Familienunternehmen

Günstigere Steuerregeln für Firmen?

Mit einer Rücklage könnten Personengesellschaften bessergestellt werden. Dazu gibt es ein Modell.
Die Familienunternehmen schöpfen vorsichtig Hoffnung, dass die Personengesellschaften steuerlich entlastet werden. Zumindest hat die Große Koalition im Koalitionsausschuss beschlossen zu prüfen, wie die steuerliche Benachteiligung beendet werden kann. Am Donnerstag tagt erstmals eine Arbeitsgruppe, in der neben Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) unter anderem Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) und der SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans sitzen.

Wie eine Gleichbehandlung von Personen- und Kapitalgesellschaften möglich ist, dafür hat die Stiftung Familienunternehmen jetzt einen Vorschlag vorgelegt. Die renommierte Kölner Steuerrechtlerin Johanna Hey schlägt in ihrem Gutachten eine Thesaurierungsrücklage vor: Für Gewinne, die von den Gesellschaftern nicht entnommen werden, sondern in der Firma bleiben, soll unter bestimmten Umständen keine Einkommensteuer anfallen.

Das Grundproblem: Kapitalgesellschaften wie GmbHs zahlen rund 30 Prozent Körperschaft- und Gewerbesteuer auf ihren Gewinn. Bei Personengesellschaften dagegen müssen ihn die Beteiligten selbst zum normalen Einkommensteuer-Satz versteuern, der samt Soli in der Spitze über 47 Prozent beträgt. Zwar gibt es schon eine Vergünstigung für thesaurierte Gewinne. Dann ist die Gesamtbelastung aber mit 36 Prozent noch immer deutlich höher als bei Kapitalgesellschaften.

Diese Regelung gibt es seit 2008. Allerdings wird sie nur in 6500 Fällen pro Jahr genutzt. Erwartet wurden bei der Einführung 90 000 „Die Nachteile der geltenden Regelung sind so gravierend, dass sie für viele Familienunternehmen unattraktiv sind“, klagt Stiftungs-Vorstand Rainer Kirchdörfer. Das Gutachten schlägt Vereinfachungen vor, damit die Steuerbelastung ähnlich hoch ist wie bei Kapitalgesellschaften.

Auch bei denen ist sie viel zu hoch, verweist Kirchdörfer auf den Beschluss der österreichischen Regierung, die Körperschaftsteuer von 25 auf 21 Prozent zu senken. Ähnliches hätten wichtige Wettbewerber wie die USA und Frankreich schon vorexerziert. „In Deutschland hat sich in der Steuerpolitik dagegen wenig getan.“ Dieter Keller
© Südwest Presse 13.02.2020 07:45
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