Mehr Arbeitslose wegen Autokrise

Statistik Arbeitslosigkeit steigt im Ostalbkreis auf 3,1, in ganz Ostwürttemberg auf 3,5 Prozent. Arbeitsagentur sieht Konjunktur im Automotive- und Maschinenbau-Bereich als entscheidenden Faktor.
  • Die Arbeitslosenquote in Ostwürttemberg ist im Januar auf 3,5 Prozent und damit deutlich gestiegen. Höher lag sie zuletzt im August 2017, damals bei 3,7 Prozent.

Aalen

Die Krise der Automobil-, Zuliefer- und Maschinenbauindustrie schlägt nun auch auf den Arbeitsmarkt durch: Im Januar waren in Ostwürttemberg 8818 Menschen arbeitslos, das entspricht einer Arbeitslosenquote von 3,5 Prozent. Davon entfallen 5572 Personen auf den Ostalbkreis, eine Quote von 3,1 Prozent. Das ist im Vergleich zum Januar 2019 ein enormer Anstieg von 1060 Personen beziehungsweise 0,4 Prozent in ganz Ostwürttemberg.

Elmar Zillert, Chef der Arbeitsagentur Aalen, nennt unumwunden die Gründe: „Die deutliche Zunahme der Arbeitslosigkeit in Ostwürttemberg ist überwiegend auf konjunkturelle Aspekte zurückzuführen. Da unsere Region stark durch den Automotive-Bereich und den Maschinenbau geprägt ist, wirkt sich die aktuelle Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt deutlich stärker aus als in Regionen mit heterogeneren Strukturen.“ So fiel der Anstieg der Arbeitslosigkeit hierzulande auch wesentlich prägnanter aus als Landesdurchschnitt Baden-Württembergs.

Eine Insel der Seligen ist dabei nach wie vor der Raum Ellwangen. Hier liegt die Arbeitslosenquote mit 1,7 Prozent weiter rekordverdächtig niedrig. In Aalen beträgt die Quote 3,0 Prozent, in Bopfingen 3,1 Prozent und in Schwäbisch Gmünd 3,7 Prozent. Die höchste Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk verzeichnet der Kreis Heidenheim mit 4,4 Prozent. Hier ist die Zahl der Arbeitslosen auch stärker gestiegen als im Ostalbkreis – sowohl im Vergleich zum Dezember 2019 als auch im Vergleich zum Januar 2019.

Ausländer besonders stark betroffen

Die deutliche Zunahme der Arbeitslosigkeit in Ostwürttemberg ist überwiegend auf konjunkturelle Aspekte zurückzuführen.

Elmar Zillert
Arbeitsagentur Aalen

Am stärksten sind laut Arbeitsagentur ausländische Bürger von der gestiegenen Arbeitslosigkeit betroffen: Die Zahl der Arbeitslosen unter ihnen kletterte im Januar um 292 oder 12,5 Prozent. Im Vorjahresvergleich sind sogar 22,8 Prozent mehr Ausländer von Arbeitslosigkeit betroffen. Ähnlich verlief die Entwicklung bei den unter 25-Jährigen und den Jugendlichen sowie jungen Erwachsenen. 1501 Personen mussten sich aus einer Beschäftigung heraus arbeitslos melden. Das waren 555 oder 58,7 Prozent mehr als im Dezember.

Man setze derzeit verstärkt das Kurzarbeitergeld „zur Sicherung der Beschäftigungsmöglichkeiten“ ein, teilt die Arbeitsagentur Aalen mit. Dennoch steigt vor allem die Zahl der Arbeitslosengeld-I-Bezieher. Diese Personen werden durch die Arbeitsagentur betreut.

Knapp 60 Prozent der in Ostwürttemberg gemeldeten Arbeitslosen gehören zu diesem Personenkreis. Im Januar stieg ihre Zahl um 720 oder 15,9 Prozent auf nunmehr 5.239 Arbeitslose an. Seit Jahresfrist ist die Zahl der Arbeitslosen im Bereich der Arbeitslosenversicherung sogar um 28,2 Prozent angewachsen.

Deutlich moderater entwickelte sich die Arbeitslosigkeit bei den Arbeitslosen im Bereich der Grundsicherung (Hartz IV), die von den Jobcentern betreut werden. Ihre Zahl stieg im Januar um 108 (3,1 Prozent) nur leicht an. Im Vorjahresvergleich verzeichnen die regionalen Jobcenter sogar einen Rückgang um 91 Hartz-IV-Bezieher oder 2,5 Prozent.

© Wirtschaft Regional 30.01.2020 13:48
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