Diesel-Nachrüsten gegen Fahrverbot

Luftreinhaltung Stuttgart sperrt die Euro-5-Diesel teilweise aus. Hardware-Nachrüstungen können eine Lösung sein – allerdings sind sie nicht für alle verfügbar.
  • Diesel-Abgase sind in die Kritik geraten und bescheren den Haltern Fahrverbote. Archiv-Foto: opo

Aalen

Stuttgart macht ernst. Seit Jahresbeginn sind einige zentrale Straßen der Landeshauptstadt für ältere – wenn auch gar nicht so alte – Diesel-Fahrzeuge gesperrt. Betroffen sind Pendler und Ausflügler, aber auch diejenigen, die mit dem Auto Richtung Schwarzwald unterwegs sind – und damit zwangsläufig durch die Innenstadt müssen. Für Diesel der Abgasnorm Euro 4 und schlechter gilt zur Luftreinhaltung bereits seit 2019 ein Fahrverbot für die gesamte Stadt. Nun werden auch Diesel der Klasse Euro 5 – sie wurden bis 2015 zugelassen – aus einigen Zonen ausgesperrt.

Welche Straßen betroffen sind

Laut der Website der Stadt Stuttgart gilt das Fahrverbot für folgende Straßen: B 14 (Am Neckartor) von der „ADAC Kreuzung“ bis zur Kreuzung Cannstatter Straße / Heilmannstraße, B 14 (Hauptstätter Straße) vom Österreichischen Platz bis zum Marienplatz, B 27 (Charlottenstraße, Hohenheimer Straße, Neue Weinsteige) von der Kreuzung Obere Weinsteige / Jahnstraße bis zum Charlottenplatz sowie B 27 (Heilbronner Straße) von der Kreuzung Kriegsbergstraße bis zur Kreuzung Wolframstraße.

Welche Ausnahmen es gibt

Taxen, Linienverkehr, Autos von Schwerbehinderten und Fahrten bei medizinischen Notfällen sind vom Fahrverbot ausgenommen. Für eine Übergangsfrist von zwei Jahren gilt das auch für den Anliegerverkehr: Wer in einer der gesperrten Straßen etwas erledigen möchte, kann sie benutzen. Mehrere Hersteller haben den Haltern von Euro-5-Dieselfahrzeugen bereits anerkannte Software-Updates zur Emissionsminderung von Stickstoffoxid zur Verfügung gestellt. Wer dieses Software-Update für seinen Euro-5-Diesel nachweisen kann, ist für eine Übergangszeit von zwei Jahren vom Fahrverbot befreit. Auf Nummer sicher gehen allerdings nur diejenigen, die sich für eine Hardwarenachrüstung entscheiden. Diese muss in die Zulassungsbescheinigung I in das Feld 22 eingetragen werden.

Wann eine Nachrüstung möglich ist

Mehrere Hersteller haben Einbausätze zur Hardware-Nachrüstung entwickelt oder befinden sich in der Entwicklung. Verfügbar sind sie für bestimmte Modelle von Mercedes Benz, Volkswagen, BMW, Volvo, Audi, Seat und Skoda. Stefan Schmid, Obermeister der Kfz-Innung Aalen, verweist auf das Informationsportal www.dieselnachruesten.de, das von der Kfz-Innung Region Stuttgart eingerichtet wurde. Hier sind die einzelnen Modelle abrufbar.

Wo man den Pkw nachrüsten lassen kann

Einbauen können die Systeme alle AU-anerkannten Werkstätten, die am Siegel „Abgasuntersuchung anerkannte Werkstatt“ erkennbar sind. Laut Stefan Schmid sind das auf der Ostalb die Innungsbetriebe. Bis jetzt seien nur vereinzelte Nachfragen nach den Hardware-Nachrüstungen eingegangen, sagt Hans-Peter Meyer, Serviceleiter beim Aalener Autohaus Widmann. Grundsätzlich können dort Mercedes-Benz-Fahrzeuge nachgerüstet werden. Angesichts von Lieferzeiten zwischen 12 und 14 Wochen habe sich bisher kein Kunde zu diesem Schritt entschlossen, so Meyer.

Wer die Nachrüstung bezahlt

Zunächst der Fahrzeughalter, allerdings gibt es von mehreren Herstellern unter bestimmten Bedingungen Zuschüsse. Daimler unterstützt private Halter von Mercedes-Benz Euro 5 Diesel-Pkw in definierten Schwerpunktregionen bis zu einem Maximalbetrag von 3000 Euro (Materialkosten und Arbeitslohn, brutto) je Fahrzeug. Der Zuschuss kann unter hw-zuschuss.daimler.com beantragt werden. „Wir gehen davon aus, dass die Kosten durch die Unterstützung des Herstellers nahezu gedeckt werden“, sagt Hans-Peter Meyer vom Autohaus Widmann: „Allerdings liegen uns hierzu noch keine Erfahrungswerte vor.“ Auch Volkswagen beteiligt sich mit bis zu 3000 Euro an der Nachrüstung. Infos gibt es unter volkswagen.de/de/besitzer-und-nutzer/wichtige-kundeninformationen.html. Auf diese Seite verweist auch Seat. Wichtig ist: Halter sollten zunächst testen, ob der eigene Wohnsitz vom Hersteller zur jeweiligen Schwerpunktregion gezählt wird. Bei Audi wie auch bei Skoda muss ein Antrag auf Zuschuss gestellt werden. BMW und Volvo beteiligen sich nach Angaben des ADAC bisher nicht an den Kosten für die Nachrüstung. Laut Hans-Peter Meyer müssen die Kunden zunächst die Nachrüstung vornehmen lassen, anschließend können sie sich den Betrag erstatten lassen.

© Wirtschaft Regional 10.01.2020 11:49
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