Varta streicht 220 Arbeitsplätze

Die Übernahme der Varta Consumer ist abgeschlossen, jetzt baut die Varta AG um. Das kostet zunächst 220 Jobs, soll aber hunderte neuer Stellen schaffen.

Ellwangen. Nach dem erfolgreichen Kauf der Haushalts-Batterie-Sparte Varta Consumer strukturiert sich die Varta AG neu. Künftig teilt sich das Geschäft des Ellwanger Unternehmen in zwei Bereiche: „Microbatteries and Solutions“ und „Household Batteries“. Im zweiten werden die bisherigen Aktivitäten der Varta Consumer weitergeführt. Allerdings kommt es hier zu einem deutlichen Stellenabbau.

Wie das Unternehmen mitteilt, werden bis Ende des Jahres rund 220 Vollzeitstellen entfallen. Aktuell sind in Ellwangen und Dischingen rund 1500 Menschen für Varta Consumer tätig. Die AG begründet den Wegfall zum einen mit Synergieeffekten: einige Funktionen fallen bei Consumer weg, weil diese schon von der AG geleistet werden. Zum anderen habe Varta Consumer bislang für den ehemaligen Mutterkonzern Spectrum Brands Service-Dienstleistungen erbracht, die nun entfielen. Spectrum Brands hatte seine Batterien-Sparte an den US-Konzern Energizer verkauft, der wiederum die Haushaltsgeräte-Sparte wegen kartellrechtlicher Bedenken an die Varta AG weiterreichen musste.

Wie die AG weiter erklärt, werde der Stellenabbau „sozialverträglich und in enger Abstimmung mit Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaften“ erfolgen. Gleichzeitig stelle die AG den betroffenen Mitarbeitern eine Weiterbeschäftigung an anderer Stelle im Konzern in Aussicht. Denn: Das Wachstum der Mikrobatterien-Sparte ist weiter ungebrochen. Varta profitiert wie berichtet von der anhaltend hohen Nachfrage im Bereich der Premium-Headsets, deren Markt jährlich um rund 30 Prozent wächst. Das Unternehmen weitet deshalb die Produktionskapazitäten in Deutschland massiv aus, bis zum Jahr 2022 sollen jährlich 150 Millionen Knopfzellen produziert werden, in diesem Jahr soll die Zahl zunächst auf 100 Millionen steigen. Durch dieses starke Wachstum sollen im Konzern in naher Zukunft „mehrere hundert neue Stellen“ entstehen. Diese sollen, soweit möglich, durch Beschäftigte der Varta Consumer besetzt werden, wie das Unternehmen erklärt.

Zum neuen Bereich „Household Batteries“ gehört künftig auch Energiespeicher-Geschäft. Die Sparte soll sich innerhalb des Konzerns auf das Konsumentengeschäft mit eigenem Vertrieb, Marketing und Produktion konzentrieren. Bisherige administrative Funktionen der Varta Consumer wie beispielsweise IT, Finanzen, Einkauf oder Personal, werden in die bestehende Infrastruktur der übernehmenden AG integriert. Das Microbatteries-Geschäft sowie der Bereich „Power Pack Solutions“ werden zukünftig im Segment „Microbatteries & Solutions“ zusammengefasst. Darunter fällt auch das Geschäft mit Lithium-Ionen-Batterien. Der Schwerpunkt von „Microbatteries & Solutions“ wird künftig im OEM-Geschäft liegen. Durch das erwartete, starke Wachstum bei Lithium-Ionen-Batterien wird im neuen Segment „Microbatteries & Solutions“ die Anzahl an Mitarbeitern deutlich erhöht werden.

„Wir sind stolz darauf, die Chance ergriffen zu haben, zusammen zu führen, was zusammen gehört“, erklärt Varta-Vorstandschef Herbert Schein. Mit Varta Consumer stärke sein Unternehmen den Markenauftritt, erweitere das Produktportfolio und erschließe neue Geschäftspotenziale. Das starke Wachstum des Konzerns verortet er allerdings im Bereich der Lithium-Ionen-Technologie. „Aufgrund der hohen Nachfrage nach Varta-Lithium-Ionen-Batterien bauen wir unsere Produktionskapazitäten weiterhin massiv aus.“

Die Varta-Aktie reagierte nach den dramatischen Verlusten am Vortag positiv und notierte zwischenzeitlich mit rund vier Prozent im Plus. Die Aktie der AG brach am Mittwoch zeitweise um ein Viertel ein. Allerdings bleibt das Papier weiter deutlich hinter dem Höchststand von 128 Euro. Grund für den rapiden Kursverlust: Die Commerzbank hatte eine Studie veröffentlicht, wonach einige Elektronikhersteller zunehmend auf chinesische Batterie-Anbieter statt auf die Varta setzen.

© Wirtschaft Regional 09.01.2020 11:52
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