Rekordjahr für die Kreissparkasse

Bilanz der Banken Die Kreissparkasse Ostalb ist 2019 enorm gewachsen, selbst der Zinsüberschuss legt zu. Doch trotz der „fulminanten Zahlen“ gibt es eine andere, weniger erfreuliche Entwicklung.
  • Der Vorstand der Kreissparkasse Ostalb (von links): Markus Frei, Vorsitzender Andreas Götz und Dr. Christof Morawitz. Foto: Kreissparkasse Ostalb/Ingrid Hertfelder

Aalen

Für Andreas Götz ist es die letzte Bilanzpressekonferenz als Vorstandschef der Kreissparkasse Ostalb. Zum Ausstand hat sein Institut Rekordzahlen zu verzeichnen. Kredit- und Einlagevolumen steigen enorm, selbst der Zinsüberschuss legt gegen den Branchentrend zu. Dennoch schlägt sich die andauernde Niedrig- und Minuszinsphase spürbar in den Bilanzen nieder.

„2019 war ein besonderes Jahr“, sagt denn auch Götz. Die Bilanzsumme sei „exorbitant“ um sieben Prozent gewachsen, auf nun fast 5,5 Milliarden Euro. Treiber dieser Entwicklung war das gute Kundengeschäft. Nie zuvor hat die Kreissparkasse mehr Kredite vergeben als 2019: Rund 800 Millionen Euro an neuen Ausleihungen hat die Bank an die Kunden ausgegeben. „Das sind fulminante Werte, die deutlich oberhalb unserer Planung liegen“, erläutert Götz.

Bei den Privatkunden bleiben Baufinanzierungen die Wachstumstreiber. Rund 276 Millionen neue Kredite für Bauwillige hat die Sparkasse allein 2019 vergeben. „Diese dynamische Entwicklung wird sich fortsetzen“, erklärt Vorstand Dr. Christof Morawitz und führt unter anderem gestiegene Zuschüsse und Fördermöglichkeiten als Grund an. Die Immobilientochter der KSK macht ebenfalls gute Geschäfte: 142 Objekte hat sie vermittelt, ein Viertel mehr als 2018.

Auch die Unternehmen in der Region investieren weiter fleißig, wie Vorstandsmitglied Markus Frei, der Götz im Juli beerben wird, betont. Trotz moderater Konjunkturaussichten hat die Kreissparkasse mehr als 440 Millionen Euro an neuen Krediten an die Firmen vergeben. „Die Kreditnachfrage ist aktuell weiter intakt“, sagt Frei. Die aktuelle konjunkturelle Schwächephase könnten viele Firmen gut bewältigen. „Im Gegensatz zur Krise 2008/09 haben viele Unternehmen durch die guten vergangenen Jahre ausreichend Substanz aufgebaut.“

Es gibt zwar keine Zinsen mehr auf Sparbuch & Co, dennoch tragen die Kunden ihr Geld weiter zur Sparkasse. Das Plus bei den Einlagen von fast acht Prozent habe das Institut „überrascht“, wie Götz zugibt. „Der Sparwille ist ungebrochen“, erklärt Morawitz. Wenn es nach der Sparkasse ginge, dürften die Sparer gerne mehr Geld in Aktien und andere, höher verzinste, aber risikohaltigere Anlageformen stecken. Deshalb hat die Bank eine Wertpapieroffensive gestartet, die im vergangenen Jahr erste Erfolge verzeichnete. Rund 280 Millionen Euro an Brutto-Umsatz im Bereich Wertpapiere sollen jedoch erst der Anfang sein. „Da bewegt sich was in die richtige Richtung“, hofft Morawitz.

Das klassische Bankgeschäft wird immer digitaler. Die Kreissparkasse will weiter auf die Mischung aus Online-Diensten und klassischer persönlicher Beratung – gerne auch auf digitalem Weg – setzen. „Die Bildschirm- und Telefonberatung ist nicht mehr wegzudenken“, so Morawitz weiter.

Dank des starken Kreditgeschäfts kann sich die Kreissparkasse vom generellen Bankentrend der sinkenden Zinseinnahmen abkoppeln. Die wichtigste Einnahmequelle der Bank stieg auf mehr als 83 Millionen Euro. Da gleichzeitig die zweite wichtige Säule, der Provisionsüberschuss, um satte 16 Prozent zulegte, bleibt unter dem Strich ein im Vergleich zum Vorjahr besseres Betriebsergebnis von mehr als 35 Millionen Euro. „Wir hatten eigentlich einen leichten Rückgang erwartet. Das ist ein toller Erfolg“, erklärt Götz.

Doch diese Rekordwerte täuschen nicht über die entscheidende Entwicklung hinweg: Die Niedrig- und Minuszinsphase frisst sich tief in die Bilanzen der Banken. Die Kreissparkasse Ostalb macht dabei keine Ausnahme. Zum Vergleich: Seit 2012 hat sich das Geschäftsvolumen der Kreissparkasse um 30 Prozent vergrößert, das Betriebsergebnis vor Bewertung sank von 2012 bis 2019 dennoch um rund 17 Millionen Euro – eine direkte Folge der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank. Dass sich diese Entwicklung umkehren lässt, glaubt Götz nicht. „Diese Rekordzahlen gehören der Vergangenheit an.“ Längst schon herrschten im Euro-Raum japanische Verhältnisse. Dort versucht die zuständige Notenbank seit 20 Jahren, mit dauerhaften Niedrigzinsen das Wachstum zu verstärken. Mit einem Unterschied: „Japan lag im vergangenem Jahr auf einem höheren Niveau als wir“, sagt Frei.

2019 war ein besonderes Jahr.

Andreas Götz
Vorstandschef KSK Ostalb

Die KSK Ostalb in Zahlen (in Euro, in Klammern Vorjahreswerte)

  • Bilanzsumme 5,491 Mrd. (5,133)
  • Kreditvolumen 3,593 Mrd. (3,375)
  • Einlagevolumen 4,355 Mrd. (4,042)
  • Zinsüberschuss 83,6 Mio. (82,1)
  • Provisionsüberschuss 30,9 Mio. (26,7)
  • Betriebsergebnis vor Bewertung 35,8 Mio. (32,6)
  • Mitarbeiter 941 (963)
© Wirtschaft Regional 11.02.2020 18:11
944 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?