Wut über Kaesers Entscheidung

Konzern liefert Signaltechnik für Kohlezug-Strecke. Klimaaktivisten kündigen Proteste an.
  • Spricht von einem „unentschuldbarer Fehler“: die Klima-Aktivistin Luisa Neubauer. Foto: Soeren Stache/dpa
Der indische Konzern Adani will im australischen Bundesland Queensland eine der weltgrößten Kohleminen errichten. Bis zu 60 Mio. Tonnen sollen dort künftig pro Jahr gefördert, per Bahn zur Hafenstadt und von dort per Schiff nach Indien transportiert werden. Dort soll die Braunkohle in Kraftwerken verbrannt werden.

Der deutsche Siemens-Konzern hat einen Vertrag mit Adani für die Signalanlagen der Bahnstrecke unterschrieben. Der Auftragswert beläuft sich auf knapp 20 Mio. EUR. Die medial vorgetragene Wut der Aktivisiten der Bewegung „Fridays for Future“ richtet sich nicht etwa gegen Indien, den Adani-Konzern oder die australische Regierung, sondern gegen Siemens und den Auftrag für die Zugsignalanlage. Die Klimaaktivisten kündigten Proteste zur Siemens-Hauptversammlung am 5. Februar an. Zudem sind 15 Demonstrationen gegen den Dax-Konzern geplant.

Grünen-Chefin Annalena Baerbock sagte, sie habe sich ein anderes Signal erhofft . Der Konzern hätte sich „rausverhandeln“ oder Vertragsstrafen in Kauf nehmen können . Der Fall mache deutlich, dass es im Aktienrecht und den Bilanzierungsregelungen für Unternehmen nicht mehr nur um Gewinnmaximierung gehen dürfe, sondern auch Nachhaltigkeitsziele verankert werden müssten.

Siemens-Chef Joe Kaeser hatte am Sonntagabend nach einer erneuten Prüfung verkündet, am Auftrag des Industriekonzerns Adani festzuhalten. Er begründete dies unter anderem damit, dass Siemens zu seinen vertraglichen Pflichten stehen müsse. Siemens will als Konsequenz aus der Debatte ein Nachhaltigkeits-Komitee einrichten, das problematische Projekte stoppen soll.

Am Freitag hatte sich Kaeser mit der Aktivistin Luisa Neubauer getroffen. Sie kritisierte die Entscheidung am späten Sonntagabend als unentschuldbaren Fehler: „Auf diesen Vertrag zu pochen, während Australien brennt und alle Konsequenzen für Mensch und Umwelt bekannt sind, ist Wahnsinn.“ Christof Rührmair und Teresa Dapp
© Südwest Presse 14.01.2020 07:45
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