Banken und Sparkassen sind die Geldgeber der Region

Banken Die Institute drohen, im Wettbewerb unter die Räder zu kommen. Dabei sind sie als Unterstützer für Sport, Kultur und Sozialbereich unersetzlich.
  • Ob im Sport, im Sozialbereich, in der Kultur oder bei Veranstaltungen wie der Landesgartenschau – ohne das Engagement regionaler Banken wäre vieles nicht möglich. Grafik: ca

Aalen/Schwäbisch Gmünd

Sie sind kleine Nummern, verglichen mit den großen Geldhäusern in Frankfurt und London: die Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken von der Ostalb. Wenn es aber um die Unterstützung regionaler Sportler, Kulturschaffender und Helfer geht, sind sie ganz groß. Würden die Ostalb-Banken Opfer von Verdrängung und Konzentration, gingen bei vielen Vereinen, Institutionen und Festivals die Lichter aus.

Die Kreissparkasse Ostalb etwa engagiert sich nach eigenen Angaben mit jährlich rund 1,5 Millionen Euro als Spender und Sponsor. Mehr als 1000 Einzelprojekte von Vereinen, Institutionen, Kirchen und Kommunen profitieren davon. Das Kreditinstitut bedachte die Landesgartenschau 2014 in Schwäbisch Gmünd, die Remstalgartenschau 2019, das Bundespferdefestival in Ellwangen und das Landeskinderturnfest in Aalen. Die Liste der Unterstützten liest sich fast endlos. Sie reicht von der Musikschulakademie Schloss Kapfenburg, dem Aalener Jazzfest, dem Gmünder Festival Europäische Kirchenmusik, dem Kinderkinofestival sowie dem Schattentheaterfestival in Schwäbisch Gmünd und dem Gschwender Musikwinter über das Kulturprogramm Abtsgmünd und den Runden Kulturtisch Lorch bis hin zu Lauf-, Tischtennis-, Radel-, Handball- und Leichtathletikevents. Mehrere Hundert Vereine – darunter Sportfreunde Dorfmerkingen, Sportverein Neresheim, TV Bopfingen, DJK Ellwangen, Aalener Sportallianz und ihre drei Gründungsvereine, VfR Aalen, TV Wetzgau, TSV Essingen, Normannia Schwäbisch Gmünd und TSB Schwäbisch Gmünd – zählt die Kreissparkasse auf.

Noch mehr? Kindergärten, Schulen, Kirchen, DRK, Johanniter und Malteser, Stiftung Haus Lindenhof und Samariterstiftung erhalten Mittel, dazu ist die KSK Mitausrichter des Ostalb-Ehrenamtstages.

Zusätzlich fördert die Sparkassenstiftung Ostalb, die ein Stiftungsvermögen von sechs Millionen Euro ausweist, Institutionen wie die Junge Philharmonie Ostwürttemberg sowie Stiftungsprofessuren an den regionalen Hochschulen, zuletzt beim „Internet der Dinge“, einem Gemeinschaftsstudiengang der Hochschule Aalen und der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd. Wenn Forscher am Bopfinger Ipf das Leben der alten Kelten untersuchen, ist die Sparkassenstiftung mit von der Partie. Und über die Online-Spenden-Plattform „Gut für die Ostalb“ unterstützt die KSK Vereine, die selbst Spenden einwerben.

Förderung in Satzung und Gesetz vorgesehen

Deutschlandweit pumpte die Sparkassen-Finanzgruppe im Jahr 2018 rund 422 Millionen Euro in gemeinwohlorientierte Projekte. Freilich sind die Sparkassen als öffentlich-rechtliche Kreditinstitute durch die Sparkassengesetze dazu angehalten, dem großen Ganzen zu dienen. Sie machen dies, indem sie ihre Jahresüberschüsse teilweise als Spenden und Sponsoring weitergeben. Auch die Volks- und Raiffeisenbanken, deren Genossenschaftszweck laut Satzung „die wirtschaftliche Förderung und Betreuung der Mitglieder“ ist, interpretieren ihren Auftrag so, dass sie den Menschen in ihrem Geschäftsgebiet Gutes zukommen zu lassen. Wenn es die kleinen Banken mit Sitz in der Region nicht mehr gäbe, dann dürfte der Anteil der Gewinne, die auf der Ostalb hängen bleiben, massiv schrumpfen.

Größte Genossenschaftsbank der Region ist die VR-Bank Ostalb, die 2019 rund 560 Vereinen, Schulen, Kindergärten und Institutionen mit knapp 600 000 Euro unter die Arme gegriffen hat. Seit 2012 gibt sie jährlich 50 000 Euro für den Stiftungslehrstuhl „Erneuerbare Energien“ an der Hochschule Aalen aus. Sie unterstützte die Remstal-Gartenschau und ließ einen VR-Bank-Garten am Gmünder Zeiselberg anlegen. Mit 10 000 Euro ermöglichte sie in Essingen Initiativen rund um den Schlosspark, etwa den ersten Essinger Kinosommer. Neu ist das genossenschaftliche Sozialprojekt „Garten“: Die VR-Bank Ostalb hat hier 24 Grundschulen mit insgesamt 47 Hochbeeten inklusive Erde und Sämereien ausgestattet.

Das entsteht aus unserem Selbstverständnis heraus.

Matthias Hillenbrand
Raiffeisenbank Rosenstein

Seit 2008 stellt die Bank Pflege- und Sozialdiensten Autos, sogenannte VR-Mobile, zur Verfügung. 19 davon sind im Geschäftsgebiet unterwegs. Die Bank übernimmt dafür die Leasingraten für jeweils drei Jahren. 41 000 Euro Spenden der VR Bank gingen 2019 an 16 erfolgreiche Crowdfunding-Projekte. So an den Musikverein Ebnat, der sich zu seinem 100-jährigen Bestehen neue Uniformen zugelegt hat. Auch die Weihnachtsaktionen der regionalen Zeitungen fördert die Bank. Mehr als 200 Musik- und Sportvereine erhalten Zuwendungen für ihre Jugendarbeit, der Weltkindertag in Aalen und die Vesperkirchen in der Region bekommen Förderung.

Die VR-Bank Ostalb greift dabei auf Mittel aus dem Gewinnsparen zurück – 2019 rund 320 000 Euro – dazu auf eigene Spenden der Bank sowie Gelder der VR-Bank-Stiftung Aalen sowie der Max-Mayer-Stiftung.

Nicht nur klassische Fußballvereine als Empfänger

Nicht zuletzt trage man zur Wertschöpfung vor Ort bei, heißt es von der VR-Bank: „Wir zahlen Steuern an die Städte und Gemeinden, Gehälter an unsere Mitarbeitenden, erteilen Handwerkern Aufträge, bilden junge Menschen aus und erhöhen so die Kauf- und Wirtschaftskraft in der Region.“

Etwa ein Zehntel der VR-Bank Ostalb, knapp 60 000 Euro, gibt die Raiffeisenbank Rosenstein – hier als Beispiel für die vielen kleineren Genossenschaftsbanken genannt – an gemeinnützige Zwecke in ihrem Geschäftsgebiet. Sie beteiligt sich an der Stiftungsprofessur „Erneuerbare Energien“ mit 7500 Euro und stellt Sozialeinrichtungen ebenfalls das VR Mobil zur Verfügung. „Bei der Vereinsförderung ist uns wichtig, dass nicht nur klassisch die Fußballer zum Zuge kommen, sondern auch andere Vereine“, betont Vorstand Matthias Hillenbrand.

Er nennt als Beispiel den in Heubach neu gegründeten Kulturverein „Freunde mit Geschmack“. Entstanden aus dem „Wasser mit Geschmack Festival“ haben junge Leute hier eine Plattform für Kreativität geschaffen. Die Ergebnisse eines „Liquid Painting Workshops“ des Vereins, der ebenfalls von der Raiba gefördert wurde, sind derzeit in der Bank-Hauptstelle in Heubach zu sehen. Für Hillenbrand ist diese Förderung nichts Außergewöhnliches: „Das entsteht aus unserem Selbstverständnis heraus.“

© Wirtschaft Regional 10.01.2020 19:48
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