2026 nur noch 2500 Mitarbeiter

Stellenabbau Bosch AS legt Details der Einsparpläne vor. Der Standort soll bis 2026 auf gut die Hälfte der Mitarbeiter schrumpfen. Gewerkschaften und Betriebsrat kritisieren das Papier scharf.
  • Bosch will die Belegschaft in Gmünd (hier das Werk IV) drastisch reduzieren. Archiv-Foto: Bosch AS

Schwäbisch Gmünd

Es kommt knüppeldick für den Wirtschaftsstandort. Wie der Bosch-Konzern mitteilt, soll die Zahl der Mitarbeiter am Standort Schwäbisch Gmünd bis zum Jahr 2026 auf 2500 sinken. „Wir wollen unsere Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen und eine nachhaltige Perspektive für den Standort schaffen“, sagt Christian Sobottka, Vorsitzender der Geschäftsführung von Bosch Automotive Steering. „Wir werden dies aber nur mit deutlichen Anpassungen des Beschäftigungsniveaus langfristig wirtschaftlich umsetzen können. Ende 2026 planen wir mit rund 2500 Beschäftigten am Standort Schwäbisch Gmünd.“

Das heißt, dass nicht wie von Gewerkschaft und Betriebsrat befürchtet, weitere 1000 Stellen bis zum Jahr 2026 wegfallen, sondern 1100. Das Unternehmen hatte bereits 750 Stellen abgebaut. 1000 weitere sollen bis 2022 gestrichen werden (siehe Info am Ende des Artikels).

Bislang hatte sich das Unternehmen nicht zu den im Raum stehenden Zahlen geäußert. Am Freitag hatten Gewerkschaft und Betriebsrat die Belegschaft bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung in den Werken im Schießtal und auf dem Gügling über die Einsparpläne informiert. Am Donnerstag soll das Unternehmen dann die Mitarbeiter per Live-Stream über die Details der Pläne informiert haben. Eine Betriebsversammlung war aufgrund neuer Bestimmungen infolge des Corona-Virus-Ausbruchs nicht möglich.

Roland Hamm, Erster Bevollmächtigter der IG Metall, wiederholte seine Kritik an den Einsparplänen. „Fakt ist, dass die tatsächliche Wahrheit noch dramatischer ist als bislang angenommen.“ Die Zielgröße von 2500 Mitarbeiter sei „nicht akzeptabel“. Er kündigte Protestaktionen an. „Wir akzeptieren weder das erste Abbauszenario, bis 2022 rund 1000 Stellen zu streichen, noch das zweite, nun kommunizierte“, so Hamm. „Wir sehen die Zukunft des Standorts gefährdet.“ Ebenso kritisierte er, dass das Konzept von Bosch keinerlei innovative Elemente aufweise. „Irgendwann“, so fürchtet er, „hat der Standort gar keine Zukunft mehr.“ Erika Bresel, Sprecherin des Betriebsrats, erklärte: „Wir werden trotz der weiter zugespitzten Lage einen substanziellen und nachhaltigen Forderungskatalog für die kommenden Verhandlungen erstellen.“

Bosch AS begründet den harten Einschnitt so: Für die Produktion in Gmünd rechne man „mit anhaltend rückläufigen Stückzahlen“. Ursache dafür sei einerseits die sinkende Marktnachfrage. Andererseits führe der stark gestiegene Preisdruck im Markt dazu, dass das Unternehmen verstärkt den kostengünstigeren Standort Maklár in Ungarn nutze, um die vom Markt geforderten Preise anzubieten. Auch Neuanläufe für Elektrolenkungen für Pkw und Nkw sollen künftig in Maklár erfolgen. „Nur durch das Zusammenspiel der beiden Fertigungsstandorte in Deutschland und Ungarn und ein starkes Leitwerk in Gmünd schaffen wir es, auch künftig Aufträge nach Gmünd zu holen“, sagt Sobottka.

Wir wollen eine nachhaltige Perspektive schaffen.

Christian Sobottka, Vorsitzender der Geschäftsführung von Bosch AS

Bosch rechnet für 2020 und die Folgejahre mit einem Rückgang der globalen Autoproduktion um zehn Prozent auf 85 bis 90 Millionen Fahrzeuge. Entsprechend des erwarteten Umsatzrückgangs müsse Bosch AS die Kosten senken. Verwaltung, Vertrieb und Entwicklung sollen ebenfalls einen weiteren Beitrag zur Kostensenkung leisten und Strukturen anpassen.

Der Geschäftsbereich halte unverändert am Gesamtstandort fest, aber auf einem deutlich niedrigeren Niveau. „Auch, wenn sich nach unseren Planungen die Gesamtgröße des Standortes deutlich verkleinern wird: Mit Zentralfunktionen, Entwicklung und Werk soll er das Kompetenzzentrum unseres Unternehmens bleiben. Auch in Zukunft wird es eine Produktion in Schwäbisch Gmünd geben. Das Werk soll den weltweiten Fertigungsverbund für Lenkungen steuern. Außerdem sollen am Standort innovative Produkte und Prozesse entwickelt werden. Wir müssen und können hier Spitzenleistungen erbringen und Vorbild in unserem internationalen Verbund sein”, so Stefan Grosch, Mitglied der Geschäftsführung von Bosch AS. Der Umfang des Stellenabbaus bis Ende 2026 hänge davon ab, auf welche Maßnahmen man sich in den Verhandlungen einigen könne. Grosch: „Das Ziel ist klar: langfristig wettbewerbsfähige Kosten und die Zukunftssicherung des Standorts. Wir streben eine Einigung noch im Frühjahr an, um für alle Mitarbeiter schnell Klarheit über den Weg zu schaffen.“

Zudem will Bosch AS mit anderen Unternehmen und Bildungsträgern der Region sowie Südwestmetall im Gespräch bleiben, um Qualifizierungsinitiativen in die Umsetzung zu bringen. Gleichzeitig soll der vom Schwäbisch Gmünder OB Richard Arnold initiierte Runde Tisch weitergeführt werden, so Bosch AS.

Mitarbeiterzahlen Über die Größe der Belegschaft von Bosch AS gibt es verschiedene Angaben. Das liegt daran, dass es Unterschiede zwischen Stammbelegschaft und allen Mitarbeitern unterscheidet. Insgesamt dürften bei Bosch AS aktuell 5000 Mitarbeiter tätig sein. Die Stammbelegschaft pendelt laut Betriebsrat zwischen 4600 und 4700, hinzu kommen Aushilfen, Praktikanten oder Werkstudenten. Die Pläne des Konzerns beziehen sich auf die Reduzierung der Stammbelegschaft.

© Wirtschaft Regional 12.03.2020 18:44
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