Neue Perspektiven in Nürnberg

Spielwarenmesse In Nürnberg präsentiert sich nicht nur der regionale Branchenprimus Schleich, auch zwei Stiftungen und die Betzold-Gruppe sind zu Gast. Wer in Nürnberg seine Premiere feierte.
  • Holger Mayr
  • Thomas Klement
  • Der Schleich-Stand bei der Spielwarenmesse. Fotos: rs

Nürnberg

Zum ersten Mal hat die Rabenhof-Stiftung ihre Spielzeuge auf der weltweit größten Branchenmesse in Nürnberg vorgestellt. Gemeinsam mit vier weiteren Organisationen präsentiert Thomas Klement, Leiter der Werkstätten und des Service, Steckboxen für kleine, Murmelbahnen für mittlere und Kaufläden für größere Kinder. Die werden von den 180 Menschen mit Behinderung an den Standorten in Ellwangen, Aalen und Schwäbisch Gmünd hergestellt. „Für uns ist es der zweite größere Auftritt auf einer Messe in diesem Jahr“, erklärt Klement.

Der Rabenhof hatte für seine Premiere in Nürnberg keine großen Erwartungen, wie er sagt. Zu Unrecht, wie sich nun herausstellt. „Wir sind positiv überrascht“, betont Klement. Vor allem die Resonanz des Fachhandels sei sehr gut gewesen. Ähnlich sieht man das auch ein paar Meter und eine Halle weiter, wo die Samariterstiftung mit Sitz in Neresheim und mehreren Standorten im Ostalbkreis ebenfalls eine Premiere feiert – eine der anderen Art allerdings.

Traditionell präsentiert die Organisation in Nürnberg ein neues Spielzeug. Im vergangenen Jahr war es ein Insektenhotel, heuer hat Vertriebsleiter Holger Mayr eine Geheimdose im Gepäck. Er zeigt den Behälter aus Holz und Aluminium, die in den Werkstätten der gemeinnützigen Organisation von Menschen mit Behinderungen gefertigt wird. Das Gefäß hat keinen sichtbaren Verschluss, öffnen kann sie nur, wer die Fliehkräfte richtig zu nutzen weiß. Mayr ist mit den Rückmeldungen der Messebesucher hochzufrieden. „Wir beobachten einen generellen Trend: Das Interesse an Produkten, die in Deutschland gefertigt werden, nimmt zu.“

Groß ist der Andrang auch am neu gestalteten Stand der Schleich-Gruppe aus Schwäbisch Gmünd. Ein röhrender, mechatronischer Tyrannosaurus Rex begrüßt die Gäste, die im Falle Schleichs aus der ganzen Welt kommen. Die Gmünder präsentieren in Nürnberg die gesammelten Neuheiten des laufenden Jahres, Kunden bekommen also bereits einen ersten Geschmack auf das, was Schleich zum Weihnachtsgeschäft plant.

Liquid Wood ist eine echte Innovation.

Patrick Knödler
Betzold Vinco

Eine zentrale Neuheit: Die Dinosaurier-Spielfiguren bekommen nun endlich ihre eigene Spielwelt. Schleich entwirft also nicht nur neue Dinos im Mini-Format, sondern auch eine Geschichte rund um die Figuren. In diesem Fall eine über drei Brüder, die eine Forschungsstation im Amazonasgebiet von ihrem Vater übernehmen – und entdecken, dass der sich um die letzten verbliebenen Dinosaurier der Welt gekümmert hat. Fünf solcher Spielwelten mit fortlaufender Storyline (samt ständig neuer Figuren und Sets) hat Schleich bereits eingeführt – mit dem Nebeneffekt, dass die Gmünder wirtschaftlich nicht nur durch den Verkauf neuen Spielzeugs profitieren.

Vor einigen Jahren nämlich präsentierten die Firma neben den klassischen Schleich- auch Lizenz-Figuren: Superman, Batman und Co. wurden im Mini-Format von Schleich hergestellt. 2020 nun hat sich das Lizenzgeschäft um 180 Grad gedreht. „Durch den Ausbau der Spielewelten sind wir inzwischen selbst im Besitz von attraktiven Lizenzen“, sagt dazu eine Schleich-Sprecherin. Heißt: Statt für viel Geld teure Lizenzen einzukaufen, vergibt Schleich die eigenen Rechte an Unternehmen wie Verlage oder Rucksackhersteller, die dann Bücher zu Schleich-Spielzeug oder Schulranzen im Design der jeweiligen Spielwelt herstellen dürfen. Ein lukratives Geschäft, das bereits im vergangenen Jahr maßgeblich zur Umsatzsteigerung von elf Prozent auf 200 Millionen Euro beigetragen haben dürfte.

Eine der wenigen aktuellen Fremd-Lizenzen, die Schleich hält, ist jene für die Schlümpfe. Um die gab es vor Jahrzehnten einen Kampf mit der Spraitbacher Bullyland. Das Unternehmen ist in diesem Jahr wieder mit eigenem Stand in Nürnberg vertreten, gehört aber unter dem neuen Namen Bullyworld zur bayrischen Unternehmensgruppe Eberl. Der Stammsitz in Spraitbach existiert nicht mehr.

Zurück zum Thema „Made In Germany“: Auch Betzold Vinco, Hersteller von Spielwaren für Schulen, Kindergärten und ähnlichen Einrichtungen profitiert seit Jahren von diesem Trend. Einen Teil der Produktion haben die Ellwanger vor Jahren zurück an den Stammsitz geholt. Dank der hohen Automatisierung ist die Herstellung der Kunststoffprodukte nicht teurer als in Niedriglohnländern. „Mit dem neuen Werkstoff Liquid Wood haben wir eine echte Innovation“, sagt Patrick Knödler. Der besteht zu 98 Prozent aus Holz, kann aber ähnlich wie Kunststoff verarbeitet werden. Am Messestand in Nürnberg stehen zudem Konstruktionsspielzeug wie „SnapX“ und der sprechende Stift Tellimero im Mittelpunkt.

© Wirtschaft Regional 03.02.2020 12:07
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