Ehrmann Molkerei

Aus dem Allgäu ins Kühlregal

In Sachen Fruchtjoghurt macht der Familienmolkerei keiner was vor. Jetzt feiert der Marktführer sein 100-jähriges Bestehen.
  • Die alte Käserei – in diesem Gebäude gründete Alois Ehrmann das Unternehmen. Foto: Ehrmann
  • Christian Ehrmann führt die Molkerei seit 2006. Foto: Ehrmann
  • Der Transport war wegen der Kühlkette eine Herausforderung. Foto: Ehrmann
Oberschönegg im Unterallgäu hat gut 900 Einwohner. Doch tagsüber halten sich in dem kleinen Ort deutlich mehr Menschen auf: Am Ortsrand, auf einer Anhöhe, liegt das Stammwerk der Molkerei Ehrmann. 730 Menschen arbeiten hier an Produkten wie „Almighurt“, „Grand Dessert“ und „High Protein Pudding“.

In diesem Jahr feiert Ehrmann sein 100-jähriges Bestehen: 1920 gründete Alois Ehrmann senior in Oberschönegg die „Alois Ehrmann Käserei“. „Er verkaufte im Prinzip Käse und Butter aus der Garage heraus“, beschreibt Marketingdirektor Gunther Wanner die Anfänge der Firma. Das Haus, in dem Alois Ehrmann lebte und arbeitete, ist heute von modernen Firmengebäuden umgeben. Bis vor wenigen Jahren wurde es auch noch vom jeweiligen Geschäftsführer bewohnt, inzwischen wird auch dort gearbeitet.

Seit den 60er Jahren ist der Käse kein Thema mehr für das Familienunternehmen, dafür trat der Fruchtjoghurt in den Fokus. Man habe es geschafft, das Produkt im Vergleich zur Konkurrenz cremiger und weniger rau im Geschmack zu machen, erklärt Wanner. In dieser Zeit entstand die Produktlinie Almighurt, den es heute in 70 verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt. Darunter die Klassiker Erdbeer, Himbeer und Kirsch. Aber auch ausgefalleneres wie Mohn-Marzipan. Aber auch der bekannte Slogan „Ehrmann – keiner macht mich mehr an“ wurde in den 60ern entwickelt.

In dieser Zeit, in der mit Alois junior und Anton Ehrmann bereits die zweite Generation am Ruder war, wuchs Ehrmann auch in der Fläche. Eine besondere Herausforderung, da wegen der erforderlichen Kühlung die Produkte nicht sehr lange transportiert werden konnten.

Im Jahr 2006 hat Christian Ehrmann, Sohn von Alois Ehrmann junior, die Geschäfte übernommen. Heute ist die Molkerei international tätig, beschäftigt weltweit 2400 Mitarbeiter, hat Produktionsstätten in Brasilien und Russland. Zur Gruppe gehören auch die Fleischwerke Zimmermann und das Unternehmen Saliter, das unter anderem Kondensmilch herstellt.

Bis zum Sommer war man auch in den USA aktiv, zog sich nach zehnjährigem Engagement aber wieder zurück, da immer mehr Konkurrenten auf den Markt drückten. Es galt, eine Entscheidung zu treffen: massive Investitionen oder Rückzug. Verkauft wurden die Werke in Vermont und Arizona an die französische Molkerei Lactalis, die zu Nestlé gehört. In Folge des Verkaufs sank der Umsatz der Gesamtgruppe von 850 Mio. EUR im Jahr 2018 auf voraussichtlich 800 Mio. EUR im vergangenen Jahr. Bereinige man die Zahlen um das verkaufte US-Geschäft, sei der Umsatz unterm Strich gewachsen, so Marketingdirektor Gunther Wanner. Zum Gewinn macht das Unternehmen keine Angaben.

Damit die Umsätze auch in Zukunft steigen, beschäftigt Ehrmann ein 21-köpfiges Forschungsteam. Das entwickelte jüngst zum Beispiel die 2018 und 2019 eingeführte neue Produktlinie „High Protein“. „Wir haben das Produkt zunächst in Finnland getestet“, erklärt Wanner, „dort ist der Trend früher aufgeschlagen.“

In der Zukunft soll auch das Thema Nachhaltigkeit eine größere Rolle spielen, teilt Christian Ehrmann schriftlich mit. „Aspekte wie Tierwohl, Klimaschutz und Verpackungsentwicklung stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit unserem Unternehmen.“ Es gebe verschiedene Projekte, um das Unternehmen entsprechend auf die Zukunft vorzubereiten.

Aber auch die Kühlregale der Supermärkte Verbraucher will Ehrmann weiterhin maßgeblich mitgestalten. Darum steht die nächste Innovation schon bereit: Die Molkerei bringt einen Joghurt der Geschmacksrichtung Hanf auf den Markt. „Aber keine Sorge, der macht nicht high“, erklärt Wanner und lacht.
© Südwest Presse 13.02.2020 07:45
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