Ein Dank an den Erfindergeist

Interview Nadine Kaiser, Geschäftsführerin der Wirtschaftsregion Ostwürttemberg, erklärt die Idee hinter dem regionalen Innovationspreis – und sagt, wer sich unbedingt bewerben sollte.
  • Nadine Kaiser, Geschäftsführerin der WiRO. Foto: WiRO

Schwäbisch Gmünd.

Endlich mal eine positive Nachricht in all der Abschwungsprophetie, die angesichts von Strukturwandel und Digitalisierung um sich greift. Laut des aktuellen Bloomberg Innovation Index ist Deutschland die innovativste Volkswirtschaft der Erde. Südkorea, Primus der vergangenen sechs Jahre, muss sich mit Platz zwei zufrieden geben. Innerhalb Deutschlands wiederum ist Ostwürttemberg eine der innovativsten Regionen. Um die Erfinder und Tüftler zu ehren, ehrt die Region diese mit dem Innovationspreis. Nadine Kaiser, Geschäftsführerin der WiRO erklärt im Interview, warum der Preis so wichtig ist und wer sich alles bewerben kann.

Frau Kaiser, warum wird der Innovationspreis überhaupt verliehen?

Nadine Kaiser: Die Frage lässt sich einfach und logisch beantworten: Ostwürttemberg ist nachweislich und seit vielen Jahren der Raum für Talente und Patente. Die Region hat seit Jahren einen Spitzenplatz in Deutschland, wenn es um die Patentanmeldungen in Relation zu Erwerbstätigen geht. Damit werben wir für unsere Region. Der Innovationspreis würdigt die Leistungen der Akteure und ist für uns Anlass, um Erfolgsgeschichten aus der Region zu sammeln und als wirtschaftlich bedeutsam zu honorieren – und einfach um Danke zu sagen für die Originalität und den Erfindergeist der Bewerber und Preisträger. Die Innovationspreisträger sind der Beleg für die nach wie vor hohe Innovationskraft und den Erfindergeist in unserer Region. Der Preis ist übrigens schon 20 Jahre alt. In Vorbereitung für die Präsentation der Wirtschaftsregion in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin im Jahr 2000 entstand der Slogan „Ostwürttemberg – Raum für Talente und Patente“ – die Initialzündung für die Idee des Preises, im Jahr 2001 folgte die erste Ausschreibung.

Wer kann sich bewerben? Was gibt es zu gewinnen?

Ausgezeichnet werden geniale Ideen und Produkte, ausgeklügelte Konzepte - entstanden, entwickelt und ausgeführt durch Unternehmen, Institutionen, Einzelpersonen oder Teams aus Ostwürttemberg in den Kategorien „Sieger, Preisträger und Auszeichnungen“, „Gründungen und junge Unternehmen“ sowie „Patente“. Es winken 8000 Euro Preisgeld und eine Urkunde, die nicht nur die Preisträger, sondern auch die Bewerber als Auszeichnung erhalten und als Aushängeschild nutzen können. Und zuletzt profitieren die Talente und Patente von der Aufmerksamkeit, der medialen Berichterstattung in sämtlichen Kanälen und die feierliche Preisverleihung, die im Juli stattfindet. Wichtig: Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 29. Februar 2020.

Wer entscheidet über die Vergabe – und nach welchen Kriterien?

Eine fachkundige Jury, bestehend aus Vertretern aus Wirtschaft und Verwaltung, Bildung und Wissenschaft, einem Patentspezialisten sowie der Sponsoren und Stifter. Die Jury bewertet die Bewerbungen zum Beispiel nach den Kriterien wie Pfiff und Originalität, Wirtschaftliche Bedeutung und Leistungsfähigkeit sowie Bedeutung der Auszeichnung.

Sie sind nun seit rund 10 Monaten Geschäftsführerin der WiRO. Welche Schwerpunkte wollen Sie bei Ihrer Tätigkeit als Ostwürttembergs erste Wirtschaftsförderin setzen?

Unsere Hauptaufgabe der WiRO sehe ich nach wie vor im Standort- und Fachkräftemarketing sowie in der Netzwerkarbeit. Auch wenn für die kommende Zeit ein schärferer Wind in der Wirtschaft prognostiziert wird, benötigen wir auch weiterhin qualifizierte Fachkräfte – vor allem in den Mangelberufen. Hier gibt es verschiedene Projekte und Initiativen, von denen die Unternehmen und Akteure profitieren - und auch Ideen für weitere Maßnahmen. Netzwerkarbeit ist wichtig, da der persönliche und fachliche Austausch unheimlich wichtig ist, um Allianzen zu bilden und zukunftsfähig zu bleiben. Die WiRO ist für die unterschiedlichsten Branchen und Themen Kontaktlotse und Drehscheibe.

Sie kennen sich aus im Südwesten Deutschlands. Wie innovativ ist denn eigentlich die Region um Rems, Kocher, Ipf, Jagst und Brenz im Vergleich?

Im Konzert der zwölf Regionen Baden-Württembergs müssen wir uns in Ostwürttemberg ganz und gar nicht verstecken – mit unseren Hochschulen und starken innovativen Unternehmen sind wir ganz vorne dabei, vor allem in den Bereichen Elektrotechnik, Werkstoff- und Produktionstechnologie und natürlich der Optischen Technologien wird geforscht und werden Innovationen geschaffen. Insgesamt ist der gesamte Südwesten sehr innovationsstark. Aber es gibt andere Regionen in Europa und der Welt, die bei Zukunftsthemen aufgeholt haben und nacheifern. Manche andere Region oder städtische Raumschaft trommelt lauter, wenn es um Standortmarketing oder Aufmerksamkeit geht. Daher müssen wir dranbleiben und uns nicht nur in Süddeutschland noch mehr Gehör verschaffen. Denn wir sind der Raum für Talente und Patente und wollen es auch bleiben

© Wirtschaft Regional 04.02.2020 15:25
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