und haben unsere Mitarbeiter dazu anhalten, auf das Händeschütteln zu verzichten“, so die Sprecherin.

Bei der VR-Bank Ostalb hat man ebenfalls Vorkehrungen getroffen. „Aktuell haben wir Verhaltensregeln an die Mitarbeiter herausgegeben, den direkten Körperkontakt möglichst zu vermeiden“, erklärt Pressesprecherin Marita Hermann. Händeschütteln gibt es nicht mehr. Die Kunden werden mit Plakaten darauf hingewiesen. Die VR-Bank versucht zudem, „die Kontaktketten möglichst gering zu halten“. Gelingen soll dies durch die Vermeidung standort- und bereichsübergreifender Termine. „Aktuell sind uns in der VR-Bank keine Infektionsfälle bekannt“, so Hermann. Sollte es zu einem solchen Fall kommen, werde man in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt weitere Maßnahmen innerhalb des Notfallmanagements umsetzen. So existieren Notfallpläne für den Fall, dass einzelne Abteilungen in häusliche Isolation geschickt werden. „Diese Pläne haben wir Anfang März 2020 überprüft.“ So habe man kritische Funktionen in der Bank definiert, für welche man nochmals explizit die Aktualität des Notfallszenarios und die aktuelle Umsetzbarkeit geprüft habe.

Das Virus setzt zudem Lieferketten unter Druck. Bei ZF sind sie intakt, wie ein Sprecher des ZF-Konzerns mitteilt. „Unsere europäischen Lieferanten beliefern uns nach Plan. Einige unserer chinesischen Lieferanten haben zwar teils Schwierigkeiten, Teile in der benötigten Stückzahl an uns zu liefern“, erklärte er weiter. ZF könne das aber bislang kompensieren, indem das Unternehmen Lieferungen teils von anderen Lieferanten bezieht oder teils auch selbst aus anderen Werken des weltweiten Produktionsnetzwerks liefert – notfalls per Luftfracht. Am Standort Alfdorf sei die Lage aktuell ruhig. Das Unternehmen hat bereits mit Ausbruch des Virus eine Task Force installiert, zum einen, um mögliche Infektionsfälle zu managen, zum anderen, „um täglich die Lage innerhalb der Supply Chain neu zu bewerten und Alternativen zu erarbeiten, damit die Lieferkette nicht abreißt“, so der Sprecher.

Bei anderen Unternehmen gibt es indes Probleme. „Es gibt partielle Lieferengpässe und der Aufwand für die Beschaffung ist deutlich gestiegen“, erklärt Michaela Eberle, Hauptgeschäftsführerin der IHK. Zudem verursachten die Grenzschließungen logistische Anstrengungen. „Weitere Grenzschließungen sollten in einer globalisierten Welt das letzte politische Mittel sein. Wir haben die Hoffnung, dass durch die rückläufigen Neuinfektionen in China und die Wiederaufnahme der dortigen Produktion eine allmähliche Normalisierung zu erwarten ist.“

© Wirtschaft Regional 12.03.2020 20:12
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