Corona: Die Firmen wappnen sich

Virus Der Zeiss-Konzern meldet den ersten Corona-Fall – und reagiert schnell. Wie sich Unternehmen auf mögliche Infektionen vorbereiten. Kreissparkasse legt Sonderkreditprogramm auf.
  • Am Standort Oberkochen gibt es den ersten Coronafall. Archiv-Foto: Zeiss

Oberkochen

Der Technologiekonzern Zeiss hat bestätigt, dass eine Mitarbeiterin am Standort Oberkochen positiv auf den Coronavirus COVID-19 getestet wurde. Die Mitarbeiterin befindet sich laut Zeiss derzeit in häuslicher Quarantäne. Sie hatte nach Rückkehr aus dem Skiurlaub in Österreich Symptome der Erkrankung festgestellt und sich daraufhin an ihren Arzt gewandt.

Nach Erhalt des positiven Testergebnisses hatte sie unverzüglich das Unternehmen informiert, so Zeiss. Nach dem Bekanntwerden des positiven Testergebnisses habe man sofort Maßnahmen ergriffen, um eine weitere Verbreitung des Virus einzudämmen. Das kleine Team, in dem sie arbeitet, wurde informiert und ebenfalls gebeten, sich in die häusliche Unterbringung zu begeben, erklärt der Konzern. Der Arbeitsmedizinische Dienst von Zeiss sowie weitere Experten für die Umsetzung von Präventions- und Epidemiemaßnahmen seien im ständigen Austausch mit den Behörden und setzen deren Empfehlungen und Anweisungen um.

Der Zeiss-Konzern hat sich bereits seit Wochen auf mögliche Fälle vorbereitet. „Seit Ausbruch des Virus in China hat Zeiss weltweit unterschiedliche Maßnahmen auf der Basis der behördlichen Informationen und Empfehlungen ergriffen“, erklärte ein Zeiss-Sprecher. Dazu gehören insbesondere Reisebeschränkungen und -verbote sowie intensive Kommunikation über Hygiene- und Verhaltensregeln, aber auch zum Beispiel das Reduzieren von größeren, persönlichen Besprechungen und Veranstaltungen, sowie Quarantänezeiten für Reisende aus besonders gefährdeten Gebieten. Die Mitarbeiter werden kontinuierlich über die aktuelle Situation informiert.

Auch andere Firmen in der Region bereiten sich auf den Ernstfall vor. Der Aalener Präzisionswerkzeughersteller Mapal hat etwa eine eigene Task-Force gebildet. „Dieses Team analysiert die aktuelle Situation permanent“, wie Unternehmenssprecher Andreas Enzenbach erklärt. Zudem gebe es eine detaillierte Notfallplanung, wie der Betrieb unternehmenskritischer Bereiche im Notfall aufrecht erhalten werden können. Das ist für die gesamte Firma extrem wichtig. Der Stammsitz in Aalen übernimmt schließlich viele Aufgaben für die weltweiten Standorte. Ein Ausfall bestimmter Teilbereiche hätte so schnell Folgen für die anderen Niederlassungen. Die entsprechenden Mitarbeiter aus Vertrieb, Verwaltung oder Marketing könnten im Notfall von zu Hause aus arbeiten.

Die Task-Force analysiert die aktuelle Situation permanent.

Andreas Enzenbach
Sprecher der Mapal-Gruppe

Bei Bosch AS in Schwäbisch Gmünd wird aktuell nicht nur auf internationale Dienstreisen verzichtet. Wo möglich, werde auf virtuelle Meetings ausgewichen. „In dieser Situation haben Sicherheit und Gesundheit unserer Mitarbeiter oberste Priorität“, so eine Firmensprecherin. Ein Expertenteam beobachte und bewerte die Situation kontinuierlich – im Austausch mit externen Stellen. „Wir haben dabei verschiedene Szenarien im Blick und bereiten uns darauf vor.“ Zudem verzichtet das Unternehmen bis Mitte April auf die Teilnahme an größeren Events sowie das Ausrichten größerer Veranstaltungen mit externen Gästen oder internationalen Teilnehmern. Wo möglich, greife man auf virtuelle Methoden zurück oder verschiebe Events auf einen späteren Zeitpunkt.

Die Kreissparkasse Ostalb verzeichnet zum einen wegen des Corona-Ausbruchs eine rückläufige Frequenz in den Filialen, dafür aber ein deutlich höheres Aufkommen beim telefonischen Service. Für den Notfall hat die Bank einen „einen umfangreichen Maßnahmenplan“, wie Pressesprecher Holger Kreuttner erklärt. Dieser beinhalte eine Mitarbeitersensibilisierung, Dienstleisterplanung sowie geprüfte Notfallprozesse. „Es gibt einen zentralen Pandemie-Ansprechpartner im Haus“, so Kreuttner. Dieser koordiniere alle Vorgänge und Maßnahmen rund um das Coronathema. Außerdem gebe es einen definierten Krisenstab, der vom Vorstandsvorsitzenden bei Bedarf einberufen und geleitet wird und der entsprechend dem Krisenverlauf Entscheidungen trifft und geeignete Maßnahmen veranlasst. „Wir haben bestimmte Schlüsselpositionen definiert, etwa im Zahlungsverkehr, und die entsprechenden Mitarbeiter auf verschiedene Standorte verteilt“, erklärt Kreuttner. Außerdem könnten einzelne Arbeitsplätze auf Schlüsselpositionen bei Bedarf ins Home Office verlagert werden. Zudem gelte: „Wir halten uns strikt an die Empfehlungen des RKI hinsichtlich der Risikogebiete“, so Kreuttner. In der Kundenberatung und im Service verzichte die Bank auf das übliche Händeschütteln. Aushänge gibt es in allen Filialen. Auch die finanziellen Auswirkungen auf die Firmen in der Region hat die KSK im Blick. „Für unsere Unternehmenskunden haben wir heute das „Sonderkreditprogramm Coronavirus“ aufgelegt“, so Kreuttner. Auch hier biete man Beratungsgespräche zu allen aktuellen Finanz- und Finanzierungsfragen an, die im Zuge der „Coronakrise“ auftreten.

Der Triumph-Konzern mit Standort in Heubach hat dem Vernehmen nach alle externen Termine seiner Mitarbeiter abgesagt – und empfängt an allen europäischen Standorten offenbar auch keine Besucher mehr.

© Wirtschaft Regional 11.03.2020 17:50
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