GtA rüstet sich für die Zukunft aus

Investitionen Der Neresheimer Textilausrüster hat Millionen in neue Produktionslinien und wegweisende Umwelttechnologie gesteckt.
  • Geschäftsführer Andreas Niess (rechts) mit Zeki Yagiz, Produktionsleiter und Leiter Qualitätssicherung, vor einer der neuen Produktionslinien. Der Besuch im Unternehmen und der Fototermin fanden vor den Beschränkungen der Coronakrise statt. Foto: Bernhard Hampp

Neresheim

Der Neresheimer Textilveredler GtA hat kräftig investiert. Seit Herbst rüstet das Unternehmen gewirkte Textilien auf drei Produktionslinien aus – bisher war es eine Produktionslinie. Rund sechs Millionen Euro hat das Unternehmen, dessen Produkte digital bedruckt werden und im beispielsweise im Ladenbau, Messebau, bei Events, Werbung und im Objektdesign zum Einsatz kommen, in die Hand genommen. Ein großer Teil floss in Umweltmaßnahmen wie Wärmerückgewinnung.

Das nachhaltige Wirtschaften hat sich Firmenchef Andreas Niess auf die Fahnen geschrieben. Niess hat die GtA Gesellschaft für textile Ausrüstung 2015 gegründet. Damals waren acht Mitarbeiter am Start. Mittlerweile ist das Unternehmen im Neresheimer Industriegebiet Riegel ein echter Platzhirsch und zählt 60 Beschäftigte. „2019 konnten wir mit einem sehr guten Betriebsergebnis abschließen“, freut sich Niess, der besonders auf die verschiedenen Neuerungen hinweist.

Bis vor kurzem konnte GtA Textilien mit einer Breite von bis zu 3,20 Metern bearbeiten. Die beiden neuen Arbeitslinien sind dagegen für eine Breite von 5,60 Metern geeignet. Für Niess ein entscheidender Vorteil: Denn die Kunden – Druckereien in aller Welt, die aus den Textilen zum Beispiel Fahnen, Banner, Deckenabspannungen oder Kunstelemente fertigen – besitzen mittlerweile Digitaldrucker, die bis zu fünf Meter Breite bearbeiten können. Das Rohmaterial, das sich in den Wandregalen der GtA-Hallen in riesigen Rollen stapelt, sind gewirkte Textilien aus Polyester. Der Mitgesellschafter der GtA, die Georg+Friedrich GmbH in Groß-Zimmern, betreibt eine eigene Wirkerei.

In den Produktionshallen der GtA werden die Stoffe gewaschen und verschiedenen Behandlungen unterzogen: So werden etwa beispielsweise Flammschutz, Sonnen- und UV-Schutz, schmutzabweisende oder lichtundurchlässige Beschichtung aufgebracht. Kameras überwachen den Prozess und erkennen im Zweifelsfall auch versteckte Qualitätsmängel. Am Ende der Produktionsstraße packen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Rollen, die für die Kunden auf die gewünschte Länge geschnitten wurden, ab. Sie werden in Folie gehüllt und erhalten einen Barcode und einen RFID-Chip.

Ein Alleinstellungsmerkmal ist das große Augenmerk, das in Neresheim auf Umweltschutz liegt. „30 Prozent unseres Investitionsvolumen am Standort fließen in Energieeinsparung“, betont Niess.

30 Prozent unseres Investitionsvolumens am Standort fließen in Energieeinsparung.

Andreas Niess
Geschäftsführer

Innovative Wärmerückgewinnung

So hat das Team von GtA selbst ein aufwendiges System zur Wärmerückgewinnung gebaut und installiert. Die Energie aus der heißen Abluft wird wiederverwendet. 140 bis 160 Grad heiß ist diese Luft zunächst. Nachdem ihr Energie für die verschiednen Prozesse entzogen wurde, sind es nur noch 30 bis 34 Grad. Das Wasser für den Waschprozess wird nur mit mittels dieser Abwärme von 11 auf 81 Grad aufgeheizt. Mithilfe von Wärmerückgewinnung wird auch die Außenluft, die ins Gebäude strömt, aufgeheizt. Bei jeder Investition gelte es gleichzeitig, Energie zu sparen und Ressourcen zu schonen, findet Niess. Gleiches gilt auch für die Rohstoffe, hier setzt GtA vermehrt auf Recyceltes, PET-Flaschen oder geschredderte Textilien als Ausgangsmaterialien.

Zum Einsatz kommen durchweg lösemittelfreie Hilfsmittel, bei Flammschutzmitteln halogenfreie Chemie und bei den Waschmitteln keine Tenside, sondern biobasierte Tonerde-Produkte. Ein Ergebnis: GtA ist jetzt beim Ökotex-Siegel mit dem höchstmöglichen Standard, der Produktklasse I zertifiziert worden. Damit wären die Textilien aus Neresheim rein theoretisch sogar für Babyunterwäsche geeignet. Nötig für die eigentlichen Einsatzbereiche wären mehrere Produktklassen niedriger. Die Neresheimer lassen sich obendrein regelmäßig von der International Certification Group als energiebewusstes Unternehmen zertifizieren. Besonders stolz ist Niess auf die Ergebnisse von Abluftmessungen Ende November. Der zulässige Grenzwert von 40 Milligramm Kohlenstoff pro Kubikmeter wird weit unterschritten – in den neuen Produktionslinien sogar um mehr als die Hälfte.

Zusätzlich hat GtA den Büro- und Verwaltungsbereich aufgestockt. Und auch in diesem Jahr soll sich einiges tun. Das Unternehmen möchte unter anderem in ein Lager, Sanitärbereiche für die Mitarbeiter, ein kleines Labor und eine kleine Werkstatt investieren, sagte Niess beim Interviewtermin, der allerdings vor den aktuellen Beschränkungen der Coronakrise stattfand.

© Wirtschaft Regional 10.03.2020 12:01
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