Handwerker wollen nicht als Buchhalter enden

Mit 50 konkreten Vorschlägen sollen die Betriebe entlastet werden.
  • Der Kassenbon ist nur ein Beispiel für Bürokratie. Foto: Marijan Murat/dpa
Das Handwerk dringt bei der Bundesregierung vehement auf weniger Bürokratie in den Betrieben. „Ständig neue Pflichten und Anforderungen machen dem Handwerk das Leben schwer“, sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. „Immer mehr Zeit verbringen Handwerkerinnen und Handwerker am Schreibtisch, statt in der Werkstatt oder beim Kunden zu sein. Nicht zuletzt liegt in diesen bürokratischen Bürden ein Grund für lange Wartezeiten.“ Handwerker hätten ihren Beruf nicht gelernt, um als „Buchhalter“ zu enden. Kunden warten oft Wochen, bis ein Handwerker zu ihnen kommt. Dies liegt aber auch am Fachkräftemangel.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerk hat einen Katalog zum Abbau von Bürokratie in den Unternehmen erarbeitet. Der Verband listete mehr als 50 Vorschläge auf. Die sollen vor allem kleine Betriebe entlasten. Konkret schlägt der Verband zum Beispiel Ausnahmen von der Bonpflicht vor, außerdem sollten Dokumentationspflichten beim Mindestlohn verringert werden. Das Handwerk will zudem Erleichterungen bei Ausschreibungen und beim Datenschutz sowie längere Eichfristen.

Handwerksbetriebe bräuchten daneben zeitliche Freiräume, in denen sie nicht ad hoc auf gesetzliche Änderungen reagieren müssten. So sollten Gesetze einheitlich an einem von zwei Stichtagen im Jahr, etwa am 1. Januar und 1. August, in Kraft treten. Weiter heißt es, neue Vorschriften überforderten die Betriebe häufig bei der Umsetzung oder seien zu unflexibel gestaltet, um unkompliziert angewendet zu werden.

Selbstständigkeit unattraktiv

Wollseifer sagte, die bürokratischen Vorgaben, Regelungen und Pflichten hätten ein „völlig übertriebenes Ausmaß“ angenommen. „Überbordende Bürokratie erweist sich immer häufiger als – um es ruhig drastisch zu formulieren – Betriebskiller. Wenn die Belastungen durch Bürokratie nicht deutlich zurückgefahren werden, werden wir gerade im Bereich kleiner und mittlerer Unternehmen künftig erhebliche Verluste haben.“ Die bürokratische Belastung schrecke auch viele junge Handwerker ab, sich selbstständig zu machen.

Bundestag und Bundesrat hatten im vergangenen Jahr ein Paket für weniger Bürokratie beschlossen. Dieses sah vor, dass die Krankmeldung auf Papier durch eine digitale Bescheinigung für den Arbeitgeber ersetzt wird. Bei Hotelübernachtungen müssen Gäste künftig keine Meldescheine mehr auf Papier ausfüllen. Zuvor hatte der Bundestag die Maßnahmen verabschiedet. Insgesamt ging es um Entlastungen von 1,1 Mrd. EUR. dpa
© Südwest Presse 13.02.2020 07:45
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