Das Coronavirus alarmiert die heimische Wirtschaft

Ansteckungswelle Werkzeugbauer Mapal stellt Reisen nach China ein, Rollladen-Messe wird abgesagt, andere Firmen lassen größte Vorsicht walten.
  • In China ist das neuartige Virus schon weit verbreitet, das zu einer schweren Lungenerkrankung führen kann. Firmen von der Ostalb stellen deshalb Reisen ins Reich der Mitte ein. Foto: pixabay

Aalen

Das Coronavirus breitet sich aus – in China und nun womöglich auch in Deutschland. Das besorgt auch die Wirtschaftsbetriebe in der Region: Besonders betroffen sind stark international ausgerichteten Unternehmen mit Verflechtungen nach Asien.

Der Aalener Werkzeugbauer Mapal hat bereits reagiert: „Aus Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern werden in der gesamten Mapal-Gruppe ab sofort und bis Ende Februar sämtliche Reisen nach China eingestellt“, heißt aus dem Unternehmen. Das schriftliche Statement des Konzerns weiter: „Ob die betroffenen Mitarbeiter ihre Reisetätigkeiten danach wieder aufnehmen, wird rechtzeitig vor Ablauf dieses Zeitraums und unter Berücksichtigung aktueller Erkenntnisse entschieden.“

„Alle Geschäftsreisen von und nach China sind bis auf Weiteres untersagt und nur im Ausnahmefall möglich“, heißt es in einer Mitteilung des Maschinenbauers Voith mit Sitz in Heidenheim.

Von der Carl Zeiss AG aus Oberkochen verlautet es dazu: „Da in China zur Zeit Neujahrsferien sind, hat der Ausbruch des Coronavirus gegenwärtig noch keine größeren Auswirkungen auf die Aktivitäten von Zeiss vor Ort. Das kann sich aber natürlich schnell ändern.“

Der Optikkonzern mit Sitz in Oberkochen teilt mit, man beachte die Situation sehr genau. „Gerade in China aber auch in Deutschland arbeiten spezielle Teams an der Einschätzung und dem Umgang mit der gegenwärtigen Situation sowie an Szenarien für den Fall, dass sich die Situation verschärft. Ziel ist es, bei einer weiteren Eskalation schnell und koordiniert handeln zu können. Erfahrungswerte aus ähnlichen früheren Fällen sind dabei hilfreich“, so ein Konzernsprecher. Die Mitarbeiter seien über Gesundheitsempfehlungen informiert worden.

„Von unseren Mitarbeitern ist unseres Wissens bisher keiner betroffen“, teilt der Textilhersteller Triumph mit Standort in Heubach mit. Die chinesischen Triumph-Stützpunkte befinden sich in Shanghai and Yancheng und damit verhältnismäßig weit entfernt von der stark betroffenen Stadt Wuhan. Triumph verweist auf eine enge Kooperation der lokalen Teams mit den öffentlichen Stellen und Erfahrungen mit der Lungenerkrankung SARS, die Anfang der 2000-er Jahre Ostasien heimsuchte. „Seit der SARS-Epidemie herrscht bei jedermann in China, inklusive der Behörden, eine hohe Sensibilität“, so ein Unternehmenssprecher.

Die Messe Stuttgart hat ebenfalls reagiert: Sie teilt mit, dass die von ihr mitveranstaltete und für Ende Februar in Shanghai geplante Fachmesse für Rollläden, Tore, Fenster und Sonnenschutz, R+T Asia, verschoben wird.

Straßen trotz Neujahrsfestes „wie leer gefegt“

Einen direkten Draht nach China hat Dietmar Diebold, Geschäftsführer der Aalener Treuhand-Immobilien. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins für Wirtschaft und Kultur, der Geschäftskontakte anbahnt, Kulturaustausch organisiert und chinesischen Jugendlichen die duale Ausbildung in Deutschland ermöglicht. „Die Straßen in chinesischen Städten sind wie leer gefegt“, gibt er weiter, was ihm Freunde aus dem Reich der Mitte berichtet haben: „Das ist zu den chinesischen Neujahrsfeierlichkeiten absolut unüblich.“

Die Reaktionen auf den Virus könnten sich „gefährlich“ auf die chinesische wie die deutsche Wirtschaft auswirken, glaubt er. „Wenn deutsche Entscheidungsträger aus der Stadt Wuhan oder dem Rest Chinas abgezogen werden, steht die Produktion still.“ In Wuhan und der zugehörigen Provinz seien rund 200 deutsche Unternehmen tätig.

© Wirtschaft Regional 28.01.2020 17:12
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