Luftfahrtkonzern rutscht in die Verlustzone

Milliarden-Deal schafft Korruptionsverfahren aus der Welt. Die finanziellen Folgen sind erheblich.
  • Der neue Chef Guillaume Faury. Foto: Frederic Scheiber/AP/dpa
Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus ist nach den milliardenschweren Strafzahlungen wegen Korruptionsvorwürfen ins Minus gerutscht. Im Geschäftsjahr 2019 fiel nach Unternehmensangaben ein Fehlbetrag von knapp 1,4 Mrd. EUR an. Dabei wurde die Bilanz von Sonderkosten für den Militärtransporter A400M belastet. Im Jahr 2018 lag der Gewinn noch bei gut 3 Mrd. EUR.

Nach einer Einigung mit Behörden wegen Bestechungs- und Korruptionsvorwürfen hatte der europäische Flugzeugbauer eingewilligt, zusammen 3,6 Mrd. EUR in Frankreich, Großbritannien und den USA zahlen. Die schon seit Jahren laufenden Untersuchungen hatten den Konzern mit Zentrale im französischen Toulouse unter Druck gesetzt. Ihr übriges taten schlechte Exportaussichten für den Militärtransporter A400M – es fielen Sonderbelastungen von 1,2 Mrd. EUR an.

Beides überschattet das erfolgreiche Jahr 2019. Im Rennen um die Marktführerschaft konnte Airbus erstmals seit Jahren dem US-Erzrivalen Boeing den Titel abjagen. Insgesamt lieferte Airbus 863 Verkehrsflugzeuge aus und damit 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Boeing steckt seit März 2019 in einer schweren Krise. Nach den zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten hatten Behörden in aller Welt Passagierflüge mit der 737 Max untersagt. Das Flugzeug ist das meistgefragte Modell des US-Konzerns.

Für Airbus ist der Strafe in der Korruptionsaffäre in Frankreich fällig geworden – 2,1 Mrd. EUR. In Großbritannien beläuft sich die Geldbuße auf knapp 984 Mio. EUR, die USA sollen knapp 526 Mio. EUR bekommen. Auslöser der Ermittlungen war eine Selbstanzeige. Die Behörden untersuchten unter anderem Bestechungsvorwürfe im Zusammenhang mit Verträgen beim Verkauf von Zivilflugzeugen und Satelliten.

Der neue Airbus-Chef Guillaume Faury nimmt sich nun für sein erstes komplettes Jahr an der Konzernspitze nur vorsichtige Steigerungen bei Produktion und Gewinn vor. So soll der Konzern im Jahr 2020 etwa 880 Verkehrsflugzeuge an die Kunden ausliefern und damit nur 17 mehr als im Vorjahr. Ursprünglich hatte sich das Management für 2019 bereits bis zu 890 Maschinen zum Ziel gesetzt.

Airbus verkündete, dass sich der in eine Krise geratene Bombardier-Konzern von seinem letzten großen Flugzeugprogramm trennt. Airbus und die kanadische Provinz Québec übernehmen Bombardiers verbliebenen Anteil an den Gemeinschaftsunternehmen für den Kurz- und Mittelstreckenjet A220. Der Airbus-Anteil steigt von gut 50 auf 75 Prozent. Airbus zahlt Bombardier 591 Mio. Dollar (rund 543 Mio. EUR). dpa

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© Südwest Presse 14.02.2020 07:45
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