Coronavirus steckt die Firmen an

Epidemie Unternehmen von der Ostalb berichten von Verzögerungen in den Lieferketten und untersagen Dienstreisen. Fabriken in China werden aber kommende Woche wieder geöffnet.
  • Die Zahl der Infizierten mit dem neuartigen Coronavirus steigt weltweit täglich. Das hat Folgen für den internationalen Handel und die Wirtschaft – auch auf der Ostalb. Foto: Nikolaj Saevich/Adobe Stock

Aalen

Keine Entwarnung in Sicht. Das Coronavirus breitet sich weiter aus und mit ihm nehmen die Auswirkungen auf Wirtschaft und Handel zu. Betroffen sind Unternehmen von der Ostalb, die Fabriken und Vertriebsgesellschaften in China unterhalten, Rohstoffe von dort beziehen oder auf China als Absatzmarkt setzen. Der Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV) warnt, dass die Lieferketten durch restriktive behördliche Anordnungen und verlangsamte Zollabfertigungen in China stark in Mitleidenschaft gezogen sind.

„Im Moment sind unsere Standorte in China durch die Neujahrsferien und deren Verlängerung weitestgehend geschlossen“, teilt die Carl Zeiss AG aus Oberkochen mit. „Auswirkungen auf unsere Geschäfte sehen wir zur Zeit noch nicht“, so der Optikkonzern schriftlich: „Weltweit zusammengesetzte Teams arbeiten an Szenarien, um mögliche Lieferengpässe zu vermeiden oder Alternativlösungen vorzubereiten.“ Mitarbeiter sollen nicht zwingend notwendige Reisen unterlassen oder sie verschieben. In China und Deutschland sind spezielle Zeiss-Teams an der Einschätzung und dem Umgang mit der gegenwärtigen Situation sowie an Szenarien für den Fall betraut, dass sich die Situation verschärft: „Ziel ist es, bei einer weiteren Eskalation schnell und koordiniert handeln zu können.“

Verzögerungen bei Komponenten aus China

Auch die drei Standorte des Aalener Ketten-Spezialisten RUD auf dem chinesischen Festland waren bis vor Kurzem wegen der verlängerten Neujahrsferien dicht. „Wir betreiben allerdings keine Einheit in den besonders betroffenen Regionen, sodass wir über die nächsten Tage und Wochen von einem relativ geregelten Beginn unserer Geschäftsbetriebe in China ausgehen“, sagt Geschäftsführer Jörg S. Rieger. „Bis dato ist auch kein chinesischer RUD-Mitarbeiter vom Virus betroffen und erkrankt“, fügt er hinzu. Dienstreisen nach China würden konsequent auf später verschoben.

Was die Lieferketten angeht, zeichnet Rieger ein differenziertes Bild: „Insbesondere die Divisionen unserer RUD-Anschlagmittel und unserer RUD-Förder- und Drive-Systems verfolgen ja die erfolgreiche Strategie des ,Made in Germany’, in anderen Bereichen, wo wir aus China Komponenten beziehen, gibt es im Moment Verzögerungen.“

Unser Partner in China hat einen Umsatzrückgang von circa 70 bis 80 Prozent.

Dirk Engehausen
Schleich GmbH

Maßgeblichen negativen Einfluss auf die weltweiten Geschäfte der RUD-Gruppe erwartet Rieger derzeit nicht. Je länger die Coronavirus-Krise andauere, desto größer werde jedoch die Gefahr negativer Folgen für die Weltwirtschaft.

Bis zum 9. Februar hat der Aalener Werkzeugbauer Mapal das Hauptwerk von Mapal China in Shanghai sowie alle 17 Dependancen im Reich der Mitte geschlossen. „Unter der Voraussetzung, dass es keine anderslautenden Anweisungen seitens der dortigen Behörden gibt, werden wir die Produktion in Shanghai in der kommenden Woche wieder aufnehmen“, kündigt Andras Enzenbach, Leiter Marketing und Corporate Communications, an. Schon zu Beginn der Krise hat Mapal alle Dienstreisen von und nach China eingestellt. Diese Regel gilt zunächst bis Ende Februar.

„Leider ist im Moment noch nicht absehbar, wann die chinesische Volkswirtschaft zur Normalität zurückkehren wird“, macht Enzenbach deutlich: „Deshalb lässt sich derzeit nur schwer einschätzen, welche wirtschaftlichen Folgen die Ausbreitung des Coronavirus auf unser Geschäft in China haben wird.“

Der Gmünder Spielwarenhersteller Schleich hat seinen Produktionsstandort im südchinesischen Dongguan bis zum 10. Februar geschlossen. „Bisher bisher führt dies allerdings nicht zu Versorgungseinschränkungen“, betont Schleich-CEO Dirk Engehausen. Dienstreisen von und nach China sind bis auf Weiteres untersagt. Weil Schleich aufgrund der chinesischen Neujahrsfeierlichkeiten die Warenlieferungen vorgezogen hatte, seien die Lieferketten des Unternehmens derzeit nicht beeinflusst.

Die Folgen für den Absatz spürt der Spielwarenkonzern aber deutlich: „Unser Partner in China hat einen Umsatzrückgang von circa 70 bis 80 Prozent“, sagt Engehausen und fügt hinzu: „Dies gilt allerdings mittlerweile für die meisten Gewerbe und ist kein Schleich-Phänomen.“

© Wirtschaft Regional 07.02.2020 16:48
1514 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?