BWIHK-Präsident: „Fünf vor Zwölf“

Corona-Krise II Kammern appellieren an die Politik. Im Land und in der Region sind vor allem Dienstleister betroffen.

Heidenheim. Die Auswirkungen des Corona-Virus auf die Wirtschaft sind dramatisch, wie ein Appell des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK) zeigt. „Für Messebauer, Veranstalter, Reiseanbieter, Hoteliers und Gaststättenbetreiber, aber auch Teile des stationären Handels ist es durch die exponentielle Entwicklung der Auswirkungen des Corona-Virus bereits fünf vor zwölf“, erklärt BWIHK-Präsident Wolfgang Grenke. „Wo anderswo noch produziert werden kann, gar Handelsengpässe durch Sonntagsarbeit ausgeglichen werden sollen und Lieferketten noch intakt sind, stehen einige Branchen vor stornierten Auftragsbüchern oder sitzen auf Produkten, für die es keine Abnehmer gibt – quasi dem Wegfall der Geschäftsgrundlagen auf noch nicht absehbare Zeit.“

Bei der IHK in Heidenheim konstatiert Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle: „Besonders betroffen sind derzeit Unternehmen der Messe- und Veranstaltungsbranche, Hotellerie und Caterer durch die zahllosen Veranstaltungsabsagen. Verschärft wird dies dadurch, dass auch kaum noch Neuaufträge kommen bzw. schon erteilte Aufträge kaum noch kalkulierbar sind.“ Es seien vor allem kleinere Unternehmen betroffen. Auch unternehmensnahe Dienstleister hätten verstärkt das Problem, dass Aufträge verschoben werden und sie teilweise keinen Zutritt mehr bei ihren Kunden bekommen. „Auch fällt vielfach bei internationalen Kunden der komplette Marktzugang weg“, so Eberle. Die Auslieferung ins Zielland sei nicht möglich und vereinbarte Zahlungen werden in der Folge nicht geleistet.

BWIHK-Präsident Grenke hofft auf Unterstützung. „Wir müssen über sofortige Anpassung von Steuervorauszahlungen, zinsfreie Steuerstundungen und die zeitlich begrenzte Abschaffung der Vorfälligkeit bei der Sozialversicherung sprechen – einfach und unbürokratisch“, so der Unternehmer. Die Erleichterungen beim Kurzarbeitergeld seien zum Beispiel ein wichtiger erster Schritt. Wichtig sei: „Das Geld muss schnell fließen, damit weder Unternehmen noch Arbeitsplätze verloren gehen.“

Eberle sieht das ähnlich: „Rein regionale Lösungen helfen kaum weiter. Vielmehr sind wirtschaftlich vor allem Maßnahmen notwendig, die schnell greifen und unmittelbar Liquidität schaffen. Weiterhin wird es Liquiditätshilfen für besonders betroffene Branchen geben müssen, um die Markteinbrüche zwischenfinanzieren zu können.“ Wie stark die Krise die Unternehmen belastet, sei nicht absehbar. „Eine Einschätzung der wirtschaftlichen Folgen ist zum derzeitigen Zeitpunkt seriöser weise nicht möglich.“ Sie fügt an: „Hinsichtlich der Erfahrungen aus der Finanzmarktkrise gehen wir unter der Voraussetzung schnell wirksamer wirtschaftspolitischer Maßnahmen davon aus, dass auch diese Krise bewältigt werden kann.“

© Wirtschaft Regional 12.03.2020 20:08
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