Brucker: Expansion geht weiter

Logistik 19 Standorte in Deutschland betreibt die Spedition Brucker bereits. Warum und wo bald der 20. folgen soll – und weshalb die Geschäfte trotz konjunktureller Sorgen weiter gut laufen.
  • Am Standort Aalen-Ebnat hat Brucker eine Schüttguthalle in Betrieb genommen. Foto: Brucker

Aalen.

Für die Spedition Brucker war das Jahr 2019 ein höchst erfolgreiches. „Wir werden den Umsatz in diesem Jahr voraussichtlich um zwölf Prozent gesteigert haben“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Stefan Brucker. Damit setzt das Unternehmen den Erfolgskurs der vergangenen Jahre fort. 2018 waren die Erlöse sogar um 18 Prozent gestiegen.

„Wir merken aktuell zwar eine leichte konjunkturelle Eintrübung, vor allem im Automobilsektor“, so Brucker. Allerdings hätten die Aalener dies durch neue Projekte und Aufträge in anderen Branchen mehr als ausgleichen können, so der Unternehmer weiter.

Entsprechend geht die Expansion der Bruckers weiter. In Kempten hat man zur Jahresmitte einen neuen Standort bezogen. Dort übernimmt Brucker die gesamte sogenannte Packsatzlogistik für den dortigen Bosch-Standort. Am noch jungen Standort in Reutlingen realisiert Brucker für den Stuttgarter Konzern wiederum die werksinterne Ersatzteillogistik sowie die Versorgung mit nicht produktionsbezogenen Verbrauchskomponenten. Nach nur einem Jahr beschäftigt Brucker in Reutlingen nun 30 Mitarbeiter – mit steigender Tendenz.

In der Region Ostwürttemberg hat Brucker ebenfalls einen neuen Standort bezogen. Am Standort Ellwangen liegt der Fokus auf dem Handling von Im- & Exportcontainern. „Wir haben hier eine wachstumsstarke Nische gefunden, in der wir weiter wachsen wollen“, erklärt der Geschäftsführer, der das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Arno Brucker leitet. Vor allem große Industrieunternehmen aus der Region greifen auf die Dienstleistungen der Aalener zurück. Ellwangen ist nunmehr der 19. Standort der Bruckers. Der 20. soll ein besonderer Meilenstein für die Unternehmensentwicklung werden.

Im Großraum Heidenheim laufen die Planungen für den Bezug von mindestens 30 000 Quadratmetern Fläche. Wo sich Brucker ansiedeln wird, sagt der Geschäftsführer noch nicht. „Die Gespräche laufen und sind bereits weit fortgeschritten.“

Die Gespräche laufen.

Dr. Stefan Brucker
Geschäftsführender Gesellschafter

Für das kommende Jahr bleibt Brucker trotz der mittlerweile spürbaren konjunkturellen Delle optimistisch. „Unsere Stärke war schon immer unser diversifizierter Ansatz. Wir sind nicht von einer Branche abhängig, sondern breit aufgestellt.“ Und noch eine weitere Entwicklung stimmt Brucker froh.

Zwar sei der Preisdruck in der Logistikbranche noch immer stark, allerdings habe bei vielen Kunden ein Umdenken stattgefunden. „Inzwischen wird bei vielen Unternehmen der Mehrwert einer funktionierenden Logistik wertgeschätzt.“ So entscheide nicht mehr nur der Preis über die Vergabe, Flexibilität und Qualität der Dienstleistung spielten eine immer wichtigere Rolle, betont er.

Über eine steigende Anerkennung der Logistikbranche würde sich Brucker bei vielen Kommunen freuen die bis dato noch nicht erkannt hätten, wie wichtig die Logistik für deren ansässige Unternehmen ist. Die sind in Zeiten des steigenden Flächenverbrauchs wenig erfreut über die Ansiedlung von Logistikern auf der grünen Wiese. Das Argument: Logistiker benötigen viel Fläche, verursachen wenig geliebten Verkehr, schaffen aber nur wenig Arbeitsplätze. „Diese Schlussfolgerung ist eindeutig zu kurz gedacht. Eine arbeitsteilig organisierte Wirtschaft benötigt entsprechende Logistikflächen“, sagt Brucker, der auf ein Umdenken bei den Kommunen hofft. Ohne die entsprechende, oftmals ausgelagerte Logistik wäre das Wachstum vieler Firmen gar nicht erst möglich.

Eine neuralgische Zone für die Entwicklung der Spedition ist der Bedarf an Berufskraftfahrern. Zwar habe man in der Vergangenheit jede freie Stelle besetzen können, dennoch: „Nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa fehlen derzeit Hunderttausende Lkw-Fahrer. Und die, die aktuell beschäftigt sind, werden immer weniger.“

Von den 1,5 Millionen Lkw-Fahrern, die in Deutschland arbeiten, sind eine Million älter als 45 Jahre. „Allein in den kommenden Jahren werden 75 Prozent der aktuellen Fahrer in Ruhestand gehen.“ Zur Einordnung: 10 000 Menschen beginnen in Deutschland jährlich als Lkw-Fahrer, 50 000 gehen in Ruhestand. Hinzu kommt: 45 000 Stellen als Kraftfahrer sind in Deutschland bereits heute schon unbesetzt. Demgegenüber steht ein jährliches Wachstum des Güterverkehrsaufkommens um rund fünf Prozent. Einwände, die Branche werde massiv vom autonomen Fahren profitieren und damit ihre Nachwuchsprobleme lösen, hält Brucker für „Augenwischerei“. Denn: „Auf den Autobahnen mag das in absehbarer Zeit funktionieren, aber Logistik endet nicht an der Autobahnabfahrt sondern in der Peripherie.“ So läuft der Job-Motor bei Brucker auf Hochtouren. Allein im aktuellen Jahr ist die Belegschaft um ein Viertel auf nun mehr als 720 Mitarbeiter gewachsen.

© Wirtschaft Regional 13.01.2020 17:24
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